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Finanzabteilungen beunruhigt über zu engen Zeitplan für Emir

Ambitionierter Zeiplan: Unternehmen haben nur drei Monate Zeit, um mögliche Anpassungen der EU-Richtlinie Emir umzusetzen.
iStock / Thinkstock / Getty Images

In den Finanzabteilungen großer europäischer Industrieunternehmen wächst die Sorge vor einem zu engen Zeitplan, um die neue Verordnung zur Regulierung von OTC-Derivaten umzusetzen. Allerdings sind für Unternehmen, die Preisrisiken aus ihrem Grundgeschäft mit Derivaten absichern, wichtige Details nach wie vor offen. „Mit Emir sind wir zufrieden. Doch bleibt abzuwarten, wie die Level-2-Maßnahmen der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde Esma ausfallen werden“, sagt Ralf Hilgenstock aus dem Konzernfinanzwesen von BMW.

Ende März hatte das Europäische Parlament nach jahrelangen Verhandlungen die European Market Infrastructure Regulation – kurz Emir – verabschiedet. Demnach müssen außerbörsliche Derivategeschäfte künftig über zentrale Clearinghäuser abgewickelt sowie in einem Transaktionsregister registriert werden. Die Reform soll Ende 2012 in Kraft treten. Nach Emir sind Unternehmen außerhalb des Finanzsektors von der verpflichtenden Abwicklung von OTC-Geschäften über zentrale Clearinghäuser grundsätzlich befreit, sofern sie nicht bestimmte Schwellenwerte überschreiten. Über die Höhe dieser Schwellenwerte befindet die Esma. Bis Ende September dieses Jahres soll die Behörde diese und andere offene Punkte, etwa die Abgrenzung zwischen Spekulation und Hedging, klären. Ursprünglich sollten die Ergebnisse bereits Ende Juni vorliegen.

Für die Unternehmen ist der Zeitplan ambitioniert: Sie haben nun drei Monate weniger Zeit, mögliche Anpassungen umzusetzen. Vor allem der sogenannte Clearing Threshold wird von den Corporates kritisch gesehen. Dieser regelt – abhängig vom eingegangenen Kontraktvolumen – die Pflicht zur Abwicklung der Derivatepositionen über zentrale Kontrahenten. Überschreitet das Volumen der Derivatekontrakte eines Unternehmens den Clearing Threshold, müssen sie über zentrale Kontrahenten abgewickelt werden – und zwar sämtliche Kontrakte, egal ob sie zu Absicherungszwecken eingegangen wurden oder nicht.

In welche Richtung die technischen Standards gehen ist nach wie vor völlig offen. „Positiv ist, dass die Esma nun drei Monate länger Zeit hat, Marktteilnehmer zu konsultieren“, gewinnt Dr. Volker Anhäuser von BNP Paribas der Situation auch etwas Gutes ab. Er hofft, dass die Behörde so wenigstens zu praxisgerechten Lösungen finden werde.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de

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