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04.03.16
Finanzabteilung

Risikomanagement: Politische Risiken und Cybercrime dominieren 2016

Terrorismus, Brexit-Gefahr, Zahlungsausfälle in Schwellenländern – politische Risiken bestimmen derzeit die Risikomanagement-Agenda der CFOs. Auch das Bewusstsein für Cyber-Attacken wächst. Beide Trends treiben die Nachfrage nach Versicherungen.

Die wachsende Nachfrage der Unternehmen nach Cybercrime-Versicherungen und Absicherungen gegen politische Risiken werden den Versicherungsmarkt in diesem Jahr stark beeinflussen. Das schreibt der Industrieversicherungsmakler Marsh in seinem aktuellen Marktreport für die Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA).

Bei politischen Risikoversicherungen können sich CFOs über attraktive Konditionen freuen: Marsh zufolge sind die Prämien in den vergangenen zwei Jahren zurückgegangen, während die Deckungskapazitäten zugenommen haben. Das liegt vor allem daran, dass sich der Wettbewerb zuletzt stark erhöht hat. Immer mehr Anbieter stellen inzwischen Policen gegen Beschlagnahme, Verstaatlichung, politische Gewalt oder Zahlungsausfälle staatlicher Abnehmer zur Verfügung.

Für 2016 sieht Marsh allerdings Warnsignale im Markt: Die Zahl der gemeldeten Schäden sei zuletzt gestiegen. Das überrascht nicht, schließlich gab es im vergangenen Jahr diverse politische Konfliktherde: Ob Ukraine, Naher Osten oder auch die Terroranschläge in Paris – in diversen Fällen mussten Versicherungen einspringen. Der Industrieversicherungsmakler rechnet in diesem Jahr zwar dennoch mit einem leichten Prämienrückgang, allerdings dürfte er schwächer ausfallen als in den Vorjahren.

Politische Risiken 2016: Terror, radikale Parteien, Rohstoffpreise

Auch 2016 müssen CFOs auf diverse politische Risiken vorbereitet sein. Dazu gehören insbesondere die wachsende Bedrohung durch den Terrorismus, die Unsicherheit angesichts der US-Präsidentschaftswahlen sowie das Aufkommen radikaler Parteien in Europa. In seiner jährlichen Political Risk Map warnt Marsh vor einem Zerbrechen des Schengen-Raums. Die Gefahr eines Austritts Großbritanniens aus der EU („Brexit“) schätzt der Makler mit 35 Prozent ein. Das war allerdings bevor sich die britische Premierminister David Cameron mit der EU auf einen Deal verständigt hat und nun für einen Verbleib Großbritanniens in der Union wirbt.

Zu politischen Risiken zählt der Industrieversicherungsmakler aber auch wirtschaftliche Faktoren wie die Konjunkturschwäche der Schwellenländer sowie sinkende Rohstoffpreise. Infolgedessen seien die Zahlungsausfälle in Brasilien, China und Russland bereits stark gestiegen. Diese Ausfälle sichern viele Unternehmen mit Warenkreditversicherungen ab. Hier sind die Prämien derzeit stabil. Würden jedoch Häufigkeit und Dimension der Schäden weiter zunehmen, könnten auch die Preise steigen, warnt Marsh.

Cybercrime-Versicherungen werden noch selten genutzt

Ein noch recht neuer Markt sind Versicherungen gegen Cybercrime: Marsh zufolge sind sich Unternehmen in der EMEA-Region zunehmend ihrer Angreifbarkeit durch Cyberattacken bewusst. Immer häufiger gebe es Anfragen, welche Rolle Versicherungen beim Management von Cyberrisiken spielen könne, so der Makler.

Allerdings scheitert es häufig noch daran, dass CFOs das Versicherungsbudget nicht aufstocken wollen. Diese Tendenz hat Marsh vor allem in Belgien beobachtet, aber auch in Deutschland steckt der Markt noch in den Kinderschuhen. Der Elektronikkonzern Bosch soll sich als eines der wenigen deutschen Unternehmen gegen Schäden aus Cyberangriffen versichert haben.

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