Newsletter

Abonnements

Währungen: In Asien nicht ohne Absicherung

Die Absicherung von Währungen asiatischer Schwellenländer birgt für CFOs und Treasurer Herausforderungen.
Thinkstock / Getty Images

Erfahrene Außenhandelsunternehmen wissen, dass es ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein kann, Geschäftsabschlüsse in der lokalen Währung des Kunden oder Lieferanten anzubieten. Das dabei entstehende Kursrisiko lässt sich in der Regel über klassische Instrumente des Währungsmanagements absichern – auch in vielen Ländern Asiens wie in China (über den Offshore-Renminbi), Japan, Hongkong, Singapur und Thailand.

Volle Kalkulationssicherheit

Größere Herausforderungen bedeutet die Risikosteuerung bei nicht frei konvertierbaren Währungen. Die nötige Kalkulationssicherheit erhalten Unternehmen in diesen Fällen durch sogenannte „Non Deliverable“-Währungsinstrumente. Sie reichen von einfachen Terminkursfestschreibungen (Non Deliverable Forward) bis zu individuellen Optionsstrukturen (Non Deliverable Option), mit denen zusätzlich die Chancen günstiger Kursentwicklungen genutzt werden können. Im asiatischen Raum kommen diese Instrumente bei den Währungen Indiens, Indonesiens, Malaysias, der Philippinen, Südkoreas und Taiwans zum Einsatz.

Beim Non Deliverable Forward (NDF) wird wie bei einem konventionellen Terminkontrakt ein Terminkurs für die gewünschte Laufzeit berechnet. Es kommt allerdings nicht zu einem tatsächlichen Währungstausch, sondern nur zu einem Barausgleich: Der am Fälligkeitstag aus der Differenz zwischen dem vereinbarten Terminkurs und dem Referenzkurs ermittelte Wert wird durch Barausgleich in Euro oder US-Dollar zwischen den Vertragspartnern verrechnet.

Unternehmen erhalten auf diese Weise volle Kalkulationssicherheit. Verändert sich der Kurs während der Laufzeit allerdings zu ihren Gunsten, partizipieren sie nicht daran: Sie sind an den vereinbarten Terminkurs gebunden.

Zusätzliche Partizipationsmöglichkeiten

Die Non Deliverable Option (NDO) geht einen Schritt weiter: Sie ermöglicht auch bei nicht frei handelbaren Währungen ein chancenorientiertes Währungsmanagement sowie die Absicherung von Grundgeschäften, deren Zustandekommen beispielsweise während der Angebotsphase noch nicht feststeht.

Gegen Zahlung einer Optionsprämie erhält der Käufer beim Standard-NDO ohne weitere Verpflichtungen das Recht, eine für ihn vorteilhafte Kursdifferenz zwischen Basispreis der Option (Strike) und Referenzkurs bei Fälligkeit (European Style) zu vereinnahmen. Auch in dem Fall erfolgt also kein physischer Währungsaustausch, sondern ein Barausgleich.

Zusätzlich gibt es eine NDO-Absicherungsstrategie, die ohne direkten Prämienaufwand eine anteilige Partizipation – beispielsweise zu 50 Prozent – an günstigen Wechselkursveränderungen möglich macht. So lässt sich etwa ein verbindlicher „Worst Case“-Absicherungskurs vereinbaren, der etwas ungünstiger als der eigentliche NDF-Terminkurs ist, gleichzeitig aber eine Beteiligung an Kursgewinnen bietet. Ein Unternehmen mit Zahlungsverpflichtungen in einer Währung kann so Vorkehrungen gegen deren Aufwertung treffen, partizipiert aber anteilig an einer eventuellen Abwertung.

Durch solche Partizipationsmöglichkeiten an Wechselkursveränderungen sind Außenhandelsunternehmen oft erst in der Lage, flexibel auf den Preisdruck internationaler Wettbewerber aus anderen Währungsräumen zu reagieren.

redaktion(*)finance-magazin(.)de

Michael Kotzbauer war mehrere Jahre Regionalvorstand Asien der Commerzbank mit Dienstsitz in Schanghai, bevor er seine jetzige Position als Bereichsvorstand Großkunden der Commerzbank übernahm.

Info

Zum 10. Mal öffnet die "Structured FINANCE", die Leitveranstaltung für CFOs und Treasurer, ihre Pforten. Am 12.-13. November 2014 kommen wieder über 1.300 Finanzentscheider aus Unternehmen und Banken zusammen, um sich während des Kongress und der begleitenden Ausstellung über moderne Unternehmensfinanzierung und strukturierte Finanzprodukte auszutauschen. Mehr über die Jubiläumsveranstaltung finden Sie hier.

Dieser Artikel wird in der Sonderbeilage zur „10. Structured FINANCE“, die zusammen mit der Oktober/November-Ausgabe 2014 der FINANCE erscheinen wird, veröffentlicht.

Themen
FINANCE Daily Newsletter
Das Wichtigste aus der FINANCE-Welt – täglich direkt in Ihr Postfach.
Jetzt abonnieren »
Jetzt abonnieren »
FINANCE Daily Newsletter