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Korruption und Bilanzfälschung auf dem Vormarsch

Bestechung und falsche Zahlen: Die Hemmungen, mit unlauteren Methoden die Geschäfte anzukurbeln, schwinden.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Die anhaltende Volatilität  fordert ihren Tribut: Bestechung, Manipulationen und andere kriminelle Machenschaften greifen global um sich – und machen selbst vor Unternehmen mit guten Compliance-Strukturen in vermeintlich streng regulierten Ländern nicht Halt. Das zeigt die aktuelle Untersuchung „Fraud Survey 2013“ von Ernst & Young, für die die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Aussagen von mehr als 3.000 Führungskräften aus 36 Ländern in Europa, Indien, Afrika und dem Mittleren Osten ausgewertet hat. 70 Prozent der Befragten fühlen sich aktuell persönlich starkem Ergebnisdruck ausgesetzt, und eine Verbesserung ist für die meisten nicht in Sicht – auch für die kommenden zwölf Monate rechnen noch 60 Prozent der Führungskräfte damit, dass ihre persönliche Situation unverändert anhalten wird. Selbst unter den deutschen Managern, deren Lage verglichen mit der Situation vieler Kollegen aus den Nachbarländern eigentlich vermeintlich komfortabel sein müsste, erwarten immer noch 52 Prozent einen andauernden Ergebnisdruck.

Diese extreme Belastung lässt offenbar die Hemmschwellen sinken. Für positive Ergebnisse ist vielen jedes Mittel recht: Fast die Hälfte der Befragten (42 Prozent) gibt zu, schon einmal Zeuge davon geworden zu sein, wie in der eigenen Finanzabteilung Ergebniskosmetik  betrieben worden ist – sei es, dass Berichte zum falschen Stichtag erstellt werden, um die Ziele zu erfüllen, oder dass bestimmte Kosten einfach unter den Tisch fallen.  Ein noch größerer Anteil der Befragten (48 Prozent) hat sogar schon Bestechungsversuche von Vertretern seines Unternehmens beobachtet.

Manager: Compliance-Programme nicht effektiv

Und diese Ergebnisse betreffen bei Weitem nicht nur Unternehmen aus aufstrebenden Volkswirtschaften mit oft instabilen Systemen. Sind in Indien beispielsweise 54 Prozent der teilnehmenden Manager davon überzeugt, dass Bilanzmanipulationen in lokalen Unternehmen gängige Praxis sind, sind es in Spanien sogar 61 Prozent. Aber selbst in Österreich sind noch 51 Prozent der Befragten davon überzeugt, dass Zahlenkosmetik an der Tagesordnung ist – dagegen nimmt sich Deutschland mit einer Zustimmung von „nur“ 34 Prozent schon fast positiv aus.

Obwohl das Bewusstsein für das Risiko offenbar vorhanden ist, passiert in Sachen Prävention und Sanktion bei den meisten Unternehmen immer noch viel zu wenig. Zwar gehören umfassende Compliance Management Systeme in international operierenden Konzernen längst zum Standard – dass ihr Compliance-Programm bezogen auf die speziellen Bedürfnisse ihres Unternehmens wirklich effektiv ist, glauben allerdings gerade einmal 38 Prozent der Manager.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

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