Nach einem halben Jahr laufen noch kaum Zahlungen über das Renminbi-Clearingcenter in Frankfurt.

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06.05.15
Finanzabteilung

Renminbi-Clearingcenter in Frankfurt enttäuscht

Nach einem halben Jahr laufen noch kaum Zahlungen über das Renminbi-Clearingcenter in Frankfurt. Zwar kooperieren fast alle wichtigen deutschen Banken mit dem Center – wirklich nutzen will es aber kaum jemand.

Als das Renminbi-Clearingcenter in Frankfurt vor einem halben Jahr offiziell an den Start ging, liefen die PR-Maschinerien der großen deutschen Banken heiß: Die Commerzbank rühmte sich damit, für den Autozulieferer Stabilus die erste Firmenkundentransaktion über das Center abgewickelt zu haben. Kurz darauf verbreiteten auch die Deutsche Bank und die Helaba, sie hätten das neue Clearingcenter für Renminbi-Zahlungen genutzt.

Seither ist es allerdings ruhig geworden um die von der Bank of China betriebene Plattform. Offizielle Zahlen über die abgewickelten Volumina gibt es zwar noch nicht, Bank-of-China-Geschäftsleiter Bernd Meist lässt gegenüber FINANCE aber durchblicken, dass er sich mehr erhofft hat: „Die Volumina sind bislang noch überschaubar.“ Mehr als die Hälfte der Transaktionen, die über das Center laufen, kommen bislang von der Bank of China selbst.

Renminbi-Clearingcenter: Kooperieren ja, nutzen nein

An zu wenig Kooperationspartnern liegt es nicht: Nahezu alle wichtigen deutschen Banken hätten inzwischen ein Konto bei der Clearingbank eingerichtet, so Meist: „50 Banken kooperieren heute mit dem Center.“ Angesichts der politischen Dimension – die Landesregierung Hessen und die Bundesbank haben vehement dafür gekämpft, Frankfurt als Clearing-Standort für den Renminbi zu etablieren – wird sich kaum eine Bank die Blöße geben und nicht mitmachen.

Dass viele Banken diese Konten offenbar kaum nutzen, dürfte vor allem an den Alternativen liegen: Die Deutsche Bank etwa hatte bereits bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags im August gegenüber FINANCE erklärt, das Frankfurter Center sei lediglich eine Ergänzung ihres Clearingangebotes. Die Bank unterhält ein eigenes Clearing in Hongkong – warum also fremde Angebote nutzen? Die Argumentation, dass Zahlungen in der chinesischen Währung über Frankfurt schneller und kostengünstiger abgewickelt werden können, hat sich bislang noch nicht bewahrheitet.

Schon bei der Eröffnung des Centers im vergangenen November hatte sich daher abgezeichnet, dass vor allem kleinere Institute ohne eigenen Clearingzugang von dem neuen Kanal profitieren werden. So ist es auch gekommen: „Sparkassen und Banken aus Österreich gehören im Moment zu den aktivsten Nutzern des Centers“, sagt Meist.

CFOs und Treasurer müssen sich gedulden

Nur mit kleinen Instituten dürfte sich das über die Plattform laufende Volumen aber kaum signifikant steigern lassen. Hohe Volumina sind aber wichtig für das Frankfurter Clearingcenter, wie Meist im vergangenen Oktober im Interview mit FINANCE-TV betont hatte: „Dann hat man Liquidität, und dann kommen auch die Produkte.“ Beispielsweise in Frankfurt gehandelte Renminbi-Anleihen (Goethe-Bond) oder neue Hedging-Angebote für die chinesische Währung. Erste Testballons wie die Goethe-Bond-Emission der KfW gibt es zwar, in der Breite sind diese Produkte aber noch nicht angekommen.

Erst damit jedoch würde das Frankfurt Renminbi-Clearingcenter auch für CFOs und Treasurer an Relevanz gewinnen. Denn das reine Clearing hat für sie keine Bedeutung: „Das ist ein Bankenthema. Uns muss nur interessieren, dass die Zahlung reibungslos ankommt“, sagte Bernd-Dietrich Bockamp, Leiter Group Accounting bei Stabilus kürzlich im Gespräch mit der FINANCE-Schwesterpublikation „DerTreasurer“. Und das habe in den meisten Fällen auch schon vor der Eröffnung des Frankfurter Centers einwandfrei funktioniert.

Bank of China bewirbt Clearingcenter in Amsterdam und Madrid

Der Deutschlandchef der Bank of China ist dennoch optimistisch für die Zukunft des Clearingcenters: Potential sieht Meist in der internationalen Expansion: „Wir bereiten gerade Roadshows in Amsterdam und Madrid vor, um die dortigen Banken anzusprechen.“

Darüber hinaus hofft Meist, dass das Frankfurter Center an Bedeutung gewinnen wird, wenn die Zahl der Renminbi-Zahlungen innerhalb Deutschlands oder Europas steigt. Die Hoffnung ist nicht unbegründet: Einige deutsche Unternehmen fakturieren bereits untereinander in der chinesischen Währung. In diesem Fall macht der Umweg über ein Clearing in Hongkong oder Schanghai wenig Sinn. Ob Meist zum einjährigen Jubiläum im November schon gute Zahlen präsentieren kann, ist dennoch mehr als fraglich.

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