Andrew Bossi

21.05.12
Finanzabteilung

US-Gesetze schrecken ausländische Banken ab

UK Bribery Act, FATCA etc.: Ausländische Vorschriften, die auf andere Länder übergreifen, sind einer Studie zufolge der neue Normalzustand. Das stellt vor allem europäische Finanzinstitute vor große Herausforderungen.

Der Dschungel an regulatorischen Bestimmungen, die länderübergreifend gelten, wird immer dichter. Das spüren besonders Finanzinstitute. In der Studie „Extraterritorial Laws and Regulations“ von Protiviti gaben 60 Prozent der Befragten an, dass sie infolge der Finanzkrise einen bemerkenswerten Anstieg an Reglementierungen beobachtet hätten. Für die Erhebung befragte das Beratungsunternehmen über 40 unterschiedliche Institute aus 19 Ländern, der Großteil aus den USA und Großbritannien.

Abhängig vom Herkunftsland der Befragten – darunter Banken, Versicherungen und Investmenthäuser – offenbaren sich dabei enorme Unterschiede in der Wahrnehmung: Die Frage, ob länderübergreifende Vorschriften unnötig seien, bejahten doppelt so viele Teilnehmer aus Großbritannien – verglichen mit ihren US-amerikanischen Kollegen. Dieser Befund stützt aus Sicht der Studienverfasser die Vermutung, dass US-amerikanische Gesetze mit extraterritorialer Wirkung wie der Dodd-Frank Act oder der Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA) ausländische Finanzinstitute weit mehr belasten als britische und europäische Vorschriften die US-Institute auf der anderen Seite.
 
Die Konsequenz daraus ist in erster Linie finanzieller Natur: Knapp die Hälfte der Studienteilnehmer investiert zwischen 10 und 25 Prozent ihres Compliance-Budgets, um Verstößen gegen ausländische Gesetze vorzubeugen – fast ein Drittel der Institute sogar noch einmal deutlich mehr. Auch zeichnet die Herkunft der Befragten wieder ein klares Bild: 60 Prozent der Vertreter aus Großbritannien gaben an, die internationalen Anforderungen nur mit einer personellen Verstärkung in den Griff zu bekommen, bei den US-Amerikanern benötigten dagegen nur 17 Prozent zusätzliche Ressourcen.
 
sarah.nitsche(*)finance-magazin(.)de