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IVG schaltet vorsorglich Cashpool ab

Die IVG-Gläubiger müssen sich auf noch größere Zugeständnisse gefasst machen. Vorsorglich stellt die IVG den konzern-internen Cashpool ab.
IVG

Noch gut eine Woche hat die IVG Zeit, um sich mit ihren Stakeholdern endlich auf ein gemeinsames Refinanzierungskonzept zu einigen. Ein erster Schritt ist getan: Nach Mitteilung des Unternehmens haben sich Vertreter der Gläubigergruppen bereit erklärt, spätestens bis zum 30. Juli einen gemeinsamen Vorschlag zu erarbeiten, der auch die Interessen von Aktionären und Hybridgläubigern einbeziehen soll. In den Ad-hoc-Komitees der Gläubigergruppen engagiert sind die Gläubiger des Kreditvertrags über 1,35 Milliarden Euro (SynLoan I) und einem der IVG bilateral gewährten Kredit über 100 Millionen Euro (LBBW-Kredit), des Kreditvertrags über 1 Milliarde Euro (SynLoan II), der Wandelanleihe und der Hybridanleihe.

Alle Gruppen sind leidgeprüft: Die IVG-Aktie konnte zwar am Freitag durch den neuen Hoffnungsschimmer kräftig zulegen, allerding auf Penny-Stock-Niveau. Das Papier notiert bei weniger als 30 Cent. Die Vertreter der Wandelanleihe haben bereits Zinsausfälle hinnehmen müssen. Und auch die Vertreter der syndizierten Kredite sind bei der IVG im Risiko. Einem Gutachten zufolge könnten die Vertreter des Syn Loan I bei einer möglichen Insolvenz nur mit Befriedigungsquoten von 46 und 55 Prozent rechnen. Die Gläubiger des Syn Loan II können immerhin auf 89 Prozent hoffen, wer die Wandelanleihe gezeichnet hat kann noch auf rund ein Drittel der Forderung hoffen.

IVG schaltet Cashpool ab

Zunächst fallen für die Refinanzierung erneute Kosten von voraussichtlich bis zu 120 Millionen Euro an. Mit der Brückenfinanzierung wäre ein Abschluss der geplanten Restrukturierung bis März 2014 möglich und der Bestand der Gesellschaft so lange gesichert. Die Kosten entstehen unter anderem durch Abschaltung des automatisierten zero-balancing Cashpools der IVG-Gruppe. Die IVG teilte mit, die Abschaltung des Cashpools sei „aus rechtlichen Gründen“ und vorsorglich erfolgt.

Ein Cashpool ist in einem kriselnden Unternehmen heikel: Grundsätzlich gelten interne Kredite über einen Cashpool als Gesellschafterdarlehen und würden damit im Insolvenzfall nachrangig bedient. Insolvenzen im Konzern oder in Teilgesellschaften haben damit auch negative Auswirkungen auf die übrigen mit dem Cashpool verbundenen Gesellschaften. Schlimmstenfalls drohen sogar den Vorständen Haftungsrisiken bis hin zum Vorwurf der Insolvenzverschleppung, wenn weiterhin über den Cashpool Gelder an eine insolvenzbedrohte Tochter fließen. Bei der IVG sorgt die Umstrukturierung dafür, dass die IVG Immobilien AG als Muttergesellschaft ihre operativen Töchter bei Bedarf zwar mit Liquidität ausstattet, selbst aber temporär keinen Zugriff mehr auf die Einnahmen der Tochtergesellschaften hat.

Gläubiger warten womöglich länger auf Geld

Die Gläubiger der beiden syndizierten Kredite und der Wandelanleihe repräsentieren zusammen Verbindlichkeiten der IVG über 2,9 Milliarden Euro. Der IVG-Vorstand teilte mit, es können „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen werden“, dass die Gruppen bis Ende dieses Monates einen Vorschlag für eine Finanzierung der IVG außerhalb eines Insolvenzverfahrens vorlegen.

Details zum Vorschlag sind rar, die Rahmenbedingungen jedoch stehen – und umfassen deutliche Zugeständnisse der Gläubiger. Aus Sicht des IVG-Vorstands ist es notwendig, dass die Gläubiger des LBBW-Kredits und der Wandelanleihe zusagen, womöglich entstehende Zahlungsansprüche gegen die IVG zeitlich zu verschieben und länger auf ihr Geld zu warten. Die entsprechende Bereitschaft hätten die Gläubigergruppen signalisiert. Die ordentliche Hauptversammlung der IVG wurde verschoben, voraussichtlicher neuer Termin ist der 12. September. Dann wird über den nun zu erstellenden Finanzierungsvorschlag abgestimmt.

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