Mann+Hummel setzt auf Absolute-Return-Strategien

Mann+Hummel

07.07.14
Finanzabteilung

Mann+Hummel setzt auf Absolute-Return-Strategien

Wie viele Konzerne kämpft auch Mann+Hummel-CFO Frank Jehle mit der Niedrigzinsphase. Wenn mit risikoarmen Strategien schon keine großen Gewinne mehr möglich sind, so sollen doch wenigstens die Inflationsverluste vermieden werden. Selbst das ist heutzutage eine Herausforderung.

Der Ludwigsburger Filtrationsspezialist Mann+Hummel ist ein Familienunternehmen, wie es im Buche steht. Der Sicherung der Liquidität auch unter schwierigsten wirtschaftlichen Umständen kommt allerhöchste Bedeutung zu. Dafür hält der Autozulieferer, der rund 3,5 Milliarden Euro Umsatz macht, deutlich mehr Liquidität vor, als angesichts der Cashflows absehbar nötig sein könnte. „Das Treasury hat als vordringliche Aufgabe neben der Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit die Versorgung aller Konzernteile mit ausreichend Geld für Wachstum, Investitionen und Akquisitionen sowie die Erwirtschaftung eines positiven Free Cash Flows“, sagt CFO Frank Jehle.

Mit vielen CFOs teilt Jehle indes ein Luxusproblem: den absoluten Anlagenotstand in der Niedrigzinsphase. Die Regeln für erfolgreiche Geldanlagen verfangen nicht mehr. „Noch bis 2008 lag unser vorgegebenes internes Renditelevel für eine ‚risikoarme‘ Strategie bei 5,5 Prozent“, berichtet Jehle, „also der Geldmarktzins zuzüglich 200 bis 250 Basispunkten. Dies entsprach einer Realverzinsung von rund 3 Prozent. Ohne unser Zutun ist diese auf 2 bis 2,5 Prozent gesunken – damit erreichen wir nur einen Inflationsausgleich ohne nennenswerte Realverzinsung. Doch selbst das ist heute bereits mitunter schwer zu erreichen.“

Treasury: Wahl zwischen Nullverzinsung und hohem Risiko

Die Bilanz von Mann+Hummel weist mehr als 5 Prozent der Bilanzsumme in Spezialfondsanlagen aus, darüber hinaus stehen rund 10 Prozent der als Liquidität in den Büchern – auch das Familienunternehmen hat längst eine positive Nettoliquidität vorzuweisen. Das Treasury steht insofern vor der Entscheidung, deutliche höhere Risiken einzugehen oder den Inflationsausgleich aufzugeben. Die Entscheidung bei Mann+Hummel ist gegen mehr Risiko gefallen. „Wir verdienen Geld mit unserem Kerngeschäft“, sagt Jehle. Geld verlieren will er gleichwohl im Asset Management auch nicht. Mindestens ein Inflationsausgleich soll erwirtschaftet werden. Eine Überrendite bis zur Höhe des Zinsaufwandes für aufgenommene Vorsorgekredite wäre wünschenswert.

Früher hat Jehle, der seit 2005 das kaufmännische Ressort bei Mann+Hummel leitet, viel in Aktien investiert. Beim Ausstieg aus der Assetklasse in den Jahren 2007 bis 2008 hat er ein ausgesprochen gutes Gespür gehabt. So konnte Jehle vor der tiefen Krise noch Gewinne realisieren und die Liquidität des Konzerns sichern.

Mann+Hummel setzt auf Absolute Return

Benchmarkansätze findet Jehle schon länger nicht mehr überzeugend. „Man kann erhebliche Verluste erleiden, auch wenn ein Fondsmanager seinen Job vermeintlich gut gemacht hat, also den Index geschlagen hat“, sagt er. Schon 2003 hat Mann+Hummel daher auf eine Absolute-Return-Strategie umgestellt, die ein asymmetrisches Risiko erzeugen und Verluste vermeiden soll. Seitdem wurde diese immer weiter verfeinert. Seit der Niedrigzinsphase gelte es, den Mix der regulären Assets intelligent zu verändern, sagt der CFO.

Aktien und Immobilien sieht Jehle als überbewertet und befürchtet Blasen. Bei Anleihen würden die Risiken nicht adäquat vergütet, sagt Jehle. Auch Rohstoffe seien aktuell nur begrenzt attraktiv. Allein Währungen hält Jehle, der sich auch privat für das Geschehen an den Kapitalmärkten begeistern kann, trotz deren schwieriger Steuerbarkeit für eine attraktive Portfoliobeimischung.

Auch an zwei Spezialfonds einer Privatbank hat der Filtrationsspezialist die Vermögensverwaltung für einen Teil seiner Liquidität vergeben. Regelmäßig trifft sich das Treasury mit den externen Vermögensverwaltern. Bei den Geldanlagen kommen Long-/Short-Strategien ebenso zum Einsatz wie quantitative Ansätze, die sich nach festgelegten Regeln und vergangenen Erfahrungen richten, und selektive Strategien wie strategisches Stock-Picking. Das Risikocontrolling erfolgt auf Tagesbasis. Details behält das Familienunternehmen naturgemäß für sich.

„Insgesamt diversifizieren wir heute weit stärker bei der Geldanlage, um dem Zwang zu höheren Risiken und der Gefahr der ausgereizten Märkte auszuweichen“, sagt Jehle. Eine klassische Anlage alleine, selbst wenn sie am absoluten Ertrag orientiert ist, reicht heute seiner Einschätzung nach längst nicht mehr aus.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de