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Meister der Steueroptimierung

iStock / Thinkstock / Getty Images

Das britische Telekommunikationsschwergewicht Vodafone sieht sich einem moralischen Steuerskandal ausgesetzt. Es hat fast 1 Milliarde Pfund an Steuerzahlungen an die britischen Steuerbehörden innerhalb der vergangenen Jahre eingespart, mit legitimen Bilanzierungsmethoden. Während Vodafone von reduzierten Steuern und Steuergutschriften, die gegen künftige Gewinne verrechnet werden konnten, profitierte und daher dieses Jahr keine Körperschaftssteuer in UK zahlen musste, gaben die europäischen Tochterunternehmen große Summen, beispielsweise an Deutschland, Spanien und Italien, ab. Das rief Entrüstung in der britischen Presse hervor. Die Parlamentsabgeordnete der Labour-Partei Margaret Hodge wird vielfach mit dem Satz zitiert: „Es mag legal sein aber es ist völlig unmoralisch.“

Vodafone selbst sagt, dass das Unternehmen immer gesetzeskonform handelt. „Länger als ein Jahr wurde Vodafone wegen angeblich unsachgemäßen Verhaltens fälschlicherweise beschuldigt“, sagt Finanzchef Andy Halford. „Wie wir immer wieder gesagt haben, sind solche Attacken ungerechtfertigt und ungerecht.“ Er nennt Vodafones Steueroptimierungsmethoden „Steuerplanung“. Und Vodafone steht damit nicht allein. In Deutschland hat Porsche kürzlich einen Weg gefunden, die verbliebenden 50,1% seines Sportwagengeschäfts an Volkswagen zu verkaufen ohne die vorher veranschlagten 1,5 Milliarden Euro an Steuern zu bezahlen. Das liegt nur daran, dass Porsche eine einzige Stimmrechtsaktie an VW im Rahmen der 4,5 Milliarden Euro schweren Transaktion erhält.


Einsparmöglichkeiten für CFOs

Die beiden Beispiele zeigen, dass sich insbesondere bei der Unternehmensbesteuerung und bei Übernahmen Einsparmöglichkeiten für CFOs auftun. “Im Bereich M&A sind Steuern ein absolutes Kernthema”, sagt auch Christoph Röper, Partner und Service Line Leader M&A Tax / Deutschland und EMEA beim Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte. Während in der Pre-Akquisitionsphase die steuerlichen Risiken der Vergangenheit und die Strukturierung der Transaktion im Vordergrund stehen, beschäftige sich im Rahmen der Post-Merger-Integration ein spezielles Steuerteam damit, Optimierungspotenzial beim gekauften Unternehmen zu erkennen und umzusetzen. Interessante Themen hierbei sind die Abzugsfähigkeiten von Zinsen und Transaktionskosten, die Optimierung der Verrechnungspreise oder die Überlegung eine sogenannte Organschaft zur Verrechnung von Gewinnen und Verlusten mit der erworbenen Gesellschaft zu errichten. Auch die Nutzung von gewerbesteuerlichen Belastungsunterschieden könne in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Insgesamt biete der Integrationsprozess die ideale Gelegenheit, auch bestehende steuerliche Prozesse und Strukturen zu überdenken und zu optimieren.

CFOs beobachten aber auch ihre Steuerquote und die ihrer Wettbewerber ganz genau. “Die Frage, die sich viele Finanzvorstände dabei stellen, ist, wie viel Steuern zahle ich, beziehungsweise wie hoch ist meine Steuerquote im Vergleich zum Wettbewerb und wie kann ich diese innerhalb der gesetzlichen Vorschriften optimieren”, sagt Röper. Ein häufiges Mittel, Steuern zu vermeiden ist die Gewinnverlagerung wie bei Vodafone. Bei steigenden Umsätzen in Großbritannien seit 2003 sank der Gewinn deutlich. In den vergangenen drei Jahren berichtete der Telekommunikationskonzern sogar Verluste von jährlich 100 Millionen Pfund aufgrund von Investitionen, beispielsweise in das Sendemastnetzwerk.


Potentieller Imageschaden

Mit diesem Transfer von Gewinnen und Verlusten haben sich insbesondere die Niederlande einen berühmt-berüchtigten Ruf erworben. „Die Niederlande ist das größte Gastgeberland für Durchlaufgesellschaften weltweit und ist eine wichtige Gerichtsbarkeit für die interne Schuldenverschiebung von Unternehmen. Darum sind Öl-, Gas- und Minenkonzerne aus der ganzen Welt in den Niederlanden angesiedelt, zumindest auf dem Papier. Dazu gehören Diamanten aus Mali, Gas aus Ägypten und Öl aus Westafrika“, beschreibt ein Report der Gruppe Publish What you Pay Norway. Er enthüllt, dass mehr als ein Drittel der Tochterunternehmen, die den großen Energie- und Minenunternehmen gehören, wie Shell, BP und Glencore, ihren Sitz in Steueroasen, sogenannten Secrecy Jurisdictions, haben, in denen Unternehmensbilanzen nicht öffentlich zugänglich sind.

Der Trend zu Verlagerung von Geschäftsaktivitäten innerhalb Europas, beispielsweise in osteuropäische Niedrigsteuerländer allein aus steuerlichen Gründen hat sich laut Röper allerdings in der jüngsten Vergangenheit verlangsamt. Denn der potentielle Imageschaden, der aus steuerlich motivierten Transaktionen resultieren kann, ist, wie auch bei Vodafone zu sehen, deutlich gestiegen. Allerdings variiert die Empfindlichkeit innerhalb von Europa nach wie vor stark. „In den großen kontinentaleuropäischen Ländern und bei global Playern ist das Reputationsrisiko sicherlich am größten“, sagt Röper. Der Fall Vodafone aber zeigt, dass sich die öffentliche Wahrnehmung ändern kann.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de

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