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Hedging: Wie MTU Aero Engines FX-Risiken managt

MTU Aero Engines will stärker von der Euro-Schwäche profitieren und sichert FX-Risiken für das laufende Jahr weniger ab.
MTU Aero Engines

Die Währungsmärkte verleihen dem Triebwerkhersteller MTU Aero Engines derzeit Aufwind: 20 Millionen Euro mehr könnten die Münchener im laufenden Geschäftsjahr wegen der US-Dollar-Stärke verdienen. Bei einem angepeilten Ebit von 420 Millionen Euro sind das immerhin 5 Prozent allein durch Wechselkurseffekte.

Und das könnte sogar noch eine konservative Schätzung von MTU-CEO Reiner Winkler gewesen sein, der zugleich das CFO-Amt bekleidet. Denn nach einer Verschnaufpause im Februar hat die EZB den Euro diese Woche mit dem Beginn ihres Milliarden-Programms zum Aufkauf von Staatsanleihen ein weiteres Mal auf Talfahrt geschickt.

MTU Aero Engines: Hedging kurzfristig runter, langfristig hoch

In welchem Umfang sich die Euro-Schwäche tatsächlich in den Zahlen von MTU niederschlagen wird, hängt allerdings weniger vom aktuellen Wechselkurs als von den durch Hedging einloggten Raten ab: Das Unternehmen hat für 2015 schon drei Viertel seines Dollar-Bedarfs abgesichert, der durchschnittliche Kurs beträgt 1,29 Euro (Stand Mitte Februar). Die Ebit-Prognose über 420 Millionen Euro setzt 1,20 Euro voraus. Das heißt: In der MTU-Bilanz verpufft ein Großteil der Wirkung, die die Abwertungsdynamik des Euro entfaltet.

Unternehmenschef Winkler hat deshalb reagiert und die Quoten im FX-Hedging angepasst: „Wir sichern aktuell weniger für das laufende und das kommende Jahr ab und mehr für die Jahre 2017 und 2018“, sagte er gegenüber FINANCE. So profitiert der Triebwerkshersteller kurzfristig stärker vom fallenden Euro – und loggt sich langfristig gute Kurse ein, sollte die Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar wieder zulegen.

Damit weicht MTU aber nicht grundsätzlich von seiner Sicherungsstrategie ab, betont Winkler: „Wir schöpfen den Spielraum aus, den unser Hedging-Modell zulässt.“ Auf diese Flexibilität habe der Triebwerkhersteller bei der Gestaltung seines Absicherungsmodells Wert gelegt, erklärt Winkler, der schon seit 2001 als CFO für das Thema Währungsmanagement zuständig ist: „Planungssicherheit bedeutet für uns, dass wir negative Auswirkungen eines steigenden Euro-US-Dollar-Kurses abfedern können, aber gleichzeitig bei einer positiven Wechselkursentwicklung Spielraum für Ergebnisverbesserungen haben.“ Diese Flexibilität räumen bei weitem nicht alle CFOs ihren Treasury-Abteilungen ein, wie aus der Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe des FINANCE-Magazins hervorgeht.

CEO Reiner Winkler erwägt mehr Natural Hedging

Auch das Thema Natural Hedging spielt bei MTU eine große Rolle: Etwa 80 Prozent seiner Umsätze erlöst das Unternehmen laut Winkler in US-Dollar: „Der Dollar ist die Währung der Luftfahrt. Wir verlagern finanzielle Verpflichtungen deshalb, wo möglich, in den Dollar-Raum und haben dort auch viele Lieferantenbeziehungen.“

Über einen natürlichen Hedging-Anteil von rund 50 Prozent kommen die Münchener aber bislang nicht hinaus. Winkler will dieses Element der Wechselkursabsicherung daher weiter ausbauen. Ähnliche Pläne hat auch Airbus-CFO Harald Wilhelm. Indes: Angesichts der aktuellen Dollar-Stärke dürften diese Konzepte jedoch zunächst an Attraktivität eingebüßt haben – zu teuer hat der schwache Euro-Kurs inzwischen den Aufbau einer Kostenbasis im Dollar-Raum gemacht.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Info

Dollar-Stärke, Rubel-Crash, Franken-Freigabe – warum CFOs im Währungsmanagement umdenken müssen, lesen Sie in der Titelgeschichte der aktuellen FINANCE-Ausgabe

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