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12.11.15
Finanzabteilung

Mittelstandsanleihen: Restrukturierer erwarten Probleme bei Refinanzierung

Die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen bleiben gut. Allerdings beobachten Restrukturierungsexperten aus deutschen Banken den Verfall der Kreditstandards mit Sorge. Besonders kritisch sehen sie die Chancen für die Refinanzierung von Mittelstandsanleihen.

Mit anhaltender Sorge beobachten viele Restrukturierer den heftigen Wettbewerb im Firmenkundengeschäft, der sich – zusammen mit den tiefen Zinsen und einer überbordenden Liquidität im Finanzsystem – in einer historisch niedrigen Kredithürde für Unternehmen niederschlägt. Zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle Restrukturierungsbarometer, für das FINANCE in Kooperation mit Struktur Management Partner (SMP) 113 Vertreter der Intensive-Care-Einheiten deutscher Banken befragt hat.

So ist der Anteil der befragten Banker, die in den vergangenen sechs Monaten einen weiteren Verfall der Kreditstandards beobachtet haben, auf 62 Prozent gestiegen. Im vergangenen Frühjahr waren es lediglich 56 Prozent. Auf die Frage nach den aktuellen Trends in der Kreditvergabe nannten die Restrukturierungsexperten insbesondere sinkende Risikomargen, den Verzicht auf Covenants und laxere Anforderungen an den Mindest-Eigenkapitalanteil. „Aktuell ist ein deutlicher Angebotsüberhang bei Finanzierungen zu beobachten“, sagt Georgiy Michailov, Managing Partner bei SMP. Daraus folgten nicht nur ein massiver Margendruck und die Lockerung der Kreditverträge, etwa durch den Wegfall von Covenants. Auch die Kreditanalysen würden deutlich erschwert. „Wer unangenehme Fragen stellt, läuft Gefahr, aus dem Rennen geworfen zu werden“, sagt Michailov.

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Skeptisch bei Mittelstandanleihen

Besonders kritisch blicken die befragten Restrukturierungsexperten auch auf das Kapitalmarktsegment für Mittelstandsanleihen. Zwar ist die Neuemissionstätigkeit nach einer Reihe von Skandalen nahezu zum Erliegen gekommen. Doch müssen in den kommenden Jahren viele dieser Anleihen refinanziert werden. 27 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich viele Emittenten damit schwertun werden und erwarten daher eine steigende Zahl von Ausfällen. Immerhin 21 Prozent der Befragten glauben hingegen, dass die meisten Emittenten eine Anschlussfinanzierung finden werden. Ein großer Anteil traut sich aber keine Einschätzung zu (20 Prozent) oder hat keine Kunden in diesem Segment (14 Prozent).

Professionellen Restrukturierungsexperten dürfte die Arbeit in den Unternehmen daher nicht ausgehen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie die Restrukturierungsabteilungen der Banken den Beitrag von CROs für einen erfolgreichen Restrukturierungsverlauf notleidender Unternehmen beurteilen. Auf einer Skala von 1 bis 5, wobei 1 für völlig unwichtig und 5 für entscheidend wichtig steht, votierten mehr als zwei Drittel für die Antwortoptionen 4 und 5. CROs – so sehen es zumindest die befragten Restrukturierungsspezialisten – tragen also maßgeblich zum erfolgreichen Turnaround bei.

Gute CROs sind gefragt, aber selten

Der Bedarf an guten CROs wird daher eher wachsen. Stand heute klaffen Angebot und Nachfrage nach Meinung der Umfrageteilnehmer bereits auseinander. Jeder Fünfte der befragten Restrukturierungsexperten gab zu Protokoll, dass gut qualifizierte CROs für ihre Restrukturierungsfälle kaum verfügbar sind. „Trotz der aktuell wenigen Restrukturierungsfälle in Deutschland sind gute CROs Mangelware und meistens bereits in Projekten gebunden“, sagt Georgiy Michailov. Nicht nur die Bedeutung von CROs, sondern auch die an sie gestellten Erwartungen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Es gebe zwar eine Vielzahl an Vermittlern, die mehrere Hundert Personen zur Auswahl haben. „Doch den Richtigen zu finden, das bleibt weiterhin einer der kritischen Erfolgsfaktoren in der Restrukturierung“, betont Michailov.

Zu den vollständigen Ergebnissen des 7. Restrukturierungsbarometers geht es hier.

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