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Zufrieden aber unterdurchschnittlich

Eine Umfrage des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Deloitte bietet zunächst ein positives Bild. Sie fördert zutage, dass deutsche Unternehmen insgesamt recht zufrieden mit ihren Steuerbehörden sind. Mit der Umfrage sollte herausgearbeitet werden, wie die Unternehmen ihr Verhältnis zur Finanzverwaltung und wie sie ihre Rechtssicherheit im Steuerbereich einschätzen.

Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Umfrage, an der insgesamt 1.328 Unternehmen aus 24 Ländern in der EMEA-Region teilgenommen haben. 146 Teilnehmer darunter haben ihre Einschätzung zur Situation in Deutschland abgegeben. Diese kamen überwiegend von in Deutschland ansässigen Unternehmensvertretern. 52% der teilnehmenden Unternehmen erwirtschaftet einen Umsatz von bis zu €200 Millionen, 21% von €200 bis 1 Milliarde und bei einem knappen Drittel übersteigt der Umsatz die Grenze von €1 Milliarde.

Die Zufriedenheit der deutschen Unternehmen ist allerdings gespalten. Zwar sind die Steuerpflichtigen mit ihrem individuellen Kontakt zu den Steuerbehörden relativ zufrieden. So geben rund zwei Drittel der Teilnehmer für Deutschland an, ein gutes Verhältnis zur Finanzverwaltung zu haben. 10% bewerten es sogar als sehr gut, nur 9% beklagen ein schlechtes Verhältnis. Damit befindet sich Deutschland jedoch leicht unter dem EMEA-Durchschnitt. Für die Niederlande schätzten beispielsweise 41% der Teilnehmer ihr Verhältnis zur Finanzverwaltung als sehr gut ein, 56% bezeichneten es mit gut und nur 3% mit schlecht.

Verbesserungsbedürftiger Auftritt

Der abstrakte behördliche Auftritt ist laut Umfrageergebnis in Deutschland jedoch verbesserungsbedürftig. Die Palette reicht hier von mehr Transparenz, mehr Verlässlichkeit in der Gesetzesinterpretation bis hin zur Bearbeitungsgeschwindigkeit. In Deutschland schwankt auch das Verhältnis von Finanzamt zu Finanzamt. So gaben 40% der Teilnehmer an, dass sie Unterschiede beim Kontakt mit dem jeweiligen Finanzamt sehen, 37%, dass dies manchmal der Fall ist, und nur 20% schätzten ihr Verhältnis zu den einzelnen Finanzämtern immer gleich ein.

Zu Schwierigkeiten kommt es in Deutschland vor allem im Bereich der Umsatzsteuer. Hier klagt fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer über Probleme mit der Finanzverwaltung. Rund 40% melden jeweils Schwierigkeiten bei der Unternehmensbesteuerung und der internationalen Besteuerung. Im Vergleich mit anderen EMEA-Staaten zeigt sich, dass in diesem Bereich nur noch Teilnehmer aus Österreich und Italien den Problemen einen ähnlich hohen Stellenwert einräumen. Bei der Umsatzsteuer klagen außer Deutschland noch Frankreich, Italien, Rumänien und Russland über Schwierigkeiten.

Dieses Bild zeigt sich auch beim Thema Betriebsprüfung. Deutschland ist im Vergleich ein Land mit einer sehr hohen Betriebsprüfungsdichte. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer ist jedoch optimistisch, dass es im Rahmen des Rechtsbehelfsverfahrens nach einer Betriebsprüfung, die ohne einvernehmliches Ergebnis zu Ende ging, noch zu einer befriedigenden Lösung für das Unternehmen kommt. 22% halten dies für unwahrscheinlich oder unmöglich. In den Niederlanden ist die optimistische Einschätzung deutlich verbreiteter: 74% der Teilnehmer halten eine für das Unternehmen befriedigende Lösung für möglich, nur 7% sehen dies als unwahrscheinlich oder unmöglich an.

Gefragt, wie sie die rechtlichen Rahmenbedingungen einschätzen, um eine faire Behandlung durch die Finanzverwaltung zu erfahren, schätzen 43% der Teilnehmer dies für Deutschland mit sehr gut/gut ein, 48% mit fallbezogen und 9% halten die Möglichkeiten für nicht gut. Zum Vergleich: In den Niederlanden schätzen 68% der Befragten die rechtlichen Rahmenbedingungen als sehr gut und gut ein.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de

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