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Hedgefonds wetten gegen SNB

„Wir sind weiterhin bereit, Fremdwährungen in unbegrenzter Höhe zu kaufen, um das Niveau von 1,20 Franken zu verteidigen“, ließ Notenbankpräsident Thomas Jordan wissen.
SNB

Hedgefonds wetten verstärkt gegen den von der Schweizer Nationalbank (SNB) festgelegten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken. Kevin Chen, Chief Investment Officer des Hedgefonds Anji Capital Management erwartet, dass die SNB noch in diesem Jahr die fixe Anbindung an den Euro aufgibt und der Franken um rund 14 Prozent aufwertet. Chen geht davon aus, dass sich die Probleme in der Eurozone verschärfen und Anleger verstärkt in den als sicher geltenden Schweizer Franken flüchten werden. Mit dieser Wette ist Chen nicht alleine. Anfang April war der Euro kurzzeitig unter die Marke von 1,20 Franken gefallen. Nach Einschätzung von Devisenhändler ging es Hedgefonds mit dem Angriff darum, die Handlungsfähigkeit und den Willen der Notenbank zu testen.

Allerdings bekräftigte die Notenbank umgehend ihren Willen, den Mindestkurs mit allen Mitteln verteidigen zu wollen. „Wir sind weiterhin bereit, Fremdwährungen in unbegrenzter Höhe zu kaufen, um dieses Niveau zu verteidigen“, ließ Notenbankpräsident Thomas Jordan wissen. Für Interventionen am Devisenmarkt kann die SNB wenn nötig mehrere 100 Milliarden Euro pro Tag mobilisieren. Um den Kurs wieder über die Schwelle von 1,20 Franken zu hieven reichten angeblich bereits mehr als 1 Milliarde Euro aus. Nach Aussage von Jordan seien für den Ausrutscher Transaktionen mit Banken verantwortlich, mit denen die SNB normalerweise nicht handelt. Weltweit akzeptiert die SNB mehr als 100 Gegenparteien.

Der Kampf gegen die Aufwertung des Franken hat der Schweizer Nationalbank im ersten Quartal 2012 allerdings einen Milliardenverlust beschert. Die durch Franken-Verkäufe aufgelaufenen und hauptsächlich in Euro, Dollar und Yen investierten Devisenanlagen der SNB verloren 6,4 Milliarden Franken an Wert. Wegen Zinserträgen und einem steigenden Goldpreis blieb unter dem Strich ein Minus von 1,7 Milliarden Euro. Als die Aufwertung des Franken 2010 begann und die SNB bei höheren Kursen als heute Euro gegen Franken kaufte, fuhr die Notenbank einen Rekordverlust von fast 20 Milliarden Euro ein.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de

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