Cash zum Nulltarif parken: Für viele Treasury-Chefs ist das ein Wunschtraum, in der Realität dominieren die Negativzinsen.

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26.04.21
Finanzabteilung

Treasury-Chefs klagen über Negativzinsen

Die Finanzierungssorgen aus dem vergangenen Jahr haben viele Treasurer abgeschüttelt. Nun bereiten ihnen Negativzinsen Kopfschmerzen – die Kehrseite der aufgestockten Cash-Puffer und Folge einer verbesserungswürdigen Liquiditätsplanung.

Bei der Finanzierung hat sich die Situation für Deutschlands Großunternehmen merklich entspannt. Dafür kämpfen Treasury-Chefs nun auf der Anlageseite mit den negativen Einlagezinsen der EZB, die die Banken zunehmend an ihre Firmenkunden durchleiten. Das zeigt das aktuelle Treasurer-Panel, für das die FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer im März gemeinsam mit der Deutschen Bank 81 Finanzverantwortliche in der DACH-Region befragt hat.

Demnach stufen jetzt nur noch 20 Prozent der Befragten die Finanzierung als eine der Top-3-Herausforderungen im Treasury ein. Bei der Umfrage im vergangenen Oktober waren es noch zwölf Prozentpunkte mehr. Auch im Frühjahr 2020 – auf dem Höhepunkt des ersten Corona-Lockdowns – hatte dieser Wert in etwa auf dem gleichen Niveau bei 33 Prozent gelegen. 

Finanzierungsbedingungen sind weiterhin gut

Die Umfrage zeigt auch, wie stark sich Deutschlands Unternehmen nach Ausbruch der Pandemie mit Liquidität vollgesogen haben: Insgesamt haben zwei Drittel der befragten Treasury-Chefs in den vergangenen zwölf Monaten eine oder mehrere neue Finanzierungen abgeschlossen. Durchaus erstaunlich: Dabei hat rund die Hälfte der Unternehmen ähnliche Finanzierungsbedingungen wie vor der Krise erlebt. Für 30 Prozent sind die Konditionen schlechter geworden, für ein Fünftel haben sich die Bedingungen im Vergleich zum Vorkrisenniveau aber sogar verbessert.

Dazu muss man wissen, dass ein Gros der Befragten aus Unternehmen mit mindestens 1 Milliarde Euro Umsatz stammt. Sie dürften von der noch expansiveren Geldpolitik der EZB profitiert haben, da sich viele auch über den Kapitalmarkt finanzieren. Aber auch die Banken zeigen sich großzügig, wenn es um Unternehmen mit guten Bonitäten geht, die ohne größere Schwierigkeiten durch die Krise gekommen sind.

„Für ein Fünftel der Befragten haben sich die Finanzierungsbedingungen im Vergleich zum Vorkrisenniveau sogar verbessert.“

Liquiditätsplanung hat noch Luft nach oben

Die Kehrseite der Medaille: Es ist den Unternehmen kaum noch möglich Cash zum Nulltarif bei Banken zu parken. Freigrenzen auf den negativen Einlagenzins der EZB gewähren immer weniger Institute, und auch Geldmarktfonds weisen zunehmend negative Renditen aus.

Wie drängend das Thema für die Treasury-Verantwortlichen ist, zeigen Antworten auf eine offenen Frage, in der die Befragten die größten Herausforderungen für ihr Team selbst benennen konnten. Dabei taucht in nahezu jeder zweiten Antwort der Umgang mit Negativzinsen auf – im Banker-Jargon „Verwahrentgelte“. Liquiditätssteuerung und Cash Management ordnen insgesamt 69 Prozent der Befragten als aktuelle Top-3-Herausforderung im Treasury ein.

Ein Hebel, um die Last durch die Negativzinsen zu verringern, wäre eine Verbesserung der Liquiditätsplanung. Hier sehen viele Treasurer noch Luft nach oben: 42 Prozent der Befragten geben dem eigenen Cashflow Forecast die Schulnote 3, 12 Prozent sogar lediglich eine Vier. Woran es genau hakt, können Sie im aktuellen Treasurer-Panel nachlesen.

desiree.buchholz[at]finance-magazin.de

Wie bewerten Treasurer die aktuelle Finanzierungssituation für ihr Unternehmen und welche Lehren ziehen sie aus dem Arbeiten im Home Office? Alle Ergebnisse können Sie hier nachlesen.