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Protektionismus und Zahlungsausfälle prägen die Risikolandschaft

Wachsender Protektionismus bereitet vielen Unternehmen Sorge.
Thinkstock / Getty Images

Viele klassische Risiken vergangener Tage, wie Staatsschuldenkrisen in Schwellenländern, stehen bei Unternehmen aktuell nicht mehr auf der Agenda. Dies wurde gestern auf dem Kongress Länderrisiken in Mainz deutlich, den der französische Kreditversicherer Coface ausrichtet. Dort drehte sich alles um Risiken für vor allem international tätige Unternehmen. Deren CEOs und CFOs bereiten neue Risiken Sorgen, wie politische Unruhen, protektionistische Tendenzen und Kreditblasen in den Emerging Markets. Laut Coface zeigen die jüngsten Untersuchungen über Kreditrisiken in Asien, dass auch in diesen Märkten das Ausfallrisiko steige.

Mit ihrer Finanzkraft sind deutsche Unternehmen davon weniger stark betroffen als viele ihrer europäischen Wettbewerber. Dennoch stellen Forderungsausfälle auch für CFOs von Unternehmen mit Cashpolster ein erhebliches Risiko dar. Laut einer jüngst veröffentlichten Studie von Intrum Justitia, einem europäischen Kreditmanagementdienstleister, erreichten die Schuldenabschreibung europäischer Unternehmen im vergangenen Jahr 340 Milliarden Euro. Besonders hart trifft es dabei kleinere Unternehmen: je weniger Mitarbeiter, desto höher die Zahlungsausfälle. 43 Prozent der Unternehmen in Deutschland gaben laut Intrum Justitia Liquiditätsprobleme aufgrund verspäteter Zahlungen ihrer Kunden an.

Klares Nein zu Protektionismus

Als eines der größten Risiken bezeichneten Unternehmensvertreter auf dem Coface-Kongress dagegen protektionistische Tendenzen weltweit, vor allem aber in der EU. „Strafzölle auf chinesische Waren und ein drohender Handelskrieg mit einer der wichtigsten Volkswirtschaften der Welt sind absolutes Gift für die Wirtschaft“, sagte der Vertreter eines international tätigen Unternehmens mit gut 1 Milliarde Euro Umsatz. Hier dürfe auch nicht mit dem Finger auf die Emerging Markets gezeigt werden. Das Politikversagen in wichtigen wirtschaftspolitischen Fragen falle in Schwellenländern häufig nur deshalb stärker ins Auge, weil dort die Wirtschaft nicht dieselbe Widerstandskraft entwickelt habe wie beispielsweise in Deutschland, sagte ein anderer.

Was die globalen Wachstumsaussichten für 2013 und darüber hinaus angeht, bleibt die Coface skeptisch. Für die Euro-Zone erwartet der Kreditversicherer eine Schrumpfung der Wirtschaft um 0,4 Prozent im laufenden Jahr gegenüber 2012, vor allem aufgrund schlechter Aussichten für Südeuropa, die vom ebenfalls schwächelnden Norden nicht kompensiert werden können. „Die deutschen Unternehmen sind finanziell stark genug, um die aktuelle Krisensituation in der Euro-Zone zu überstehen“, sagte Yves Zlotowski, Chefvolkswirt bei der Coface. In vielen Nachbarländern aber seien die Unternehmen abhängiger von Bankkrediten und anfälliger für eine schwache Inlandsnachfrage. Das treibe gerade in Zeiten, in denen von der öffentlichen Hand nur wenige nationale Wachstumsimpulse ausgingen, viele in eine Schuldenfalle. Gerade in Frankreich zeige sich, dass immer mehr größere Unternehmen in Finanznot gerieten. So sei die Zahl an Insolvenzen seit einem starken Anstieg 2008 auf konstantem Niveau, aber die damit verbunden Kosten in Form von Zahlungsausfällen an Gläubiger stiegen weiter an, da immer größere Unternehmen insolvent gingen.

armin.haeberle[at]finance-magazin.de

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