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Neue Investoren für Infrastrukturprojekte gesucht

Roland Chalons-Browne von Siemens Financial Services
Siemens Financial Services

Hohe Investitionssummen und lange Laufzeiten von über zehn Jahren sind charakteristisch für Infrastrukturinvestments. Doch damit rückt die Komplexität der Risikobewertung dieser Assetklasse immer stärker in den Fokus. Diese Risikobewertung muss dabei auf drei Ebenen erfolgen: der detaillierten Analyse wirtschaftlicher, rechtlicher und technischer Annahmen und Rahmenbedingungen, der Strukturierung der dazugehörigen Finanztransaktionen und, drittens, der Überprüfung der Auswirkung des Investments auf den Diversifizierungsgrad des Gesamtportfolios.

Infrastrukturprojekte erfordern detaillierte Risikoanalysen

Die Komplexität von Infrastrukturprojekten erlaubt keine standardisierte Bewertungsmethodik. Vielmehr verlangt diese Assetklasse jeweils spezifische Analysen und individuelle Modellrechnungen. Mit Hilfe von sogenannten Risikomatrizen wird dabei sichergestellt, dass sämtliche Variablen entsprechend ihres Risikograds berücksichtigt und der Businessplan entsprechend sensitiviert werden. Dies spielt vor allem bei der Bewertung möglicher Zukunftsszenarien eine wichtige Rolle.

Um die Wirtschaftlichkeit des jeweiligen Infrastrukturprojektes zu prüfen, ist es notwendig, belastbare Studien zur Effizienz, zur Machbarkeit und zum Potenzial sowie historische Erfahrungswerte einzubeziehen. Für jedes Projekt gelten zudem unterschiedliche Rahmenbedingungen, die exakt analysiert werden müssen. Regulatorische Vorschriften, Genehmigungsverfahren, Umweltauswirkungen, die politische und rechtliche Lage, die geologische Beschaffenheit des Projektstandortes sowie logistische Notwendigkeiten spielen in die Risikoanalyse hinein.

All diese Risiken erfordern belastbare Gutachten und fundierte Annahmen, um in einer Modellrechnung entsprechend bewertet werden zu können. So ist beispielsweise beim Einsatz innovativer Technologien ein finanzieller Puffer im Businessplan zu schaffen, wenn noch keine verlässlichen Parameter zu Fragen wie der Ausfallsicherheit oder zu nötigen Wartungsintervallen vorliegen. Gerade für Investoren mit wenig Erfahrung in der Assetklasse „Infrastruktur“ können solche Technologierisiken erhebliche Einstiegshürden darstellen. Im deutlichen Wettbewerbsvorteil sind hier jene Investoren, die sowohl über Finanz- als auch Technologie-Know-how verfügen und gleichzeitig auf ein erfahrenes Risikomanagement zurückgreifen können.

Anders als bei der Finanzierung eines bestehenden Wirtschaftsunternehmens, das über verschiedene Produkte, Kunden und Einnahmequellen verfügt, speist sich die Finanzierung eines einzelnen (Groß-)Projektes ausschließlich aus den nach Fertigstellung erwarteten Zahlungsströmen. In anderen Worten: Der zu erwartende Cashflow muss hinsichtlich des Fremdkapitals Zins und Tilgung bedienen. Im Idealfall garantieren dies bereits vor Projektbeginn feste Abnahmeverträge, wie beispielsweise beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Liegen derartige Voraussetzungen nicht vor, ist es unentbehrlich, die Finanzierung auch für den Fall sicherzustellen, dass entweder das prognostizierte Volumen oder das avisierte Preis-Nachfrage-Verhältnis nicht erreicht wird.

Neue Modelle der Risikoteilung

In der Errichtungsphase eines neuen Infrastrukturprojekts sind Banken weiterhin die Hauptfremdkapitalgeber. Für die darauffolgenden Projektphasen gilt dies weitaus weniger, unter anderem deshalb, weil es für Banken zunehmend schwieriger wird, längerfristige Risiken in die eigenen Bilanzen zu nehmen. Banken setzen mittlerweile eher auf ihre Erfahrung bei der Strukturierung als auf langfristige Kreditgeschäfte. Diese Entwicklung dürfte sich aufgrund der mit Basel III nochmals strenger definierten Eigenkapitalregelungen weiter verschärfen. Entsprechend entstehen neue Modell der Risikoteilung, die vor allem bei der Anschlussfinanzierung greifen. Die Ausgabe von Anleihen an neue, institutionelle Investoren ist nur eines von vielen Beispielen dafür.

Die Risikobewertung eines Infrastrukturinvestments sollte stets in Kooperation mit allen beteiligten Projektpartnern getätigt werden. Und doch muss jeder Investor für sich selbst abwägen, ob das Zielprojekt tatsächlich in das eigene Portfolio passt. Um im Fall von Beteiligungen an mehreren Infrastrukturprojekten einen ausgeglichenen Bonitätsmix zu erzielen und Klumpenrisiken zu vermeiden, sollten Infrastrukturinvestments daher unbedingt breit gestreut und in verschiedenen Branchen und Regionen getätigt werden.

redaktion[at]finance-magazin.de

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