Der Kampf gegen Gewinnverlagerungen und neue Compliance-Anforderungen prägen für CFOs das Steuer-Jahr 2015.

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05.01.15
Finanzabteilung

Steuern: Das erwartet CFOs 2015

Der Kampf gegen Gewinnverlagerungen, neue Compliance-Anforderungen und Auseinandersetzungen mit den Steuerbehörden: 2015 könnte ein kniffliges Jahr für CFOs und ihre Steuerspezialisten werden.

Steuerpolitische Debatten werden nach Einschätzung von Experten auch das Jahr 2015 bestimmen. Ganz vorn auf der Agenda steht die Diskussion um Gewinnverlagerungen in steuerlich vorteilhafte Regionen (Base Erosion and Profit Shifting, BEPS). Die Bekämpfung dieser Praxis und die daraus folgenden steuerrechtlichen Neuregelungen dürften eine der größten Herausforderungen für Unternehmen 2015 werden, ergab die European Tax Survey der Beratungsgesellschaft Deloitte, an der mehr als 800 Befragte aus 29 Ländern teilgenommen haben.

Die BEPS-Pläne dürften Experten zufolge auch neue Compliance-Anforderungen mit sich bringen, die insbesondere international tätige Unternehmen zügig in ihre Prozesse einarbeiten müssen. Dies könnte sich auch auf der Kostenseite bemerkbar machen: Laut der Deloitte-Studie haben bereits 31 Prozent der Befragten in Europa und 23 Prozent der Teilnehmer in Deutschland Schritte unternommen, um die zu erwartenden Änderungen insbesondere im Compliance-Bereich vorzubereiten. Mehr als 40 Prozent der deutschen Befragten gehen davon aus, dass sich im Zuge der BEPS-Diskussionen die Compliance-Kosten und Dokumentationsarbeiten erhöhen werden.

Zahl der Betriebsprüfungen nimmt zu

Insgesamt ist das Thema Steuern bei CFOs und ihren Vorstandskollegen weiter vor auf die Agenda gerückt, beobachten die Autoren: „Die Rolle der Steuerabteilung ist in internationalen Unternehmen nicht mehr rein auf die Steuerquote fokussiert, sondern entwickelt sich zunehmend strategisch mit der Einbindung in die Unternehmensprozesse“, schreibt Deloitte. Als hinderlich für ihre Arbeit bewerten die befragten deutschen Studienteilnehmer häufige Änderungen der Steuergesetze (27,6 Prozent), langwierige Rechtsstreitigkeiten (27,6 Prozent) und Unklarheiten im Umgang mit den Steuerbehörden (20,7 Prozent).

Die Steuerbehörden stellen nach Wahrnehmung der Unternehmen  den Bereich Verrechnungspreise/internationales Steuerrecht ins Zentrum ihrer Prüfungen, gefolgt von Unternehmenssteuern und der Umsatzsteuer. Bei knapp 85 Prozent der teilnehmenden deutschen Unternehmen fand innerhalb der vergangenen drei Jahre eine Betriebsprüfung statt. Damit hat die Dichte an Betriebsprüfungen im Vergleich zu 2013 um mehr als 10 Prozentpunkte zugenommen.

Deutsche Steuerpraxis vergleichsweise komfortabel

Dabei geht es den deutschen Unternehmen in Steuerfragen im internationalen Vergleich noch recht gut, wie die Studie „Paying Taxes 2015“ der Beratungsgesellschaft PwC ergeben hat. Für die Studie hat PwC ermittelt, wie viel Zeit ein fiktives mittelständisches Unternehmen in verschiedenen Ländern für Steuerangelegenheiten aufwenden muss. Insgesamt wurden die Systeme von 189 Ländern mit einbezogen, basierend auf den Angaben von 2013. Dabei benötigte das fiktive Unternehmen im Gesamtdurchschnitt 264 Stunden, um seine Steuerpflichten zu erfüllen, tätigte dafür im Schnitt 25,9 verschiedene Zahlungen von der Straßen- bis zur Müllentsorgungssteuer und kam auf eine Steuerrate (Total Tax Rate) von durchschnittlich 40,9 Prozent.

Hierzulande geht dies deutlich zügiger: Deutschland findet sich insgesamt auf Rang 68, also im oberen Drittel wieder. Die Steuerrate liegt mit 48,8 Prozent zwar über dem Gesamtdurchschnitt, dafür genügen vergleichsweise schlanke 218 Stunden, um die Steuerpflichten zu erfüllen, und es fallen nur neun Zahlungen an.

Noch deutlich besser ergeht es Unternehmen in Katar: Dort liegt die Steuerquote bei 11,3 Prozent, was dem Land in der Gesamtwertung die Spitzenposition sichert, gleichauf mit den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dort ist die Steuerquote mit 14,8 Prozent zwar etwas höher, dafür genügen durchschnittlich schon zwölf Stunden, um allen Steuerverpflichtungen nachzukommen.

Am unteren Ende der Liste finden sich zwei südamerikanische Staaten wieder: In Venezuela werden 71 verschiedene Abgaben fällig, der zeitliche Aufwand liegt für Unternehmen bei 792 Stunden und die Steuerquote beträgt 65,5 Prozent. Noch schlechter geht es laut PwC-Studie den Unternehmen im Schlusslichtland Bolivien: 42 verschiedene Abgaben führen zu einer Total Tax Rate von 83,7 Prozent. Das Erstellen dauert im Schnitt 1.025 Stunden.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de