Der Finanzinvestor Oakley hat einen 135 Millionen Euro hohen Private-Debt-Kredit aufgenommen, um die Nachhilfekette Schülerhilfe zu kaufen.

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19.05.17
Finanzierungen

Debt-Fonds finanzieren mehr große Buy-outs

Private Debt macht den Banken immer mehr Konkurrenz. Jetzt mischen die Kreditfonds auch bei großen Private-Equity-Finanzierungen stärker mit. Ein Beispiel ist der Kauf der Schülerhilfe durch Oakley.

Private Debt macht den Banken bei der Finanzierung von Private-Equity-Deals immer mehr Marktanteile streitig. Jetzt drängen die vergleichsweise schnellen und unkomplizierten Nichtbanken auch in die Vergabe großer Buy-out-Kredite. Das zeigen Zahlen des Branchendienstes „Leveraged Commentary & Data“ (LCD), der zu S&P Global Market Intelligence gehört.

Demnach hat sich die Anzahl von Unitranche-Finanzierungen im Volumen von 100 Millionen Euro und mehr im vergangenen Jahr in Europa auf 15 Transaktionen mehr als verdoppelt. Im laufenden Jahr deutet sich eine weitere Zunahme an: Bereits bis Mitte Mai wurden elf Unitranches in dieser Größenordnung vergeben.

Alcentra verleiht 135 Millionen Euro für Schülerhilfe-Buy-out

Ein aktuelles Beispiel ist der Kauf der Schülerhilfe, die Oakley Capital von der DBAG übernommen hat. Für die Akquisition hat Oakley Capital eine Unitranche-Finanzierung über 135 Millionen Euro bei dem Private-Debt-Anbieter Alcentra abgerufen, zeigen die LCD-Daten. Bei einem Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von mehr als 20 Millionen Euro ergibt das einen Leverage von 5,5x bis 6x.

„Debt-Fonds sind auch in Deutschland mit ihren Angeboten viel günstiger geworden“, kommentiert Bernd Egbers, der als Partner der Wirtschaftskanzlei Ashurst auf die Finanzierung von Leveraged Buy-outs spezialisiert ist. „Früher haben sie mehr als 8 Prozent Zinsen verlangt, jetzt sind es oft weniger, häufig um die 6 Prozent. Damit sind sie nicht weit von den rund 4 Prozent entfernt, die Banken meist für Leveraged Loans verlangen.“ 

40 Private-Debt-Anbieter werben um deutsche Deals

In den vergangenen Monaten hat eine Reihe von Private-Debt-Anbietern angekündigt, den deutschen Markt stärker bearbeiten zu wollen. So ist Ardian in Deutschland bereit, bis zu 200 Millionen Euro pro Unitranche zu investieren. Muzinich hat jüngst einen Private-Debt-Chef für den deutschen Markt bestimmt, und Pemberton hat sein Deutschlandteam ebenfalls ausgebaut.

Insgesamt werben geschätzte 40 Private-Debt-Anbieter um die Gunst vor allem von Finanzinvestoren. Diese sind bereit, eine Prämie gegenüber den Bankkrediten zu bezahlen. Denn Private-Debt-Anbieter können ihre Finanzierungen schneller und einfacher begeben, weil sie weniger stark reguliert sind. Dazu laufen bei ihnen weniger Transaktionen parallel. 

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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