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Pensionslücke: IFRS IC lehnt Änderungen beim Rechnungszins ab

Historisch niedrige Zinssätze reißen immer größere Löcher in die Pensionspläne von Unternehmen.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Die Hoffnung vieler CFOs auf eine zeitnahe Änderung der Berechnung des für die Diskontierung von Pensionsansprüchen maßgeblichen Zinssatzes ist vom Tisch. Entsprechenden Vorschlägen – vorgebracht unter anderem vom European Pension Council – erteilte das IFRS Interpretationskomitee IFRS IC auf seiner Sitzung Mitte Juli eine Absage. Im Kern der Diskussion geht es dabei um eine Neufassung der Zinsfestlegung nach IAS 19 R, die den veränderten Rahmenbedingungen auf den Anleihemärkten Rechnung trägt. Die bisherige Praxis sieht vor, dass nur so genannte „High Quality Corporate Bonds“ für die Zinsfestlegung herangezogen werden dürfen. Nach der seit 1993 gültigen Interpretation entspricht dies der laufzeitkongruenten Rendite von AA-gerateten Unternehmensanleihen.

Seitdem haben sich das Zinsumfeld im Allgemeinen und das Umfeld für Unternehmensanleihen im Besonderen jedoch fundamental verändert. Nach Berechnungen von Towers Watson ist der durchschnittliche IFRS-Rechnungszins für die Bewertung von Pensionsverpflichtungen im Laufe des vergangenen Jahres wegen des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes um 200 Basispunkte auf nur noch 3,4 Prozent regelrecht abgestürzt. Entsprechend hohe Barwerte mussten die Unternehmen in ihren Jahresabschlüssen ausweisen. Da die Kapitalanlageergebnisse den Anstieg der Barwerte in der Regel nicht auffangen, stieg die Deckungslücke in vielen Unternehmen an. Aber auch im Universum der Unternehmensanleihen an sich gab es fundamentale Verschiebungen. So liegt in Folge einer schärferen Praxis der Ratingagenturen das Durchschnittsrating von High Quality Corporate Bonds heute eher bei A-. Tendenz weiter fallend. Ein entsprechend schrumpfendes Universum von AA-Bonds wiederum erhöht den Einfluss einzelner Emittenten, was sich in zum Teil erratischen Sprüngen des Rechnungszinses widerspiegelt.

Dynamisches Rating als mögliche Lösung

„Bei High Quality Corporate Bonds nur auf AA-geratete Unternehmensanleihen abzustellen, greift vor diesem Hintergrund zu kurz“, erklärt Martin Thiesen, Global Head Liability Driven Solutions bei der Deutsche Asset & Wealth Management (ehemals DB Advisors) in Frankfurt. Stattdessen favorisiert er einen dynamischen Ratingansatz: Basis wäre beispielsweise ein Corporate-Bond-Index, der das Investmentgrade-Universum hinreichend breit abdeckt. Für die Berechnung der Diskontierungsrate würden nur Emissionen mit gleicher oder höherer Kreditqualität als das Durchschnittsrating dieses Universums herangezogen. „Damit würde sichergestellt, dass nur überdurchschnittliche Kreditqualitäten bei der Diskontierungsrate berücksichtigt werden. Und da ein solcher Ansatz stets die aktuellen Entwicklungen auf dem Kreditmarkt reflektiert, etwa durch Downgrades oder Neuemissionen, würde auch die Anleihenbasis stabiler. Erratische Sprünge in der Diskontierungsrate, wie sie etwa die Abstufungen von Rabobank EdF oder GE Capital ausgelöst haben, würden deutlich reduziert“, glaubt Thiesen.

Mit der Mitte Juli getroffenen Entscheidung des IFRS IC hat sich die Wahrscheinlichkeit, dass dynamische Konzepte zur Zinsfestlegung Eingang in die Bilanzierungspraxis finden, allerdings verdüstert. „Vor dem Hintergrund der Annäherung beider Seiten auf der vorletzten Sitzung des Interpretationskomitees Ende Mai kommt das einigermaßen überraschend“, wundert sich Thiesen. Das IFRS IC begründete seine ablehnende Haltung mit dem Hinweis, dass der Sachverhalt zu weitreichend für schnelle Entscheidungen sei. Gleichwohl sieht der Chefaktuar die Initiative noch nicht am Ende. Man werde die Problematik weiter vorbringen. Der jüngste Anstieg der Renditen bringt für CFOs in der Pensionsproblematik zwar etwas Entlastung. Für Unternehmen, deren Pensionsrückstellungen unter der Annahme deutlich höherer Kapitalmarktzinsen gebildet wurden, ist das jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de

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