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Herausforderndes Umfeld für Risikomanagement

Die Volatilitäten an den Devisen-, Zins- und Rohstoffmärkten machen Risikomanagement zu einer echten Herausforderung für Corporate Treasurer.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Trotz Eurokrise und Wachstumssorgen um China: Die deutsche Wirtschaft ist unverändert optimistisch in das laufende Jahr gestartet. Die Risiken für die Unternehmen sind deswegen jedoch nicht kleiner geworden. Nach dem Kerngeschäft Liquiditätssteuerung und Cash Management sehen Corporate Treasurer im Risikomanagement zurzeit sogar die größten Herausforderungen. Genau dieser Bereich war Schwerpunktthema des achten Treasurer-Panels. Insgesamt 78 Teilnehmer gaben darin Auskunft über ihre Risikomanagementstrategien.

Finanzmarktregulierung im Fokus

Für die meisten Panelteilnehmer sind Währungs- und Rohstoffrisiken aktuell die dominierenden Finanzrisiken; etwas entspannter wird die Situation bei Zinsrisiken und Forderungen eingeschätzt. Auf das herausfordernde Umfeld beim Management von Finanzrisiken haben viele Treasury-Abteilungen in den vergangenen zwölf Monaten mit einer stärkeren Zentralisierung reagiert. Gut ein Viertel der Befragten hat zudem die Quoten bei der Absicherung von Marktpreisrisiken erhöht. Gleichwohl ist der Umfang der Absicherung dieser Risiken von Unternehmen zu Unternehmen höchst unterschiedlich. Während einige Treasurer auf ein vollständiges Hedging ihrer Risikopositionen setzen – insbesondere bei Währungsrisiken –, verzichten andere ganz auf potentielle Absicherungsgeschäfte.

Mit Sorge blicken viele Treasurer auf die von Brüssel ausgehenden Regulierungsvorschläge. Zwar wird die aktuelle Emir-Regulierung den Risikomanagementanforderungen der Realwirtschaft weitgehend gerecht. Ungemach fürchten die Treasurer aber von der Bankenregulierung: Basel III und die Kapitaladäquanzrichtlinie CRD IV, so die herrschende Meinung, werden die Transaktionskosten von OTC-Derivaten in die Höhe treiben. Zwei Drittel der Panelteilnehmer rechnen damit, dass die in der Regel maßgeschneiderten Derivate künftig teurer werden. Jeder Dritte geht zudem davon aus, dass sich die Regulierung negativ auf Produktvielfalt von OTC-Derivaten auswirken wird. Dagegen erwarten knapp 90 Prozent der Befragten keine substanziellen Auswirkungen auf ihre Hedgingstrategie, sollten die Vorschläge für eine Finanztransaktionssteuer Wirklichkeit werden.

Eurokrise beschäftigt Treasurer

Neben der Absicherung gegenüber Marktpreisrisiken gewinnt das Management von Länderrisiken größere Bedeutung in den Treasury-Abteilungen. Gab vor eineinhalb Jahren noch jeder fünfte Panelteilnehmer an, dass die Entwicklungen in den Peripheriestaaten der Europäischen Union die Sicherungsstrategie seines Unternehmens beeinflusse, traf dies jetzt bereits für jeden dritten Umfrageteilnehmer zu. Die dabei getroffenen Maßnahmen reichen von einem „intensiveren Monitoring der Kontrahentenrisiken“ und der „Ablehnung von Banken aus bestimmten Regionen“ bis hin zum „Verkauf von Beteiligungen in kritischen Ländern“. Mittlerweile werden auch die Überlebenschancen des Euro skeptischer gesehen als früher. Jeder fünfte der befragten Treasurer befürchtet ein Auseinanderfallen der europäischen Währungsunion. Im Herbst 2010 konnte sich nur jeder zehnte Treasurer ein solches Szenario vorstellen.

Überhaupt macht sich die anhaltende Krise im Euroraum in der täglichen Arbeit der Corporate Treasurer immer stärker bemerkbar. Vier von fünf Panelteilnehmern gaben an, seitdem Kontrahentenrisiken genauer zu beobachten – und zwar nicht nur die der Geschäftspartner sondern auch und vor allem die der Banken. In der Praxis haben Limite und Ratings die mit Abstand größte Bedeutung als Steuerungsparameter. Jeweils drei Viertel der Befragten setzen darauf. Eigene Einschätzungen und CDS-Spreads sind für etwa jeden zweiten Treasurer adäquate Instrumente, um Kontrahentenrisiken zu managen. Allerdings ist die Beschaffung von relevanten Daten für mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer problematisch. Fast jeder zweite Umfrageteilnehmer kritisierte zudem, dass in Stressszenarien zu viele Kontrahenten ausgeschlossen würden.

Entspannung an der Finanzierungsfront

Während das Risikomanagement für viele Treasurer herausfordernd bleibt, herrscht an der Finanzierungsfront unter dem Strich Entspannung. Allerdings hat sich der Zugang zu (Fremd-)Kapital nicht weiter verbessert. Nur noch 22 Prozent haben zuletzt bessere Finanzierungsbedingungen registriert. Vor Jahresfrist war der Anteil mit 45 Prozent noch mehr als doppelt so hoch. Anlass zur Besorgnis sind diese Zahlen aber nicht. Denn der Anteil derjenigen, die zuletzt schlechtere Finanzierungsbedingungen ausgemacht haben, ist mit 15 Prozent nur unwesentlich gestiegen.

Gut ein Drittel der befragten Treasurer hatte in den vergangenen Monaten allerdings Schwierigkeiten beim US-Dollar Funding, insbesondere bei europäischen Banken. Bemerkbar machte sich das vor allem in höheren Konditionen, teilweise waren aber auch gar keine Dollar-Linien mehr zu bekommen. Vor allem französische Geldhäuser hatten zuletzt mit Dollar-Refinanzierungsproblemen zu kämpfen. Jeder fünfte der befragten Treasurer plant künftig ein stärkeres Funding in anderen Währungen als dem Euro – allen voran im US-Dollar aber auch im Renminbi.

 

Die komplette Auswertung des Panels können Sie hier herunterladen.

 

andreas.knoch[at]finance-magazin.de

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