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Was tun bei Kriminalität in der Finanzabteilung?

Compliance-Verstöße in der Finanzabteilung können massive Kosten verursachen.
Fuse/Thinkstock/Getty Images

Ob Datenklau, Untreue oder Arbeitszeitbetrug: Wenn ein Unternehmen prüft, ob ein Mitarbeiter Pflichten verletzt oder sogar Straftaten begeht, bekommt es schnell Probleme mit dem Datenschutz.´

Erst vor Kurzem hat das Bundesarbeitsgericht entschieden, dass der Chef eine Angestellte nur dann von einem Detektiv überwachen lassen darf, wenn er konkrete Anhaltpunkte für einen Verstoß in der Hand hat. In diesem Fall wurde der Mitarbeiterin vorgeworfen, sie hätte sich ohne Grund krankschreiben lassen.
 
Was aber, wenn es nicht um generelle Verstöße wie Krankfeiern oder fingierte Arbeitszeiten geht, sondern Mitarbeiter Zugriff auf besonders sensible Daten haben, wie zum Beispiel in der Finanzabteilung? Auch wenn die Finanzabteilung in Sachen Wirtschaftkriminalität besonders exponiert ist – für den Arbeitgeber ist das natürlich kein Freibrief, um datenschutzrechtliche Bedenken bei der Aufklärung über Bord zu werfen und das Persönlichkeitsrecht des Mitarbeiters zu ignorieren.

Checks von Buchungen: Niedrige Schwellen

„Die Faustregel ist: Man muss mit dem Mittel anfangen, das am wenigsten in das Persönlichkeitsrecht des Mitarbeiters eingreift“, erklärt der Datenschutz- und Arbeitsrechtler Tim Wybitul von Hogan Lovells. Das heißt: Die Revision kann zunächst Gespräche mit einzelnen Personen führen und stichprobenartig Verträge oder Unterlagen zu Buchungen und Transaktionen checken – und den Personenkreis beziehungsweise den Prüfungszeitraum erst ausweiten, wenn sich der Verdacht erhärtet.
 
Relativ niedrig sind die Schwellen allerdings beim Check von Buchungssoftware. Liegt zum Beispiel ein Verdacht gegen einen Accountant vor, ist eine Softwareprüfung zwar ein Eingriff in dessen Persönlichkeitsrechte – bei dem das Unternehmen aber größeren Spielraum hat, weil sich die Kontrollen auf den Kern des Arbeitsverhältnisses beziehen.

„Hier geht es vor allem um die Frage, ob der Arbeitnehmer seine wesentlichen Aufgaben im Job erfüllt“, sagt Wybitul. Das sei etwas anderes als bei Verstößen, bei denen die Arbeit nur den „Anlass“ darstelle, wie häufig beim Diebstahl von Waren.

Datenschutz: Schärfere Maßnahmen bei hohem Schadenspotential

Gerade bei Unregelmäßigkeiten in der Finanzabteilung, die schnell zu enormen Folgeschäden führen können, dürften Unternehmen aber schnell auch schärfere Maßnahmen ergreifen. Wybitul: „Je stärker der Verdachtsgrad und je größer das Schadenspotential, desto weiter darf man nach dem Bundesdatenschutzgesetz gehen.“

Dennoch appelliert der Datenschutzrechtler an Arbeitgeber, erst einmal den direkten Weg zu suchen. „Oft haben Unternehmen Hemmungen, den verdächtigen Mitarbeiter oder Personen aus seinem Umfeld einfach anzusprechen. Der Mitarbeiter muss aber ohnehin so früh wie möglich informiert werden. Vor einer Verdachtskündigung muss ihn das Unternehmen ohnehin anhören.“

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

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