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Höhere Geschwindigkeit, mehr Risiko – was der Markt von CFOs verlangt

Die Volatilität an den Märkten steigt und Renditen sucht man lange. Keine einfachen Zeiten bei der Geldanlage für Asset Manager und CFOs.
mjbs/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die niedrigen Zinsen bringen nicht nur das kurzfristige Anlageverhalten der Unternehmen unter Druck. Auch im langfristigen Bereich müssen die Finanzverantwortlichen gut überlegen, wie sie ihr Geld anlegen. Um noch zufriedenstellende Renditen zu erlangen, gehen viele Unternehmen dazu über, ihre Anlagerestriktionen zu lockern oder haben dies bereits getan. Die Richtlinien waren im Zuge der Finanzkrise häufig restriktiver geworden, jetzt schlägt das Pendel in die Gegenrichtung aus: Mittlerweile werden zum Beispiel die Rating-Anforderungen gesenkt, so dass Unternehmen in den gesamten Investmentgrade-Bereich investieren können.

Außerdem investieren Unternehmen auch wieder ihr Geld in der europäischen Peripherie, weil dort immer noch ein gewisser Renditeaufschlag im Vergleich zu deutschen Anlagemöglichkeiten zu bekommen ist. Gerade bei Anleihen erweitern Investoren ihr Blickfeld. „Wir sehen eine sukzessive Erweiterung des Rentenspektrums,  indem nicht konventionelle Anleiheklassen in Ergänzung zu den traditionellen Anlageklassen wie Staats- und Unternehmensanleihen der Eurozone einbezogen wurden“, erklärt Nigel Cresswell, Head of Investment Consulting bei Towers Watson. Im Einzelnen sieht er eine Steigerung der Investitionen in Emerging-Markets-Anleihen, globale Staats- und Unternehmensanleihen sowie Highyield-Bonds.

„First-Mover“-Vorteil kaum noch erreichbar

Damit zeichnet sich ein Trend ab, den auch Ulrich Stephan, Chef Anlagestratege der Deutschen Bank, für sinnvoll hält. „Wer noch Rendite mit Anleihen verdienen will, der darf nicht vor der Haustür suchen“, sagte er bei der Vorstellung des Kapitalmarktausblicks der Bank.

Eine weitere Anlagemöglichkeit, die nach Ansicht von Nigel Cresswell von Investoren und Unternehmen stärker genutzt wird, sind Unternehmenskredite, sogenannte senior secured loans. Aber ebenso wie im Segment der Highyield-Bonds seien durch die verstärkte Nachfrage auch in diesem Segment die Preise nach oben geschossen, was die Renditechancen verschlechtert.

Dies zeigt vor allem eines: Wer im derzeitigen Umfeld noch Renditen erzielen will, muss schnell handeln. CFOs und Asset Manager sollten an schnellen Entscheidungsprozessen feilen. Gute Instrumente sind stark nachgefragt, und die Zeitfenster für mögliche Investitionen werden immer kürzer, bevor ein Marktsegment wieder austrocknet oder die Rendite-Spreads sich eingeengt haben. „Das aktuelle Kapitalmarktumfeld erzwingt kürzere Reaktionszeiten, wenn Investoren ‚First Mover‘-Vorteile nutzen möchten“, meint auch Nigel Cresswell.

Asset Manager müssen Kosten senken

Die niedrigen Zinsen zwingen die Finanzverantwortlichen in Unternehmen auch dazu, die Kosten stärker unter die Lupe zu nehmen, da die mageren Renditen sie immer weniger decken. Aus diesem Grund werden passive Anlageprodukte beliebter, bei denen keine Kosten für ein aktives Management entstehen. Simon Klein leitet bei der Deutschen Asset & Wealth Management (Deutsche AWM) den Vertrieb von ETFs und ETCs in Europa und Asien. Er sieht im Bereich der Rentenanlage einen Trend hin zu Exchange Traded Funds (ETFs), die einen Index abbilden. „Wenige Manager schaffen es langfristig nach Kosten die Benchmark zu schlagen, daher wird mehr und mehr passiv investiert“, erklärt Klein.

Risikofreudigere Anleger setzten dagegen auf Absolute-Return-Strategien. Nigel Cresswell sieht eine verstärkte Nachfrage nach solchen Instrumenten. Allerdings muss beachtet werden, dass „der Ertrag letztlich von den Fähigkeiten des Managers abhängt“, betont Cresswell.

Deutsche Bank: Aktien weiter im Aufschwung

Die Deutsche Bank geht davon aus, dass die Aktienkurse in Deutschland im nächsten Jahr steigen werden und Aktien daher ein unumgängliches Anlageinstrument sein werden – wenn auch ein schwankungsanfälliges und für CFOs im Asset Management hoch riskantes. Im Equity-Bereich schauen die großen Anleger verstärkt wieder in die USA oder einzelne Schwellenländer wie Indien oder China, auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten. Asset Manager und CFOs werden in diesem Marktumfeld mehr Diskussionen darüber führen müssen, welche Risiken für ihr Unternehmen vertretbar sind.

Auch Simon Klein von der Deutschen AWM sieht einen Trend zur verstärkten Investition in Aktien, was auch die Nachfrage nach Dividenden-ETFs verstärkt. „Das ist eine Entwicklung, die gerade beginnt und sich voraussichtlich im nächsten Jahr noch verstärken wird.“ Allerdings haben auch viele Asset Manager in Unternehmen schon die Möglichkeiten, in Aktien zu investieren, in jenem Maße genutzt, in dem die individuelle Anlagerichtlinie es zulässt.

Geldanlage: Währungssicherung wird immer wichtiger

Absehbar ist aber schon jetzt, dass 2015 nicht nur die normalen Schwankungen im Wert der einzelnen Anlageklassen Asset Managern Kopfzerbrechen bereiten werden. Auch im kommenden Jahr ist das Risiko hoch, dass geopolitische Krise die Märkte ebenso erschüttern wie die gezielte Steuerung der Währungskurse durch eine Reihe von Notenbanken.

„Das Thema Währungssicherung wird im kommenden Jahr noch wichtiger werden, da die Volatilität an den Währungsmärkten weiter steigen könnte“, meint Simon Klein. „Jede Notenbank verhält sich anders, und Anleger sind dem verstärkt ausgesetzt“. Damit werden die Finanzabteilungen nicht nur ihre Anlage-, sondern auch ihre Hedgingstrategien neu denken und vielfach auch auf den Kopf stellen müssen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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