Open Banking wird die Geschäftsmodelle der Banken maßgeblich verändern. Nur langsamer als zunächst angenommen.

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28.11.19
Finanzabteilung

Open Banking 2020: Viel Lärm um nichts?

Mit der Umsetzung der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 sollte die Open-Banking-Revolution an Fahrt gewinnen. Aber die großen Geldhäuser brauchen mehr Zeit, um Angebote für Firmenkunden zu entwickeln. Was erwartet die Unternehmen 2020?

Eigentlich sollte 2019 das Jahr sein, in dem die Banken wachgerüttelt werden: Mit der Umsetzung der europäischen Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 im September wurden sie dazu verpflichtet, ihre Systeme für Drittanbieter zu öffnen. Über offene Programmierschnittstellen, sogenannte Application Programming Interfaces (API), erhalten diese Drittdienstleister auf Kundenwunsch direkten Zugang zu den Bankkontodaten und können auf dieser Grundlage eigene Angebote und Services entwickeln. So sollte neuer Schwung in die eingerostete Zahlungsverkehrslandschaft kommen, Innovationen im Bank-Firmenkunde-Verhältnis angestoßen und neue Akteure im Bankgeschäft zugelassen werden. 

Diese neuen Player sind die großen globalen Tech-Unternehmen wie Google, Apple, Paypal oder Alibaba. Im Privatkundengeschäft ist es ihnen bereits gelungen, den Banken im Zahlungsverkehr Marktanteile streitig zu machen. Im Firmenkundengeschäft hingegen ist das letzte Wort noch nicht gesprochen: Die Banken haben verstanden, dass sie ihre Geschäftsmodelle anpassen und ihren Firmenkunden neue Services anbieten müssen.

Banken passen Geschäftsmodelle nur langsam an

Allerdings ist es für die großen Institute von der Erkenntnis etwas tun zu müssen, bis zur Umsetzung der Projekte ein großer Schritt. Wie eine FINANCE-Umfrage zum Thema Open Banking unter den Banken vor Kurzem ergeben hat, waren dieses Jahr die meisten Institute voll und ganz damit beschäftigt, die regulatorischen Vorgaben der PSD2 umzusetzen – an Zusatzleistungen war da nicht zu denken. Lediglich die Deutsche Bank, die Commerzbank, JP Morgan und die Bank of America Merrill Lynch öffneten sich den Drittanbietern stärker, als dies von der PSD2 erfordert wurde. Besonders die BofA plant ihre Treasury-Services in Zukunft über ihr API-Framework verfügbar zu machen, JP Morgan hat ähnliches vor.

Stellt man aber die Frage nach konkreten Angeboten, wird es schnell dünn. Jenseits vereinzelter Inselangebote wird sich der Service im kommenden Jahr nur punktuell ändern: „Einige Banken haben erste Schritte unternommen, wir erwarten im kommenden Jahr jedoch wesentliche Weichenstellungen“, erklärt Robert Bischof, Partner bei der PwC-Strategieberatung Strategy&, und Co-Autor der Corporate-Banking-Analyse „Wie Banken Firmenkunden in der kommenden Dekade begeistern.“

2020: Zahlungsverkehr hui, Kreditgeschäft pfui

Der Zahlungsverkehr wird eine dieser Weichen sein, hierin ist sich die Branche einig. Dabei stechen besonders Echtzeitzahlungen, sogenannte Instant Payments, heraus: Die Hypovereinsbank bietet ihren Firmenkunden bereits seit November 2018 Echtzeitzahlungen an, die Deutsche Bank folgte im Frühjahr 2019. Seitdem können ihre Firmenkunden Echtzeitzahlungen direkt über ihr SAP-System auslösen. Dafür kooperiert die blaue Bank mit dem Zahlungsverkehrsanbieter Serrala.

Der Rest des Feldes wird im Laufe des kommenden Jahres nachziehen und 2020 zum Jahr der Instant Payments machen, wie aus einer Umfrage unter den Banken hervorgeht, die die FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer durchgeführt hat. Unternehmen, die schnellstmöglich Instant Payments in ihre Prozesse integrieren wollen, sollten sich daher frühzeitig mit ihren Banken in Verbindung setzen, um zu klären welche technischen und prozessualen Vorbereitungen und Anpassungen nötig sind. Mehr zu den Instant-Payments-Plänen der Banken erfahren Sie in der kommenden Ausgabe von DerTreasurer (siehe Infobox).

„Wir erwarten im kommenden Jahr wesentliche Weichenstellungen.“

Robert Bischof, Partner bei Strategy&

Während sich Instant Payments kommendes Jahr im Service-Portfolio der Banken etablieren werden, sollten die großen Firmenkunden kreditseitig keinen Quantensprung erwarten. Im aktuellen Zinsumfeld sind Kredite für die Unternehmen günstig und leicht zu haben, sodass für die Geldhäuser schlicht der Mehrwert fehlt, ihr Kreditgeschäft über eine Plattform abzuwickeln.

Open Banking – Quo vadis?

Open Banking wird im Jahre 2020 also keine Revolution im Bankgeschäft bringen. Allerdings lohnt sich ein Blick über den Tellerrand der Corporate-Finance-Welt. Denn es gibt jenseits des Bankgeschäfts bereits Plattformprojekte, die zeigen, wohin die Reise gehen kann: Die Mitte des Jahres live gegangene Onlineplattform Univiva der Firma Naontek, einer Tochter der Apotheker- und Ärztebank, hat sich zum Ziel gesetzt „Heilberufler und Anbieter von Leistungen“ zusammenzubringen.

Aktuell werden auf der Plattform nur Weiter- und Fortbildungsseminare angeboten, aber das Angebot soll nach und nach um verschiedene Themenfelder erweitert werden bis Univiva nach eigenem Anspruch zum „One-stop-shop“ für die Heilberufler wird – und Kundendatengenerator für die Apotheker- und Ärztebank. Die Banken dürften sich für ihre digitalen Ökosysteme keine geringeren Ziele setzen. 

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

Mehr zu den Instant-Payments-Plänen der Banken erfahren Sie in der kommenden Ausgabe von DerTreasurer (4/2019), die am 13. Dezember 2019 erscheinen wird.