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Greenback im Aufwärtstrend

Ein Ausstieg aus QE3 käme dem Dollar zu Gute.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Die Aussagen des US-Notenbankgouverneurs Ben Bernanke Ende Mai könnten das Währungsgefüge in den kommenden Monaten kräftig durcheinanderwirbeln. In seiner Rede vor dem US-Kongress hatte Bernanke signalisiert, schon in den nächsten Monaten die ultralockere Geldpolitik der Notenbank sukzessive zurückzufahren und die Anleihekäufe der Fed von zurzeit 85 Milliarden US-Dollar monatlich zu reduzieren. Die Aussagen Bernankes hatten prompte Auswirkungen auf den Devisenmärkten: Der US-Dollar legte gegenüber wichtigen Handelswährungen wie dem Euro oder dem Yen kräftig zu.

Ein Ausstieg aus der dritten Runde monetärer Lockerungen würde, nach aktueller Lesart, weitere Kursgewinne des Greenbacks nach sich ziehen. „Die Marktteilnehmer rechnen mit einem steigenden Dollar und werden nach den Aussagen Bernankes ihre Long-Positionen ausbauen. Wir sind mitten in einem längerfristigen Aufwertungstrend“, schätzt Jens Nordvig, Global Head of G10 FX Strategy bei Nomura die aktuelle Situation ein. Ähnlich sehen das auch die Währungsexperten bei BNP Paribas. Die französische Großbank passte darauf hin ihre Dollar-Prognosen in den wichtigsten Währungspaaren zum Teil recht deutlich an. Im Austauschverhältnis zum Euro erwarten die Strategen nun Kurse um 1,26 US-Dollar gen Jahresende, während zuvor 1,33 US-Dollar prognostiziert wurden.

Auch in den Unternehmen hat sich die Stimmung gedreht: In der von der Commerzbank monatlich durchgeführten Umfrage unter exportorientierten deutschen Unternehmen wuchs die Anzahl der Euro-Skeptiker zuletzt auf signifikante 52 Prozent und war damit so ausgeprägt wie seit sieben Monaten nicht mehr. Noch extremer ist die Erwartungshaltung der spekulativ eingestellten Marktteilnehmer. Gemäß der Ende Mai von der US-amerikanischen Terminmarktaufsicht CFTC vorgelegten Wochenstatistik, stiegen die Netto-Long-Positionen im US-Dollar auf den höchsten Stand seit dem Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2007. Allein im Monat Mai hätte sich das Volumen auf inzwischen 42,6 Milliarden US-Dollar verdoppelt, heißt es in dem Report.

Volatile Sommermonate

CFOs dürften damit die Schwankungen an den Devisenmärkten erhalten bleiben. Seitdem die japanische Notenbank die Märkte mit Yen flutet und damit eine gezielte Abwertung der eigenen Währung provoziert, ist der Währungsmarkt in Bewegung. Insbesondere bei Yen-Paaren ist die Volatilität seit Jahresbeginn deutlich gestiegen. Gegenüber dem Euro verbucht die japanische Währung inzwischen ein Kursplus von 15 Prozent. Gleiches könnte nun auch bei Dollar-Paaren folgen – nur mit umgekehrten Vorzeichen. „Wir gehen auf volatile Sommermonate zu“, glaubt Simon Smith, Chefvolkswirt bei FxPro.

Die Auswirkungen der Währungsverschiebungen spiegeln sich bereits in den Ergebnissen des ersten Quartals wider. Beim Sportartikelhersteller Puma beispielsweise waren Währungsverluste einer der Hauptgründe für den Einbruch der Rohertragsmarge – sie gab um gut 200 Basispunkte auf 49,1 Prozent nach. Unter anderem auf Grund dessen kassierte das Unternehmen die Jahresprognose. Beim Internetkonzern Yahoo! dagegen trugen Forward-Kontrakte, die gegen einen steigenden Yen eingegangen waren, zu 273 Millionen US-Dollar zum Vorsteuerergebnis bei. „Wir rechnen mit eine materiellen Ausgleichszahlung beim Cash Settlement“, heißt es im Quartalsbericht des Konzerns.

Die beiden Beispiele zeigen die Bedeutung eines stringenten Währungsmanagements und welche Risiken in einer Fehleinschätzung der Währungsentwicklung liegen. Auch wenn Finanzabteilungen auf die Frage nach Währungsspekulationen dies in der Regel weit von sich weisen: In der Praxis ist sie dennoch nicht unüblich. So wurde erst jüngst publik, dass sich die Drogeriemarktkette Müller mit Währungswetten auf den Schweizer Franken verspekuliert hatte. Eine Umfrage der Redaktion DerTreasurer unter leitenden Corporate Treasurern ergab, dass immerhin jeder Zehnte auch gewinnorientierte Sicherungsgeschäfte eingeht.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de

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