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28.12.17
Finanzierungen

Das Rekordjahr der Green Bonds

Das Emissionsvolumen der Green Bonds steigt zum ersten Mal über die 100-Milliarden-Dollar-Marke. Im neuen Jahr könnte die nächste Premiere folgen – mit Blick auf das Pricing.

2017 war ein neues Rekordjahr am Green-Bond-Markt. Zwar sind grüne Anleihen immer noch ein Nischenmarkt, doch das Wachstum ist immens. Bereits in den ersten neun Monaten lagen die Neuemissionen mit 94 Milliarden US-Dollar über dem Volumen des gesamten Vorjahres mit 93 Milliarden US-Dollar, wie aus einer Analyse der Ratingagentur Moody’s hervorgeht. Insgesamt dürften 2017 neue Green Bonds über 120 bis 130 Milliarden US-Dollar platziert worden sein. Da das vierte Quartal noch nicht ganz zu Ende ist, liegen die Auswertungen für das Gesamtjahr noch nicht vor.

„Für Green Bonds war das Jahr der Durchbruch“, kommentiert Martin Wagenknecht, Head of DCM für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei der Société Générale, die Marktentwicklung. „Das Volumen zeigt, dass dieses Instrument keine Eintagsfliege ist.“ Die Bank erwartet, dass der Trend auch im kommenden Jahr weitergehen wird. Einige Unternehmen hätten bereits angekündigt, wieder an den Markt gehen zu wollen. Auch neue Emittenten dürfte der Markt 2018 anlocken.

Die regionalen Unterschiede bei den Green-Bond-Aktivitäten sind sehr groß. Die meisten Emittenten kommen laut Moody’s aus China, Mexiko und den Vereinigten Staaten. Auch in Frankreich ist das Instrument beliebt. Der französische Staat platzierte in diesem Jahr einen Green Bond über 7 Milliarden Euro.

Green Bonds in Deutschland angekommen

In den vergangenen Jahren waren staatliche Institutionen und öffentliche Einrichtungen die stärkste Emittentengruppe. Aber auch unter den Corporates wächst das Interesse an der grünen Finanzierungsform. Während 2016 nur rund 23 Prozent des Emissionsvolumens auf Industrieunternehmen entfiel, waren es in den ersten neun Monaten dieses Jahres laut Moody’s sogar knapp 38 Prozent.

Auch in Deutschland sind die grünen Anleihen in diesem Jahr angekommen. Der Energiekonzern Innogy platzierte als erstes deutsches Unternehmen einen Green Bond in Benchmark-Größe.  Die Anleihe hat ein Volumen von 850 Millionen Euro. Sie läuft über 10 Jahre und wird mit 1,25 Prozent verzinst. Mehr über die Hintergründe der Transaktion lesen Sie bei der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer.

Zuvor war bereits der PE-geführte Windanlagenbauer Senvion mit einem Green Bond über 400 Millionen Euro an den Markt gegangen. Anfang des Jahres platzierte die Beteiligungsgesellschaft Strasser Capital einen Green Loan über 30 Millionen Euro.

Der Energiekonzern Innogy platzierte als erstes deutsches Unternehmen einen Green Bond in Benchmark-Größe.

Zweites Jahr am Markt für grüne Schuldscheine

Auch wenn die Aktivitäten am deutschen Markt für grüne Finanzierungen noch überschaubar sind – es hat sich bereits ein weiteres Marktsegment neben den grünen Anleihen entwickelt. Gerade Unternehmen, die nicht am Bondmarkt aktiv sind, können über den Green Schuldschein das Interesse der nachhaltig orientierten Investoren nutzen.

Der Markt wurde erst im April 2016 von dem Windturbinenhersteller Nordex eröffnet. Insgesamt hat es bisher sieben Transaktionen in diesem Markt gegeben, wie aus einer Aufstellung der ING hervorgeht.

In diesem Jahr war es am grünen Schuldscheinmarkt allerdings deutlich ruhiger als in seinem Debütjahr. Nur zwei Unternehmen zapften den Markt an. CFO Emese Weissenbacher platzierte für den Automobilzulieferer Mann+Hummel einen grünen Schuldschein über 400 Millionen Euro. Zudem begab der Milchverarbeiter Meggle einen solchen Schuldschein über 50 Millionen Euro.

„Es gibt eine wachsende Bereitschaft der Investoren, für grüne Anleihen eine Prämie zu zahlen.“

Martin Wagenknecht, Société Générale

Unternehmen hoffen auf Preisvorteile

Größtes Manko der grünen Finanzierungen ist bislang noch der deutlich höhere Aufwand. Auch wenn es keinen verbindlichen Standard für Green Bonds gibt, lassen die meisten Unternehmen ihre Transaktionen von einer externen Agentur als grün zertifizieren. Diese zusätzliche Arbeit und die damit verbundenen Kosten werden nicht durch günstigere Konditionen kompensiert. Das schreckt viele Unternehmen ab.

Allerdings performen die Bonds am Sekundärmarkt meist besser als die normalen „grauen“ Anleihen. Das könnte sich auch auf das Pricing der Neuemissionen auswirken. „Es gibt eine wachsende Bereitschaft der Investoren, für grüne Anleihen eine Prämie zu zahlen“, beobachtet Bond-Experte Martin Wagenknecht. Ob das sich bereits im kommenden Jahr niederschlägt, ist schwer vorherzusagen.

Klar scheint, dass das starke Wachstum auch 2018 weitergehen wird. Die Société Générale rechnet im kommenden Jahr mit einem Emissionsvolumen von 165 Milliarden US-Dollar.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de