Nicht nur mit den Spielern, auch mit den Anhängern der Würzburger Kickers plant Thomas Weiß Compliance-Schulungen.

Würzburger Kickers

17.05.13
Finanzabteilung

„Fußball und Compliance sind keine zwei Paar Schuhe“

Mit Thomas Weiß beschäftigen die Würzburger Kickers als erster Fußballclub einen Compliance Officer. Was der frisch ernannte Compliance-Verantwortliche auf der Agenda hat, erzählt er im Gespräch mit FINANCE.

Herr Weiß, Sie sind der erste Compliance Officer eines Fußballvereins. Wie ist ausgerechnet der Viertligist Würzburger Kickers auf die Idee gekommen, einen Compliance Officer anzustellen?
Der Vorstand der Würzburger Kickers besteht nur aus ehrenamtlichen Mitgliedern, der sportliche Leiter ist Rechtsanwalt. Als wir vergangenes Jahr das erste Mal in einem anderen Zusammenhang aufeinander getroffen sind, haben wir schnell inhaltliche Berührungspunkte gefunden, und der Vorstand hat klar gemacht, dass er gerne ein Zeichen für fairen Sport setzen will.

Hatten Sie denn in Ihrer beruflichen Laufbahn schon einmal mit Fußball zu tun?
Ich bin natürlich fußballaffin, aber beruflich war das bis jetzt kein Thema. Allerdings arbeite ich seit Jahren als externer Compliance Officer für Industrieunternehmen und greife in Schulungen immer gerne auf Fußballmetaphern zurück, weil das einfach sehr plastisch ist. In diesem Zusammenhang habe ich deshalb auch schon zum Thema Compliance und Fußball recherchiert und viele Schnittmengen gefunden.

In Unternehmen ist die Agenda für den Compliance Officer meistens halbwegs klar. Was aber machen Sie bei den Würzburger Kickers?
Vom Instrumentarium her sind die Unterschiede gar nicht so groß. Ich habe zunächst angefangen, Verträge und Register zu screenen – vor allem bei Verträgen mit Nicht-Profis, die Nebentätigkeiten ausüben, wie es bei den Würzburger Kickers üblich ist, muss steuerrechtlich alles sauber geregelt sein.

Das klingt aber ja eher nach dem Aufgabefeld eines Justiziars.
Nicht ganz, denn hier fängt schon der Fairplay-Gedanke im Fußball an. Wer bei der Bezahlung der Spieler schummelt, kann sich leicht Vorteile verschaffen. Aber daneben möchte ich natürlich auch ein Compliance Management System einführen.

Wie soll das aussehen?
Der Kern des Compliance Management System wird das Schulungsprogramm. Zum einen möchten wir natürlich die Spieler schulen. Dafür will ich die Spieler zunächst über Einzelgespräche hinsichtlich der typischen Risiken wie Fußballwetten oder Doping in verschiedene Gruppen einordnen und dann individuell mit diesen Gruppen weiterarbeiten. Auf der anderen Seite möchte ich aber irgendwann auch gerne Schulungen mit Fans im Hinblick auf Kriminalität machen.

Die echten Störenfriede dürften sich aber kaum mit Ihnen an einen Tisch setzen wollen.
Im Moment hat der Verein Gott sei Dank kein Problem mit Fankrawallen. Es geht aber darum, die Fans zu sensibilisieren. Dazu möchte ich erst einmal das Gespräch mit Vertretern der Fanvereinigungen suchen und außerdem eine Helpline einrichten, über die sie anonym Randalierer melden können. Denn dass die Fans im Stadion nicht direkt einschreiten, ist ja nachvollziehbar. Trotz allem muss ihnen bewusst sein, dass sie für den Verein und seine Außenwirkung ein elementarer Faktor sind. Wenn die Außenwirkung stimmt, ist der Club auch für Sponsoren attraktiver.

Werden andere Vereine Ihrem Beispiel folgen?
Das wünsche ich mir. Aber ich glaube, dass in vielen Köpfen die Bereiche Fußball und Recht bzw. Compliance noch als zwei Paar Schuhe gesehen werden. Vor allem im Profifußball sehe ich noch eine große Zurückhaltung. Wenn die Würzburger Kickers als Viertligist etwas an der Wahrnehmung ändern könnten, wäre das ein großer Erfolg.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

Die Würzburger Kickers

Der F. C. Würzburger Kickers wurde 1907 gegründet. Der Club spielt derzeit in der Regionalliga Bayern (4. Liga). Die größten sportlichen Erfolge verzeichneten die Würzburger Kickers in den 1970er Jahren, in denen sie zwischenzeitlich in der 2. Bundesliga Süd spielten.

Der Compliance Officer

Thomas Weiß ist Rechtsanwalt und Leiter von „Artikel 13 – Institut für Datenschutz & Compliance“. In dieser Funktion hat Weiß die Compliance-Verantwortung bei den Würzburger Kickers übernommen.