Aus steuerlicher Sicht ist Deutschland kein attraktiver Standort für digitale Geschäftsmodelle. Es fehlt an Anreizen für Forschungsinvestitionen.

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27.04.17
Finanzabteilung

Hohe Steuern auf Investitionen in digitale Geschäftsmodelle

Investitionen in Forschung und Entwicklung werden in Deutschland deutlich höher besteuert als in anderen Ländern. Das hemmt die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle.

Irland, Italien und Ungarn sind als Standorte für Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen steuerlich besonders attraktiv – Deutschland ist es dagegen nicht. Das hat die Studie „Steuerlicher Digitalisierungsindex 2017“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC, der Universität Mannheim und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ergeben. Für die Analyse wurden die steuerlichen Standortbedingungen für digitale Geschäftsmodelle anhand der Bemessungsgrundlagen, der effektiven Durchschnittssteuersätze und der Kapitalkosten in den EU-Staaten sowie in den USA, in Japan, Kanada, Norwegen und der Schweiz betrachtet.

„Gerade weil digitale Geschäftsmodelle überaus mobil sind, ist die länderspezifische Besteuerung als Investitionskriterium von enormer Relevanz“, sagt Frank Schmidt, Tax-Partner und Leiter des Bereichs Industrielle Produktion bei PwC. Die Spannbreite ist groß: Der effektive Durchschnittssteuersatz beispielsweise variiert bei den betrachteten Ländern zwischen minus 10 und plus 25 Prozent. Deutschland belegt dabei mit 23 Prozent den drittletzten Platz im internationalen Vergleich. Schlechter schnitten nur die USA und Japan ab.

Abschreibungen senken Steuerlast für digitale Geschäftsmodelle

Die für digitale Geschäftsmodelle berechneten Kapitalkosten liegen in einer Spanne von minus 4 bis plus 6 Prozent. Auch hier sind die Bedingungen in Italien und Ungarn sowie in Frankreich besonders günstig. Deutschland liegt bei diesem Faktor mit einem Wert von knapp 5 Prozent auf dem 28. von 33 Rängen. Positiv können sich großzügige Abschreibungsregelungen für digitale Investitionsgüter auf die Kapitalkosten auswirken. Solche Regelung gibt es beispielsweise in Dänemark und Frankreich.

Steuerliche Sonderanreize haben den Studienautoren zufolge einen maßgeblichen Einfluss auf das Ranking. „Bei einigen Ländern sind die Investitionen in digitale Geschäftsmodelle nach Steuern sogar profitabler als vor Steuern. Mit anderen Worten: Sie werden steuerlich subventioniert“, sagt Christoph Spengel, Professor am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Universität Mannheim.

FuE-Investitionen in Deutschland kaum gefördert

Nachholbedarf sehen die Studienautoren in Deutschland beispielsweise bei der steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung (FuE). Diese verändert der Studie zufolge den effektiven Durchschnittssteuersatz für digitale Geschäftsmodelle um bis zu 6 Prozentpunkte. Steuerliche Anreize könnten damit das Investitionsverhalten der Unternehmen stark beeinflussen.

Gemessen an Ländern wie Irland und Frankreich, die bei der FuE-Förderung sehr aktiv seien, falle Deutschland im internationalen Vergleich zurück, so das Fazit. Insgesamt belegten Länder mit nur geringfügig ausgestalteten Steueranreizen die hinteren Plätze im steuerlichen Digitalisierungsindex 2017.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de