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Haftungsfalle: Terroristen im eigenen Unternehmen

Zahlt ein Unternehmen einem gesuchten Terroristen Lohn, kann das als Terrorismusfinanzierung gelten.
Oleg Zabielin/iStock/Thinkstock/Getty Images

Daimler macht es vor: Anfang des Jahres wurde bekannt, dass der Dax-Konzern die Daten seiner Mitarbeiter nun alle drei Monate mit internationalen Sanktionslisten abgleicht. Für den Schritt musste der Autobauer viel Kritik einstecken – dabei befindet er sich auch in Deutschland in guter Gesellschaft. „Daimler ist im Dax kein Einzelfall. Vor allem große Unternehmen gleichen immer häufiger Mitarbeiterdaten ab“, beobachtet Christian Muth, Partner im Bereich Fraud Investigation & Dispute Services bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY.

Aus gutem Grund: Terrorismusfinanzierung ist strafbar – und Verstöße gegen Sanktionslisten und Embargovorschriften können im schlimmsten Fall zu Milliardenstrafen für Unternehmen führen. Ein Unternehmen, das einem gelisteten Terroristen Gehalt überweist, könnte schon als Terrorfinanzierer gelten.

Terrorismus: Behörden rüsten auf

Bislang sind zwar noch keine Strafen gegen Unternehmen verhängt worden, die gesuchte Terroristen unter ihren Angestellten hatten. Aber das sei nur noch eine Frage der Zeit, meint Muth. „Anschläge wie der gegen die Redaktion von ,Charlie Hebdo‘ haben die Terrorangst nochmal verstärkt. Das führt auch dazu, dass Behörden weiter aufrüsten und bei der Aufarbeitung genauer hinsehen.“
 
Zumindest in der rechtlichen Theorie dürfen Unternehmen ihre Mitarbeiterdaten mit denen auf Terrorlisten vergleichen, auch wenn sie keinen konkreten Verdacht haben. In der Praxis treffen gerade Betriebe mit Tausenden Mitarbeitern aber auf enorme Schwierigkeiten. Denn nicht nur die Datensätze in den Terrorlisten sind oft bruchstückhaft – auch in den meisten Unternehmen lässt die Datenqualität oft zu wünschen übrig. Ein einfacher Abgleich der Systeme ist damit unmöglich.

„Um von einer eindeutigen Übereinstimmung sprechen zu können, sollten in beiden Datensätzen der volle Name, die Anschrift, das Geburtsdatum und der Geburtsort übereinstimmen“, sagt Muth. Im eigenen Haus sollten Daten deshalb nachrecherchiert werden, bevor die Listen in Systemen abgeglichen werden. Vage Angaben oder möglichweise falsche Schreibweisen auf Terrorlisten lassen sich aber über eine entsprechende Filterlogik in die Suche einbeziehen – dann schlägt das System auch bei Ähnlichkeiten an.

Bei Treffer klare arbeitsrechtliche Folgen

An dieser Stelle können Datenanalysten die Arbeit übernehmen: Sie prüfen den vermeintlichen Treffer durch Hintergrundrecherchen. „Man sollte nicht nur 100-prozentige Übereinstimmungen checken“, betont Muth. „Gerade Namensschreibweisen sind oft uneinheitlich, besonders wenn sie von einer Schrift in eine andere übertragen werden.“

Fördert die Prüfung einen echten Treffer zutage, gibt es allerdings keine Alternativen mehr als ein hartes Durchgreifen: Die Behörden müssen informiert und der Mitarbeiter fristlos entlassen werden. Die klassischen arbeitsrechtlichen Eskalationsstufen wie persönliche Gespräche oder eine Abmahnung braucht das Unternehmen dann nicht mehr zu beachten – denn mit solchen Maßnahmen könnten sich die dafür zuständigen Mitarbeiter aus Personalabteilung und Betriebsrat selbst in Gefahr bringen.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

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