Simulationen verbessern Entscheidungen

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29.04.14
Finanzabteilung

Simulationen verbessern Entscheidungen

Unternehmen können sich mit „Was wäre, wenn“-Analysen auf die Zukunft vorbereiten. Intuition und Bauchgefühl sind dabei ebenso gefragt wie analytische Modelle. Beides lässt sich mit Simulationen verbinden und kann im Ergebnis das Risikomanagement nach vorne bringen.

Die Ausgangslage für Unternehmen ist unübersichtlich: Das Umfeld ändert sich schnell, Abhängigkeiten sind miteinander vernetzt, Strukturen oftmals komplex gewachsen und dann kommen immer wieder veränderteRahmenbedingungen dazu. Um in einem derartigen Kontext ein Unternehmen erfolgreich zu steuern, bedarf es Methoden, die einer Problemlage Struktur geben, gleichzeitig aber auch Raum für Erfahrungen und Intuition der Entscheider lassen. Die Methoden müssen zugleich eine Entscheidung fachlich fundieren und diese nachvollziehbar gestalten sowie die Kommunikation einer Entscheidung und ihrer Beweggründe unterstützen.

Besonders geeignet für solche Fragen sind Simulationen. Obwohl diese Methode in der „technischen“ Welt weit verbreitet ist, scheint sie in betriebswirtschaftlichen Fragestellungen bislang vergleichsweise selten und „eher unter ihren Möglichkeiten“ eingesetzt zu werden.

Semantisch hat das Wort „Simulation“ seinen Ursprung im Lateinischen „simulatio“, was sich mit „Verstellung“ ins Deutsche übersetzen lässt. Umgangssprachlich ist ein Simulant „jemand, der [nur] so tut als ob“. Wissenschaftlich ausgedrückt ist eine Simulation das Durchführen einer „Was wäre, wenn“-Analyse. Im Unternehmensalltag impliziert sie das Analysieren, Vorausdenken und Vorbereiten. Es geht darum, zu verstehen, was im Falle einer bestimmten – aber nicht jeder theoretisch denkbaren – Situation passiert bzw. passieren kann.

Simulationen zwischen Intuition und Analytik

Um derartige „Was wäre, wenn“-Analysen durchzuführen, wird ein Simulationsmodell benötigt. Dabei handelt es sich um ein Abbild der Realität, das sich ausschließlich auf relevante Aspekte und Zusammenhänge konzentriert. Es eröffnet so die Möglichkeit noch Antworten zu finden, wo sich Fragen der exakten Lösung entziehen.

Das Herausarbeiten der wichtigen und ignorierbaren Aspekte hilft zudem, Fragestellungen zu durchdenken. Strukturen werden herausgearbeitet, Lösungen können einfacher erklärt und vermittelt werden. Simulationen sind demnach eine Methode, die gut zu oben beschriebenen Fragestellungen passt. Die Möglichkeit, mit Simulationsmodellen verschiedene „Wenns“ analysieren zu können, eröffnet auch den Raum für Intuition und Bauchgefühl.

Allerdings ist Unternehmenssteuerung keine „Glaubensfrage“, sodass reine Bauchentscheidungen in den Hintergrund treten. Das heißt keinesfalls, dass Erfahrungen und Intuition nicht mehr gefragt wären, im Gegenteil. Würde man sich nur auf Analytik und Modelle verlassen, kann ein kleiner Denk- bzw. Modellfehler schon ausreichen, einen immensen Schaden zu verursachen. So kann etwa die Anwendung einer Normalverteilungsannahme statt realer Kausalbeziehungen zwischen Risiken bei einem gleichzeitigen Eintritt dieser geradewegs in die Insolvenz eines Unternehmens führen.Derartiges Durchdenken erzwingt eine tiefe Auseinandersetzung mit einem Problem und ermöglicht, Entscheidungen nachvollziehbar zu gestalten.

Letzteres wird zu Recht immer stärker gefordert. Simulationen bieten die Möglichkeit, diese Forderung zu unterstützen und hilft gleichzeitig, Logikketten zu plausibilisieren. Einerseits dienen sie dem Management als Sparringspartner, um Entscheidungen gut vorzubereiten, zu durchdenken und im Einklang mit den Zielen des Unternehmens zu optimieren. Simulationen können Bauchgefühle auf den Prüfstand stellen. Sie helfen, Erfahrungen zu analysieren und zu verstehen. Andererseits ist Plausibilität,in der Regel basierend auf Wissen und Erfahrung, häufig die einzige Möglichkeit zu prüfen, ob ein Modell sachgerecht und angemessen ist. Wenn ein Modell in bekannten Zusammenhängen die richtigen Ergebnisse liefert, ist die Evidenz hoch, dass es auch in noch unbekannten Fragen zu deren Beantwortung beiträgt.

Dieses gegenseitige Challengen von Analytik und Erfahrung ist es, was Simulationen zu einer geeigneten Methode in der Unternehmenssteuerung macht, deren Anwendung vielversprechend ist.Gleichzeitig hebt es die Entscheidungsfindung auf eine neue Qualitätsstufe.

Dr. Jan Spitzner ist geschäftsführender Gesellschafter der Spitzner Consulting GmbH mit Sitz in München. Melanie L. Schneider promoviert an der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar.