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Renminbi-Clearing in Frankfurt spätestens ab November

In einigen Wochen sollen die ersten Renminbi-Zahlungen in Frankfurt abgewickelt werden. Für die Bank of China ist das ein Durchbruch, doch Unternehmen reagieren abwartend.
sborisov/iStock/Thinkstock/Getty Images

Im Hotel Frankfurter Hof hat der Präsident der Bank of China, Chen Siqing, gestern offiziell die Renminbi-Clearingbank in Frankfurt eröffnet. Als größte in Deutschland tätige chinesische Bank hatte die Bank of China im Juni den Zuschlag für das erste Renminbi-Clearing-Center in der Eurozone erhalten.

Bis die ersten Zahlungen in der chinesischen Währung in Frankfurt abgewickelt werden können, werden allerdings noch einige Wochen oder gar Monate vergehen. Ende September – wie es Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel im Juli gefordert hatte – sei das frühestmögliche Datum, sagte Bernd Meist, der das Deutschlandgeschäft der Bank of China leitet. Begründung: „Die technischen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen an die Clearing-Bank sind sehr hoch.“ Meist peilt daher spätestens den November als Startdatum an.

Firmenkunden der Deutschen Bank können in Frankfurt clearen

Zu den ersten Unternehmen, die ihre Zahlungen über das Clearing-Center in Frankfurt abwickeln, könnten die Firmenkunden der Deutschen Bank gehören. Der Dax-Konzern hat gestern als erste deutsche Bank eine Kooperationserklärung mit der Bank of China unterzeichnet. Diese Unterzeichnung war bereits für den 14. Juli geplant gewesen, damals hatte die Delegation um BoC-Präsident Chen die Reise jedoch kurzfristig abgesagt.

„Diese neue Kooperation ergänzt das Clearing-Angebot der Deutschen Bank“, erklärte ein Sprecher der Bank gegenüber FINANCE. „Unsere Firmenkunden können künftig entscheiden, ob sie ihre Renminbi-Zahlungen in der Eurozone abwickeln lassen wollen oder weiterhin bei den bestehenden Angeboten in China.“ Keinesfalls werde die Bank ihr gesamtes Volumen über die Bank of China abwickeln lassen.

Wie FINANCE erfahren hat, traf sich die Delegation rund um Chen gestern auch mit Vertretern der Commerzbank und der DZ Bank, um über das Clearing zu sprechen. Mit diesen Banken könnte die Bank of China ebenfalls in Kürze Kooperationen vereinbaren.

Renminbi-Clearingbank in Frankfurt ist nur der Anfang

Solche Kooperationsverträge sind entscheidend für den Erfolg des Clearing-Centers in Frankfurt: Zwar unterhält die Bank of China bereits Kundenbeziehungen mit einigen deutschen Unternehmen – Chen nannte in seiner Rede etwa Siemens, Daimler und VW. Diese Konzerne könnten ihr Renminbi-Zahlungen künftig direkt bei der Bank of China clearen. Doch je mehr Banken in Deutschland und im Rest der Eurozone das Center unterstützen, umso mehr Volumen wird künftig in Frankfurt abgewickelt.

Die Clearingbank wird daher nur der Anfang sein. In der zweiten Stufe soll ein Clearinghaus in Frankfurt eingerichtet werden, wie Jochen Metzger, Zentralbereichsleiter Zahlungsverkehr bei der Bundesbank, betonte. An diesem Clearinghaus mit eigener Rechtsform können auch andere in Deutschland tätige Banken Anteile erwerben und so an der Abwicklung von Renminbi-Zahlungen mitverdienen. Die Bank of China hat sich dazu verpflichtet, seine Clearingbank in diese neue Rechtsform zu übertragen, erklärte Meist, der allerdings davon ausgeht, dass die Clearingbank in ihrer jetzigen Form noch etwa zwei Jahre bestehen wird.

Kritiker: Renminbi-Clearing in Frankfurt bringt CFOs kaum Vorteile

Während die Banker gestern in Frankfurt Aufbruchstimmung verbreiteten, wird aber auch die Kritik lauter, wonach das Renminbi-Clearing in Frankfurt den Firmen keinen echten Mehrwert biete. Der am häufigsten angeführte Vorteil – eine schnellere Abwicklung von Renminbi-Zahlungen – treffe nicht zu, erklärte nun ein mit der Materie vertrauter Banker gegenüber der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer. Da die Bank of China in Deutschland keinen direkten Zugang zum chinesischen Clearing-System CNAPS habe, gäbe es in Frankfurt faktisch kein Clearing. Die Zahlung müsse intern erst nach China weitergeleitet werden: „Rechnet man die Zeitverschiebung mit ein, wird ein gleichtätiges Clearing kaum möglich sein“, vermutet der Banker.

Die Bank of China bestätigte auf Nachfrage von FINANCE, dass sie in Frankfurt nicht direkt an das CNAPS-System angeschlossen sei. „Im Hinblick auf die Cut-off-Zeiten ist die Erwartungshaltung an das Clearing Center sicherlich etwas zu hoch“, sagte Meist. Damit könnten viele Beobachter falsch liegen, die darauf setzen, dass das Clearing von Renminbi-Zahlungen deutlich schneller wird.

Fakt ist: Die Unternehmen beobachten die Entwicklung genau. Unter den 120 Teilnehmern der Eröffnungsveranstaltung waren neben zahlreichen Bankvertretern auch einigeTreasurer deutscher Großkonzerne. Noch sehe man zwar keine Vorteile für das eigene Geschäft, sagte einer von ihnen gegenüber FINANCE. Spätestens mit der zweiten Stufe, dem Clearinghaus, könnte das aber anders werden.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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Auf unserer Themenseite China finden Sie weitere Artikel, Analysen und Interviews rund um den chinesischen Markt und die Öffnung des Renminbi.

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