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Nach Compliance-Versagen: Imtech will Steuern zurück

Das Imtech-Management hat jahrelang betrogen, jetzt fordert das gebeutelte Unternehmen Steuern zurück - und könnte damit Erfolg haben.
BSW

Es wurde gelogen, betrogen und verheimlicht – und das auf höchster Ebene: Durch falsche Angaben hat das Topmanagement von Imtech jahrelang massiv den eigenen Umsatz und Gewinn aufgebläht, um so höhere Boni einzustreichen. Das Unternehmen zahlte deshalb aber auch höhere Steuern. Die neue Führungsspitze um CEO Gerard van de Aast und CFO Hans Turkesteen fordert dieses Geld nun vom deutschen Fiskus zurück: 21,7 Millionen Euro will das Unternehmen von der Hamburger Staatskasse zurückerhalten. Das bestätige ein Sprecher gegenüber FINANCE: „Solange kein rechtskräftiger Steuerbescheid vorliegt, haben wir wie jeder Steuerpflichtige die Möglichkeit, eine Änderung des Steuerbescheides zu beantragen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Zahlenwerk durch eigene Einflüsse nicht korrekt war.“

Was zunächst kurios anmutet, könnte in der Tat Erfolg haben: In Deutschland gibt es kein Unternehmensstrafrecht, sondern nur ein Personenstrafrecht – betrogen hat dementsprechend im juristischen Sinne nicht das Unternehmen, sondern der Vorstand. Daher besteht grundsätzlich das Recht, die gezahlten Steuern zurückzuerhalten, wie ein Steuerrechtler gegenüber FINANCE sagte: „Es wäre ja auch moralisch verwerflich, wenn der deutsche Staat am Betrug mitverdienen würde.“

Imtech muss Beweise vorlegen

Wenn Imtech nachweisen kann, dass der Gewinn künstlich hochgerechnet wurde, kann es diesen im Nachhinein nach unten korrigieren – und die zu viel gezahlten Ertragssteuern zurückerhalten. „Das gilt für jedes Jahr, für den noch kein bestandskräftiger Steuerbescheid vorliegt", sagt der Steuerexperte.

Diesen Nachweis will Imtech nun erbringen. Das Unternehmen hat in einem Bericht an die Aktionäre, der auf der Homepage veröffentlicht ist, dargelegt, wie der Schaden von 370 Millionen Euro entstanden ist. Allein in Deutschland musste der Gebäudetechnikkonzern Abschreibungen in Höhe von 216 Millionen Euro vornehmen. Die Führung unter Deutschland-CEO Klaus Betz und dem ehemaligen Leiter Finanzwesen Axel Glaß hätte das Regionalmanagement angewiesen, ungerechtfertigte Änderungen an den Geschäftszahlen vorzunehmen, heißt es in dem Bericht, der sich unter anderem auf Untersuchungen und Prüfungen von KPMG und Ernst & Young beruft. Begonnene Arbeiten wurden zu optimistisch bewertet, ausstehende, in einigen Fällen sogar strittige Forderungen, seien ohne entsprechende Risikorückstellungen als Vermögenswerte ausgewiesen worden. Und Verluste aus abgeschlossenen Projekten wurden zu neuen Projekten übertragen, um zu vermeiden, dass diese Verluste bemerkt werden. Die Untersuchungen laufen derzeit aber noch weiter.

Die Umsatzsteuer ist von den Rückforderungen dagegen nicht betroffen, wie Imtech gegenüber FINANCE bestätigte. Hier scheint zum einen unklar zu sein, ob Ansprüche bestünden, zum anderen wäre der Aufwand immens gewesen: Unternehmen in der Größenordnung von Imtech fallen in die Soll-Versteuerung. Das heißt, sie müssen die Umsatzsteuer in dem Moment ans Finanzamt abführen, in dem sie die Rechnung an ihre Kunden ausstellen – und nicht erst, wenn das Geld tatsächlich fließt. Die Kunden können deshalb die Vorsteuer beim Finanzamt geltend machen. „Ein Unternehmen müsste also in jedem Einzelfall nachweisen, dass sich die Kunden ihre Vorsteuer nicht geholt haben, oder das Ganze muss zurückgebucht werden“, so der Steuerrechtler.

Imtech will Ex-Deutschland-CEO Klaus Betz vor Gericht bringen

Darüber hinaus will die neue Führung nun von ehemaligen Mitarbeitern und diversen Fremdfirmen Schadensersatz einfordern, wie Imtech-Chef Gerard van de Aast ankündigte. Dies betreffe auch den ehemaligen Deutschland-Chef Klaus Betz, der im Februar geschasst worden war.

Der Betrug hatte Imtech Anfang des Jahres in finanzielle Schwierigkeiten gebracht – nach einem Covenant-Bruch mussten die Kredit- und Anleihebedingungen neu verhandelt werden. Das Unternehmen muss sich seither bei der Neuverschuldung, bei Akquisitionen, Veräußerungen und Dividenden einschränken und Aktien wichtiger Tochtergesellschaften als Sicherheit verpfänden. Nun beginnt das neue Management offenbar mit den Aufräumarbeiten.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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