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Treasury leidet unter Regulierungswut

Über 100 Teilnehmer diskutierten beim 1. Cash Management Campus über Sepa und andere aktuelle Herausforderungen im Treasury.
Der Treasurer

Sicher anlegen im Niedrigzinsumfeld, mehr Transparenz über Bankgebühren und die Rolle der IT im Treasury – das sind wichtige Themen für deutsche Cash Manager. Doch kein Thema erhitzte beim 1. Cash Management Campus der FINANCE-Schwesterpublikation Der Treasurer und BNP Paribas die Gemüter so sehr wie die Umstellung des Zahlungsverkehrs auf die Formate der Single Euro Payments Area (Sepa).

Zwischen verärgert, verunsichert und vorsichtig optimistisch lässt sich das Stimmungsbild auf der Konferenz zusammenfassen. Die gute Nachricht zuerst: Die meisten Treasurer scheinen sich mittlerweile intensiv mit der Sepa-Umstellung des Zahlungsverkehrs zu beschäftigen. Während einige den Status quo erheben, sind andere mitten in der Umstellung, manche testen bereits Sepa-Überweisungen. Die Mehrheit scheint die Bedeutung und den mit der Umstellung verbundenen Aufwand erkannt zu haben.

Doch leider gibt es auch eine Reihe schlechter Nachrichten. Zum einen sind die Ressourcen im Treasury knapp. Neben Sepa treibt die Unternehmen auch die Derivateregulierung Emir um, bei der sie ihre Risikomanagement-Systeme auf die Meldepflicht an Transaktionsregister vorbereiten. „Die Sepa-Umstellung kann bei uns nicht mit der Manpower bearbeitet werden, die eigentlich notwendig wäre“, beschwert sich ein Konferenzteilnehmer.

Hohe Verunsicherung im Treasury bei Sepa

Zum anderen sind trotz der nahenden Deadline bei Sepa noch viele Fragen offen – gerade bei den Lastschriften: Muss das Mandat im Original hinterlegt werde oder reicht auch eine Kopie? Wie muss ein Unternehmen bei Online-Lastschriften mit Mandaten umgehen? „Die Regulierer haben das Thema Onlinehandel und e-Mandat schlicht vergessen“, sagte der Treasury-Verantwortliche eines deutschen Handelsunternehmens. Die Handelskette will künftig stärker auf Onlinebestellungen setzen, weiß allerdings noch nicht, wie sie Lastschriften im Einklang mit den Sepa-Regularien anbieten soll. Auch ist unklar, was mit der Eilzahlung DTE passiert.

Außerdem berichten einige Treasurer über abenteuerliche Erlebnisse mit ihren Banken: „Uns haben noch vor einigen Monaten kleinere Institute gesagt, sie würden nicht an Sepa teilnehmen“, erinnert sich Norbert Hambloch, Leiter Treasury bei Strabag Property and Facility Services. Dabei müssen alle Banken in den 32 europäischen Ländern, die an Sepa teilnehmen, eigentlich bereits jetzt Sepa-Überweisungen und Lastschriften verarbeiten können. Es gab in letzter Zeit jedoch immer mehr Hinweise, dass dies längst nicht bei allen Banken angekommen ist. Strabag hat seine Umstellung daraufhin nach hinten verschoben.

Kreative Sepa-Lösungen: Storck und der Dummy BIC

Die Veranstaltung zeigte jedoch auch, dass Unternehmen auf der Suche nach kreativen Lösungen durchaus Erfolg haben. Der Süßwarenhersteller Storck etwa handelte mit fünf Zahlungsverkehrsbanken den sogenannten Dummy BIC aus, wie Group Treasurer Klaus Hukriede in seinem Vortrag berichtet. Weil nach der Sepa-Umstellung in Spanien einige BICs falsch konvertiert worden waren, kamen einzelne Buchungen nicht beim richtigen Empfänger an. Deshalb trägt Storck nun in das Feld für den BIC nur einen Platzhalter ein, und die Bank ersetzt diesen dann durch den korrekten BIC der jeweiligen Empfängerbank. Freilassen dürfen Unternehmen das Feld nicht – zumindest noch nicht. Die Angabe des BIC ist im inländischen Zahlungsverkehr erst vom 1. Februar 2014 an optional, im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr vom 1. Februar 2016 an.

Storck konnte auch aushandeln, dass es seine grenzüberschreitenden Überweisungen weiterhin im alten DTAZV-Format anliefern darf. Die Bank konvertiert diese dann ins neue Sepa-Format. „Fragen Sie einfach Ihre Banken“, ermutigte Hukriede seine Kollegen aus dem Treasury auf der Konferenz. Diese Konvertierungsservices sind umstritten, weil sie Unternehmen den Anreiz nehmen auf Sepa zu konvertieren und fehleranfälliger sein könnten. Einige Banken – wie die Commerzbank, JP Morgan und ING – bieten sie allerdings auch nach der Deadline mehr oder weniger offen an.

Klaus Leinmüller, Chef-Treasurer des Industriekonzerns Carl Zeiss, richtete am Ende noch einen Schlussappell an das Publikum: „Wir müssen endlich aufhören zu jammern und die Umstellung in die Hand nehmen.“

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Info

1. Cash Management Campus

Die Sepa-Umstellung steht vor der Tür, die Euro-Krise schwelt weiter und das Niedrigzinsumfeld erschwert die Geldanlage. BNP Paribas und Der Treasurer haben am 13. Juni zum 1. Cash Management Campus eingeladen, um über diese Themen zu diskutieren. Über 100 Teilnehmer nahmen an der Veranstaltung in Köln teil. Im Mittelpunkt der neuen Plattform für Corporate Treasurer und Cash Manager stand der Austausch von Wissen und Erfahrungen unter den Teilnehmern und Experten.

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