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Steuerexperte Frey: „Regionale Zuordnung immaterieller Wirtschaftsgüter wird wichtiger“

Die größten Auswirkungen für CFOs europäischer Unternehmen dürfte Unternehmenssteuerreform in den USA haben.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Zwar weiß noch keiner genau, wann welche konkreten Änderungen in Kraft gesetzt werden, doch eines scheint sicher: Das US-Steuerrecht wird sich 2013 verändern und sehr wahrscheinlich erhebliche Auswirkungen auf international tätige Konzerne haben.

USA brauchen höhere Steuereinnahmen

In den USA steht für 2013 die Unternehmenssteuerreform auf der Tagesordnung. Nach dem sogenannten „President’s Proposal“ soll der Körperschaftsteuersatz von derzeit 35 Prozent auf 28 Prozent gesenkt werden, der Alternativvorschlag, der sogenannte "Camp Entwurf", sieht eine Reduzierung auf 25 Prozent vor. „Da beide Entwürfe sehr ähnlich sind, ist davon auszugehen, dass  2013 eine umfassende Unternehmenssteuerreform kommen wird“, sagt Dr. Johannes Frey, Partner bei Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom LLP.

Im Gegenzug werden CFOs mit einer Abzugsbeschränkung für Zinsen rechnen müssen, sagt Frey. Wie diese konkret aussieht, ist derzeit noch unklar, aber sie wird möglicherweise mit der Zinsschranke in Deutschland vergleichbar sein, nach der die Zinsen grundsätzlich nicht höher als 30 Prozent des EBITDAs sein dürfen.

Wegen der beabsichtigten Angleichung des Steuersatzes auf das international übliche Niveau müssen CFOs mit einer weiteren Gegenfinanzierung rechnen. Wahrscheinlich wird sich die Bemessungsgrundlage verbreitern, sagt Frey, was die Steuerlast für die CFOs europäischer Unternehmen erhöhen kann. Denn angesichts ihrer hohen Verschuldung werden sich die USA gewiss nicht mit weniger Steuereinahmen als bislang zufrieden geben. Das bestätigt auch Stephan Kuhn, bei Ernst & Young zuständig für Tax in den Regionen Europa, Mittlerer Osten, Indien und Afrika (EMEIA). „Staaten weisen ihre Steuerbehörden an, härter zu veranlagen“, sagte Kuhn Ende vergangenen Jahres 2012 im FINANCE-TV-Interview.

Geplante Gegenfinanzierung des niedrigeren US-Steuersatzes

Die Abschaffung der Vergünstigungen für die Energie- und Versicherungswirtschaft sowie die Luftfahrt sind eine weitere Möglichkeit. „Es soll eine verlängerte, aber einheitliche Abschreibungsdauer für Wirtschaftsgüter geben“, sagt Frey. „Die Sonderabschreibungen beispielsweise für Flugzeuge würden damit abgeschafft.“ Zudem soll eine Besteuerung eingeführt werden, sofern Patente, Know-How oder andere immaterielle Wirtschaftsgüter die USA verlassen.

Frey rät CFOs, ihre Steuerpolitik daran zu orientieren. „Die regionale Zuordnung immaterieller Wirtschaftsgüter wird immer wichtiger“, sagt der Steuerexperte von Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom LLP. „Hierdurch können CFOs auch wirtschaftlich adäquate Strukturen schaffen.“

Gleichzeitig ist beabsichtigt, die amerikanische Produktion sowie Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten zu fördern. Für die Produktion soll ein Steuersatz von 25 Prozent eingeführt und für Forschung und Entwicklung die Steuergutschrift erhöht werden. „Die USA wollen wieder einen sogenannten Research und Development Credit einführen“, sagt Frey. Der bisherige Credit war 2011 ausgelaufen. Damals konnten Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 130 Prozent bei ihren Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten als Aufwand geltend machen.

Der Steuerexperte rät deshalb CFOs, ihre immaterielle Wirtschaftsgüter und Lizenzstrukturen zu  überprüfen, um flexibel auf die Änderungen im US-Steuerrecht reagieren zu können. „Auch die Zinsrestriktionen bei der Finanzierung sollten die Finanzchefs im Blick behalten“, empfiehlt Frey.

Besteuerung von Derivaten geplant

Doch das sind noch nicht alle Änderungen im US-Steuerrecht: Es gibt einen neuen, Frey zufolge „ernst zu nehmenden“ Entwurf zur Besteuerung von Finanzderivativen, nach dem bei einer „Mark-to-Market-Bewertung“ der jeweilige Buchgewinn in bestimmten Fällen versteuert werden muss, auch wenn die CFOs von europäischen Unternehmen noch gar nicht wissen, ob sie diesen Buchgewinn auch erhalten werden.

FATCA-Regelungen sorgen weiter für Unsicherheit

Für weitere Unsicherheit unter CFOs sorgt nach wie vor auch der amerikanische Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA). Teile davon sind schon seit Anfang 2013 in Kraft. Das neue Gesetz verpflichtet Banken, Kontoinformationen amerikanischer Kunden  offenzulegen, um Steuerbetrug und -flucht zu bekämpfen. Wenn ausländische Banken diese Informationen nicht an die die US-Steuerbehörde  Internal Revenue Service (IRS) melden, verlangt FATCA ab 2014 von ihnen, eine 30-prozentige Kapitalertragssteuer auf die Zinseinkommen zu erheben. Manch einer befürchtet, dass Unternehmenskredite für europäische Firmen mit Tochtergesellschaft in den Vereinigten Staaten teurer werden könnten. Frey zufolge werden CFOs allerdings nicht im Zuge der neuen Gesetzgebung mit steigenden Kreditkosten rechnen müssen, da viele Länder – Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien – schon signalisiert haben, die nationalen Banken über Abkommen zur Kooperation mit der IRS zu zwingen. „CFOs werden eine Finanzierung primär mit einer FATCA-konformen Bank eingehen“, ist Frey überzeugt.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.

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