Der südkoranische Treasurer des Technologiekonzerns ABB soll 100 Millionen US-Dollar veruntreut haben. Zwar konnte das Geld bisher noch nicht zurückgeholt werden, doch die Versicherung übernimmt wohl rund 30 Millionen Dollar des Schadens.

ABB

13.03.17
Finanzabteilung

Finanzbetrug in Südkorea kostet ABB weniger als gedacht

Der Finanzbetrug durch den südkoreanischen Treasurer kostet den Schweizer Technologiekonzern ABB wohl 30 Millionen US-Dollar weniger als erwartet. Doch der Fall bleibt pikant: Der Bilanzprüfer EY kritisiert die Kontrollsysteme von ABB scharf.

Der Technologiekonzern ABB begrenzt den finanziellen Schaden, der ihm aus dem Finanzbetrug seines südkoreanischen Treasurers entstanden ist. Wie die Schweizer am heutigen Montag mitteilten, liegt die vorsteuerliche Belastung nur bei 73 Millionen US-Dollar und damit rund 30 Millionen Dollar unter den im Februar geschätzten 100 Millionen Dollar.

Das geht aus dem Geschäftsbericht 2016 hervor, dessen Veröffentlichung verschoben werden musste und der heute vorgelegt wurde. ABB hatte im Februar verkündet, bereits „schadensmindernde Maßnahmen“ eingeleitet zu haben. Diese waren nun zumindest teilweise erfolgreich, denn ABB geht davon aus, dass die Versicherung rund 30 Millionen Dollar des Schadens übernehmen wird. Dafür ist es bisher offenbar noch nicht gelungen, die veruntreuten Gelder zurückzuholen und den untergetauchten Treasurer aufzuspüren. Er ist international zur Fahndung ausgeschrieben, auch Interpol hat sich eingeschaltet.

Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise, dass der Treasurer bei seinem Diebstahl von erheblichen Kontrolllücken bei ABB profitiert hat. EY, der Bilanzprüfer von ABB, weist dem Konzern indirekt eine Mitschuld an dem Finanzbetrug zu. Die Wirtschaftsprüfer kritisieren im aktuellen Geschäftsbericht, dass der Konzern die Finanzberichterstattung nicht effektiv genug kontrolliert habe. 

ABB-Treasurer soll Dokumente gefälscht haben

Für die Unterschlagungen soll der Treasurer Unterlagen gefälscht und mit Dritten zusammengearbeitet haben. Die Züricher ABB-Zentrale wurde erst auf den Betrugsfall aufmerksam, nachdem der Treasurer am 7. Februar spurlos verschwand. In der Folge leiteten die Schweizer eine umfassende Untersuchung ein.

Welche Fehler ABB nach Ansicht des zuständigen EY-Prüfers genau gemacht hat, wie wichtig sichere und sauber definierte Prozesse im Zahlungsverkehr sind und vor welchen Betrugsmaschen die Finanzabteilungen derzeit besonders auf der Hut sein müssen, erfahren Sie bei der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer