Cewe Color

27.02.13
Finanzabteilung

Mehr Free Cashflow: Cewe Color-Holding AG wird KGaA

Nach Jahren der operativen Transformation will der Digitalfotoanbieter Cewe Color jetzt seine Rechtsform von der Holding-AG in die KGaA ändern. Die aktuelle Struktur ist vor allem steuerlich nachteilig. CFO Olaf Holzkämper erhofft sich bis zu einer halben Million zusätzlichen Free Cashflow pro Jahr.

Cewe Color mit Sitz in Oldenburg hat im Geschäftsjahr 2012 einen Umsatz von 503 Millionen Euro (2011: 470 Millionen) und damit erstmals mehr als eine halbe Milliarde Euro Umsatz erreicht. Das Ebit sank gegenüber dem Vorjahr geringfügig auf 29 Millionen, das Nachsteuerergebnis dagegen stieg um +1,3 Prozent auf 19 Millionen Euro.

Der Vorstand will den Aktionären auf der nächsten Hauptversammlung aber nicht nur eine leichte Erhöhung der Dividende, sondern eine komplette Änderung der Rechtsform vorschlagen. Der Online Druck- und Fotodienstleister will seine Rechtsform von einer Aktiengesellschaft (AG) in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) ändern und erhofft sich davon nicht zuletzt einen Steuervorteil von mindestens 10 Millionen Euro, oder 1,50 Euro pro Aktie, in den kommenden Jahren. „Die aktuelle Gesellschaftsstruktur ist steuerlich nachteilig und zudem etwas komplex“, sagt Finanzvorstand Olaf Holzkämper gegenüber FINANCE. Das gesamte operative Geschäft werde in der OHG abgewickelt.  Diese gehöre der Holding AG, die für die Finanzierung zuständig sei, und der Stiftung, die die Geschäftsführungsbefugnis in der OHG habe. „Da in der AG kein Eigengeschäft anfällt, ist sie weder gewerbesteuerabzugsfähig noch vorsteuerabzugsberechtigt. Durch den Gewerbesteueraspekt sind über die Jahre mehr als 20 Millionen Euro gewerbesteuerlicher Verlustvortrag aufgelaufen.  Mit der Umwandlung in eine KGaA, in der dann auch das operative Geschäft liegen wird, werden wir diesen Verlustvortrag nutzen.“

Das soll über die kommenden zwei Jahre das Nachsteuerergebnis und den Free Cashflow um mehr als 3 Millionen Euro erhöhen. Der Effekt ist aber keineswegs einmalig. „Zusammen mit der dann gegebenen Vorsteuerabzugsberechtigung wird dies für die Zukunft jährlich eine Steigerung des Free Cashflow von rund einer halben Million Euro erbringen“, so Holzkämper. Daraus ergibt sich ein Barwert von etwa 7 Millionen Euro.

CFO Holzkämper: operativer Umbau abgeschlossen

Der Formwechsel soll zudem für mehr Transparenz sorgen. Bislang sind die Aktionäre lediglich Anteilseigner der nicht operativen AG. Streng genommen hätte die nur für die Finanzierung zuständige AG auf den Hauptversammlungen noch nicht einmal über operative Entwicklungen berichten müssen. Die OHG-Konstruktion sei daher am Kapitalmarkt zu erklärungsbedürftig gewesen, so das Unternehmen. In der neuen Struktur werden die Aktionäre dann Anteile an dem eigentlichen Geschäft der Cewe Color halten; die Stiftung wird der persönlich haftende Gesellschafter der KGaA.

In die vor allem im Ausland, aber auch in Deutschland aktuelle Debatte um fragwürdige Steueroptimierungsmodelle von Großkonzernen dürfte Cewe Color mit der Umfirmierung nicht hineingezogen werden. Immerhin bleibt die Cewe Color auch als KGgA in einer deutschen Rechtsform. Warum Cewe das komplexe Geflecht nicht früher aufgelöst hat, ist mit den Herausforderungen am Markt zu erklären. „Wir widmen uns derzeit diesem Thema, da wir seit der Jahrtausendwende mehr als eine Dekade lang die Analog/Digital-Transformation im Fotogeschäft managen mussten“, so Finanzvorstand Holzkämper. Dieser Umbau sei nun vorerst abgeschlossen, weshalb man sich jetzt der Gesellschaftsstruktur habe zuwenden können.

armin.haeberle[at]finance-magazin.de