Newsletter

Abonnements

Marktanteile bei Handelsfinanzierung kehren zu „Gleichgewicht“ zurück

Die Transaction-Banker in London rüsten sich für die größte jährliche Veranstaltung in ihrem Kalende, die Sibos. In diesem Jahr findet die internationale Fachmesse, die vom Interbanken-Nachrichtensystem Swift gehostet wird, in Japan statt. Während die Ortswahl die wachsende Bedeutung der asiatischen Banken widerspiegelt, zeigt sie gleichzeitig auch, wie sehr sich die fragilen politischen Beziehungen in der Region auf das Wirtschafts- und Finanzsystem auswirken können. Wegen des kürzlich eskalierten territorialen Disputs zwischen Japan und China über mehrere unbewohnte Inseln haben sämtlich chinesische Banken, die alle mehr oder weniger staatlich sind, ihre Teilnahme abgesagt.

Auf einer Pressekonferenz im Vorlauf von Sibos räumte Matt Tuck, Global Head Financial Institutions bei Barclays ein, dass die Konferenz zwar weiterhin das "größte Ereignis" für sein Team sei. Doch die Entscheidung der chinesischen Banken mache sie in diesem Jahr zu einer „kleineren Sibos“.

Verschiebung der Markanteile

Die Lücke wird dadurch noch ausgeprägter sein, dass asiatische Banken hart daran arbeiten, Marktanteile von ihren europäischen Wettbewerbern zu übernehmen. Kah Chye Tan, Global Head of Trade Finance and Working Capital, sagte, „große asiatische Banken füllen das Loch“ in der Handelsfinanzierung, das die mit dem Schuldenabbau beschäftigten Bank hinterlassen haben. Er betonte jedoch, dass diese „Umverteilung des Marktes“ eine Rückkehr zu einem normalen Gleichgewicht sei. Es bestehe dann, wann Banken 50% ihrer Einnahmen in ihren Heimatmärkten und die andere Hälfte im Ausland generieren. Das aktuelle 20-80 Verhältnis, das europäischen Banken in der Handelsfinanzierung erreichten, sei somit ohnehin unhaltbar.

Barclays‘ führenden Transaction-Bankers waren bemüht zu betonen, dass ihre Bank von den allgemeinen Rückzug der europäischen Banken aus dem global Transaction Banking ausgenommen sei. Maurice Cleaves, Global Head of Cash Management, skizzierte sogar Pläne für den Aufstieg von Barclays in die Top 5 der globalen Cash-Management-Banken arbeiten in den nächsten 3 bis 5 Jahren. Allerdings schränkte er ein, dieses Ziel beziehe sich nur auf „Märkte, in denen wir einen großen Fußabdruck haben wollen.“

Rückenwind durch Ende der Regulierungswelle

Einigen Rückenwind für diese Bemühungen will Barclays aus dem Abschluss von Europas ehrgeizigstem regulatorischen Reformprojekt erhalten, der vierten Capital Requirements Directive oder CRD4. Sie transformiert die Basel-III-Regeln in europäisches Recht. Die Verabschiedung von CRD4 werde ein Wendepunkt für den Bankensektor sein, meinte Tan, da sie „es den Banken ermöglichen wird, zu den Grundlagen zurück zu kehren und sich auf die Kunden zu konzentrieren“.

Auf der Suche nach Handelsfinanzierungen sollten sich Finanzvorstände dennoch auch bei Nicht-Banken umsehen, empfahl Tan. „Mehr und mehr alternative Investoren" wie Pensionsfonds und Hedge-Fonds seien mittlerweile verfüghbar, sagte er und betonte, dass die Bank diese als „Partner und nicht als Konkurrenten“ sehe. Alternative Quellen der Handelsfinanzierung würden sogar helfen, dem gegenwärtigen System wieder einiges an seiner verlorenen Stabilität zurück zu geben. Das sei wichtig, da die zunehmende Volatilität in der Bepreisung den Markt für Handelsfinanzierungen „mehr und mehr wie einen Aktienmarkt“ aussehen ließen.


steven.arons[at]finance-magazin.de

Themen