Der deutsche Container-Riese Hapag-Lloyd soll mit Konkurrenten illegal Preise abgesprochen haben.

Hapag-Lloyd

22.03.17
Finanzabteilung

Hapag-Lloyd gerät ins Visier der US-Justiz

Die Container-Reederei Hapag-Lloyd wird von US-Behörden offenbar der illegalen Preisabsprache bei Frachtraten bezichtigt. Das gerade erst zurückgewonnene Vertrauen am Kapitalmarkt bricht wieder ein.

Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd wird laut Medienberichten vom US-Justizministerium verdächtigt, zusammen mit anderen Reedereien Preisabsprachen getroffen zu haben. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, sei ein Treffen von Topmanagern der 20 größten Reedereien in San Francisco von einer Razzia unterbrochen worden. Ermittler des US-Justizministeriums seien in das Meeting geplatzt und hätten mehrere Manager schriftlich aufgefordert, gerichtlich Stellung zu beziehen.

Neben dem Weltmarktführer Møller-Maersk bestätigte auch Hapag-Lloyd auf Anfrage, solche Schreiben erhalten zu haben. Das Schreiben enthalte jedoch keinen konkreten Vorwurf, und man wolle voll kooperieren, sofern die US-Behörden Unterlagen anfordern sollten, sagte ein Firmensprecher. Hapag-Lloyd selbst hält die Vorgänge offenbar nicht für kursrelevant, eine eigene Kapitalmarktmitteilung gab das Unternehmen nicht heraus. Die Aktionäre sehen das anders: Das Papier bricht um 7 Prozent auf rund 28 Euro ein. 

Hapag-Lloyd-CFO Nicolás Burr entert den Bondmarkt

Das Treffen, bei dem es zur Intervention der US-Behörden kam, war ein sogenanntes Box-Club-Meeting, wobei mit „Box“ Container gemeint sind. Dieses Treffen findet einmal jährlich statt. Die Reederei-Branche kämpft schon seit langem mit fallenden Frachtraten. Zuletzt hatten sich die Frachtraten jedoch wieder stabilisiert, woraufhin die Hapag-Lloyd-Aktie zu einem Höhenflug ansetzte – seit Ende November ging es bis heute um rund 70 Prozent nach oben.

Hapag-Lloyd-CFO Nicolás Burr nutzte die Rückkehr des Investorenvertrauens auch dafür, zwei neue Anleihen zu begeben: Im Januar platzierte der Chilene 250 Millionen Euro, einen Monat später weitere 200 Millionen. Mit beiden Bonds löste Burr bestehende Papiere ab. Damit drückte er die  Zinslast und streckte das Fälligkeitenprofil der hoch verschuldeten Reederei.

Tiefe Frachtraten bescherten Hapag-Lloyd 2016 einen Gewinneinbruch

Hapag-Lloyd steht gerade vor wegweisenden Wochen. Im April soll die neu formierte Allianz „The Alliance“ den Betrieb aufnehmen, in der Hapag-Lloyd seine Routenpläne mit mehreren asiatischen Partner-Reedereien zusammenführt. Zur gleichen Zeit sollte eigentlich auch die Übernahme der arabischen Reederei UASC abgeschlossen werden, doch das Closing wird sich um mehrere Wochen verzögern, wie Hapag-Lloyd vergangene Woche bekanntgeben musste. 

Beide Transaktionen sollen dazu dienen, die Stückkosten zu senken und es Hapag-Lloyd trotz der tief gefallenen Frachtraten ermöglichen, wieder nennenswerte Gewinne zu erzielen. Nach Abschluss der Fusion mit UASC wird Hapag-Lloyds Schuldenlast aber zunächst auf fast 7 Milliarden Euro ansteigen.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben die Frachtraten einen neuen langjährigen Tiefstand erreicht. Obwohl sie sich zum Jahresende hin wieder erholten, musste Hapag-Lloyd einen Umsatzrückgang von 8,8 auf 7,7 Milliarden Euro hinnehmen. Wegen eines rigiden Kostenmanagements und Einspareffekten aus früheren Übernahmen konnte das Management den Rückgang beim Gewinn jedoch in Grenzen halten. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank von 366 auf 126 Millionen Euro. Das Ebitda erreichte 607 Millionen Euro nach 831 Millionen im Jahr 2015.,

Wie der chilenische CFO von Hapag-Lloyd nach Deutschland kam und was er in seiner Karriere schon alles erreicht hat, erfahren Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Nicolás Burr.