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Französische Tobin-Steuer gilt ab sofort

Die Einführung der Finanztransaktionssteuer wird seit der Finanzkrise viel diskutiert. Vor ein paar Stunden erst ist die Steuer auf französische Aktienkäufe in Kraft getreten. Der Französische Finanzminister Pierre Moscovici lobt sie als „den ersten Schritt in Richtung Finanzreform und Gerechtigkeit“.

Die Anwaltskanzlei Taxand, die sich ganz auf Steuerfragen spezialisiert hat, erwartet jedoch, dass die neue Finanztransaktionssteuer „wahrscheinlich eine Fülle von Reaktionen multinationaler Finanzdienstleister hervorruft“. Laut Taxand werden sich diese fragen, warum sie ihren Aktienhandel in Frankreich beibehalten sollten. Denn schließlich gibt es eine solche Steuer bislang nicht in den umliegenden europäischen Ländern.

Beim Kauf französischer Aktien muss ab sofort eine Finanztransaktionssteuer von 0,2 Prozent gezahlt werden. Sie entfällt aber nur auf Geschäfte mit Papieren von Unternehmen, die ihren Hauptsitz in Frankreich haben und deren Börsenwert über der Schwelle von einer Milliarde Euro liegt. Eine weitere neue Steuer in Höhe in Höhe von 0,01 Prozent erhebt Frankreich auf bestimmte Transaktionen im Hochfrequenzhandel und besondere Geschäfte mit Kreditausfallversicherungen (CDS) auf EU-Staatsanleihen. Im Gegensatz zur Abgabe auf Aktiengeschäfte betrifft diese allerdings lediglich Unternehmen und Personen, die in Frankreich steuerpflichtig sind. Vollkommen steuerfrei bleibt zunächst der Kauf normaler Unternehmens- und Staatsanleihen.

Frankreich ist das erste EU-Land, das solch eine Steuer erhebt, obwohl sich auch die Regierungen von Deutschland, Italien und Spanien einig sind, dass eine Finanztransaktionssteuer notwendig ist. Sie soll Marktspekulationen eindämmen, die von vielen als Auslöser der Finanzkrise gesehen wird. Gleichzeitig zielt Frankreichs Präsident Francois Hollande darauf ab, das Staatsdefizit mit den Einnahmen aus der neuen Steuer zu reduzieren.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de

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