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Viel Vertuschung in der Finanzabteilung

Risiken im Verborgenen: Unternehmen setzen mehr und mehr auf Interne Kontrollsysteme.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Regelverstöße sind in erstaunlich vielen Finanzabteilungen an der Tagesordnung – und werden sie entdeckt, werden sie oftmals unter den Teppich gekehrt. Das ist das erschreckende Ergebnis einer EuroFinance-Umfrage zum Thema „Whistleblowing“. 37 Prozent der knapp 500 befragten Fachleute aus dem Treasury und der allgemeinen Finanzabteilung internationaler Unternehmen gaben dort an, bereits Zeuge von Fehlverhalten in finanziellen Fragen geworden zu sein. In 38 Prozent der aufgedeckten Fälle sei der Vorfall aber danach nicht aufgearbeitet, sondern vertuscht worden.

Bemerkenswert ist dabei außerdem, dass die europäischen Unternehmen in Sachen Aufarbeitung noch hinter Regionen wie Afrika oder Lateinamerika zurückbleiben: In Westeuropa haben knapp zwei Drittel, in Zentral- und Osteuropa sogar nur 58 Prozent eine entsprechende Berichtskette aufgestellt. Spitzenreiter sind die nordamerikanischen Firmen, in denen mit 89 Prozent die überwiegende Mehrheit bereits ein förmliches Verfahren für Verstöße geschaffen hat. Vor allem bei der elementaren Arbeit mit Whistleblowern haben die Befragten rund um den Globus Nachholbedarf: 57 Prozent der Finanzfachleute und Treasurer befürchten, dass Mitarbeiter durch anonyme Hinweise ihre Karriere ernsthaft aufs Spiel setzen.

Im Fokus: Das eigene Vermögen

Obwohl Unternehmen in puncto Compliance-Arbeit in der Finanzabteilung noch einen weiten Weg vor sich haben, ist das allgemeine Risikobewusstsein in der letzten Zeit offenbar merklich gestiegen. Das zeigen die Ergebnisse der Studie „IKS 2.0 – Herausforderung Effizienz und Wirksamkeit“, für die NTT Data Deutschland 29 große deutsche Unternehmen befragt hat. Danach werden Interne Kontrollsysteme (IKS) in den befragten Unternehmen immer wichtiger. In der Erhebung zieht der Lösungsanbieter einen direkten Vergleich zu seiner ersten IKS-Studie aus dem Jahr 2009: Hat heute mit 97 Prozent für eine überwältigende der Studienteilnehmer der Schutz des Unternehmensvermögens durch das IKS oberste Priorität, war dieser Punkt 2009 noch für rund vier Fünftel der Teilnehmer am wichtigsten.

Das gestiegene Risikobewusstsein zeigt sich außerdem darin, dass heute 83 Prozent (gegenüber 54 Prozent vor drei Jahren) ein IKS in ihrem Unternehmen implementiert haben. Eine vollständige Risikoanalyse steht dennoch nur bei 68 Prozent auf dem Plan steht (2009: 60 Prozent). Wenig erstaunlich deshalb, dass die befragten Unternehmen sich selbst noch einigen Nachholbedarf attestieren: Nur jeder zweite Teilnehmer bewertet das eigene IKS als „sehr gut“ oder „gut“.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

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