Verschwendungssucht an der noblen Park Avenue in New York? Dass Arconic hier eine teure Konzernzentrale unterhält, macht der Hedgefonds Elliott Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld zum Vorwurf.

Gordon Bell Photography / Thinkstock / Getty Images

19.04.17
Finanzabteilung

Kleinfeld soll Elliott-Manager bedroht haben

Der Hedgefonds Elliott erhebt schwere Vorwürfe gegen den zurückgetretenen Arconic-CEO Klaus Kleinfeld. Der Ex-Siemens-Chef soll versucht haben, einen Elliott-Mitarbeiter einzuschüchtern. Der Schlagabtausch geht weiter.

Der Hedgefonds Elliott hat schwere Anschuldigungen gegen den früheren Siemens-Chef Klaus Kleinfeld erhoben, der am Montag dieser Woche auf Drängen Elliotts seinen Posten an der Spitze des US-Konzerns Arconic aufgeben musste. Kleinfeld habe einen der Elliott-Manager bedroht, behauptet der Hedgefonds.

Dies soll in einem Brief geschehen sein, den Kleinfeld, der bekannteste deutsche Topmanager in den USA, vor wenigen Tagen an Elliott-Chef Paul Singer geschrieben hatte. Weil der Inhalt des Briefes nicht mit dem Verwaltungsrat abgestimmt gewesen sei, hatten die Verwaltungsräte Kleinfeld den Rückzug nahegelegt. Aus Kleinfelds Umfeld verlautete, der Brief sei nur ein „harmloses und freundliches Schreiben“ gewesen.

Nach Aussage Elliotts ist das nicht der Fall: „Um es klar zu sagen: Der Brief las sich wie eine Bedrohung, um einen der Elliott-Manager auf Basis komplett falscher Andeutungen einzuschüchtern oder gar zu erpressen“, erklärte Elliott. Der Hedgefonds habe daraufhin den Verwaltungsrat von Arconic über den Inhalt des Kleinfeld-Briefs informiert.

Elliott bezeichnet Arconic-Warnung als „Akt der Verzweiflung“

Die Hoffnung der Arconic-Führung, mit Kleinfelds Rückzug die Elliott-Kampagne stoppen zu können, hat sich damit offenbar zerschlagen. Elliott kündigte an, seine Kampagne bei Arconic „so energisch wie eh und je“ weiterzuführen: „Der Verwaltungsrat hat aus der Auseinandersetzung mit uns offenbar nichts gelernt“, kritisiert der Hedgefonds, der mit knapp 12 Prozent größter Aktionär des Flugzeugzulieferers ist und Call-Optionen auf weitere rund 1,5 Prozent der Anteile hält.

Elliott wirft der Arconic-Führung Verschwendungssucht vor, was sich in schwachen Margen und einer schlechten Aktienkursentwicklung niederschlage. Der Verwaltungsrat wehrt sich mit bemerkenswerten Wendungen gegen die Kampagne, die sich nicht nur gegen den langjährigen deutschen CEO richtet. In der vergangenen Woche warnte Arconic, Elliotts Aktivitäten könnten zu einem Kontrollwechsel führen und damit eine Change-of-Control-Klausel auslösen, was das Unternehmen zu Zahlungen von 500 Millionen US-Dollar zwingen könnte. Elliott bezeichnete diese Warnung als „Akt der Verzweiflung“.

Arconic ist im vergangenen Jahr aus der von Kleinfeld betriebenen Aufspaltung des US-Aluminiumherstellers Alcoa hervorgegangen und beliefert vor allem die Auto- und Flugzeugindustrie mit Bauteilen aus modernen Verbundwerkstoffen.  

Update (20.4.17, 10:12h): Inzwischen hat Elliott Kleinfelds Brief an Elliott-Chef Singer veröffentlicht sowie außerdem zwei sich darauf beziehende Repliken eines Elliott-Juristen. Alle drei Schriftstücke lassen sich hier einsehen.  
 
michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Wie Activists wie Elliott agieren und wie man sich als Management mit ihnen auseinandersetzt, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite Aktivistische Investoren.