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US-Fiskalklippe keine große Gefahr für deutsche CFOs

Das Weiße Haus in Washington
Thinkstock / Getty Images, Stockbyte

Bis Ende des Jahres müssen sich Republikaner und Demokraten im US-Kongress auf Haushaltskürzungen einigen – sonst greifen ab dem 1. Januar 2013 automatische Kürzungen und Steuervergünstigungen aus der Bush-Ära fallen weg. Während für wohlhabende US-Privathaushalte sowie kleine und mittelständische amerikanische Unternehmen einiges auf dem Spiel steht, müssen europäische Unternehmen und Investoren die fiskalische Klippe aus rein steuerlicher Sicht nicht fürchten, meinen Experten.

„Das Thema ist mehr ein inneramerikanisches Thema als dass ausländische Investoren und Unternehmen betroffen wären“, meint Andreas Maywald, Leiter des German Tax Desk in New York beim Beratungsunternehmen Deloitte. „Die automatische Erhöhung bestimmter Steuersätze würde überwiegend vermögende Privatpersonen und Personengesellschaften treffen, da Veräußerungsgewinne und Dividenden höher besteuert würden.“  Für deutsche Unternehmen seien die Auswirkungen hingegen nicht gravierend, meint Steuerexperte Maywald. „Hier entfallen lediglich kleinere Vergünstigungen.“

Abschreibungsdauer wird sinken

Einige Anpassungen würden aber doch nötig werden, auf die sich Finanzvorstände schon jetzt vorbereiten könnten. So werde etwa die Abschreibungsdauer für bestimmte Wirtschaftsgüter verkürzt oder der Höchstbetrag gesenkt. Computersoftware könnte in Einzelfällen gar nicht mehr abgeschrieben werden, was für CFOs zumindest dann wichtig ist, wenn in ihren amerikanischen Unternehmen für das kommende Jahre IT-Investitionen geplant sind.

Ironischerweise werden europäische CFOs wohl dann viel stärker betroffen sein, wenn sich Präsident und Kongress zu einer Lösung zusammenraufen. Das ist nach dem Sieg Obamas wahrscheinlich geworden: Weil die ohnehin schwächelnden US-Wirtschaft von den automatischen Kürzungen betroffen wäre, zeigen beide Seiten Kompromisswillen. „Es wird vermutlich zu einer Mischlösung aus Steuererhöhungen und Budgetkürzungen kommen“, so Maywald.

Steuerquoten werden sich verändern

In den Fokus der Politiker ist dabei nun auch eine Änderung der Unternehmensbesteuerung gerückt – und damit wäre das US-Geschäft ausländischer Firmen doch betroffen. Europäische Unternehmen müssen damit rechnen, dass sich ihre Steuerquote je nach Ausmaß ihrer Investition in USA erheblich verändern kann“, sagt Matthias Geurts, Rechtsanwalt bei der Wirtschaftskanzlei Noerr.

Mitunter könnten die Auswirkungen daher sogar positiv sein. „Es könnte dazu kommen, dass sich nun auch die Amerikaner  im internationalen Steuerwettbewerb  das Mantra der Europäer zu eigen machen: Runter mit den Unternehmenssteuersätzen bei gleichzeitiger Verbreiterung der Bemessungsgrundlage.“ Das forderte jüngst auch eine Lobbygruppe großer US-Firmen. Sie könnte mit der Abschaffung von Steuervergünstigungen leben, wenn die Regierung den im internationalen Vergleich sehr hohen Steuersatz von 35 Prozent senke. Für einige deutsche Unternehmen könnte das je nach Investition aber auch eine höhere Steuerlast bedeuten. Wie immer rät Geurts den CFOs deshalb, jeden Einzelfall genau zu prüfen.

redaktion[at]finance-magazin.de

 

Schauen Sie sich hierzu auch das FINANCE-TV-Interview mit E&Y-Steuerexperte Stephan Kuhn an: „Konzerne müssen ihren Risikoappetit steuern“

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