Der Industriekonzern General Electric (GE) verkauft seine Finanzsparte, Wettbewerber nutzen das aus.

Paul Sakuma/Picture Alliance/AP/dpa

25.06.15
Finanzierungen

GE Capital: Wettbewerber wollen Kunden abwerben

GE hat angekündigt, seine Finanzsparte zu verkaufen. Wettbewerber nehmen das zum Anlass, Kunden abzuwerben – zum Teil mit unfairen Methoden.

Im April ist bekanntgeworden, dass sich der Industriekonzern General Electric (GE) von seinem Finanzdienstleitungsarm GE Capital trennen will. Inzwischen laufen bereits Verkaufsverhandlungen auf breiter Front: Das Firmenkundenkreditgeschäft soll komplett zum Verkauf gestellt werden, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Verweis auf Insider. Die Beteiligung am Schweizer Kleinkreditanbieter Cembra Money Bank ist bereits abgestoßen.

Daneben hat GE bereits einen großen Teil seines Leveraged-Finance-Geschäfts an den Finanzinvestor Canada Pension Plan für 12 Milliarden US-Dollar verkauft. Investmentbanken wie JP Morgan Chase, die das M&A-Mandat haben, sondieren eifrig den Markt.

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Gegner streuen Gerüchte über Finanzschwäche von GE Capital

Auch das Deutschlandgeschäft steht zum Verkauf. Hierzulande bietet die Finanzsparte des GE-Konzerns Leasing („GE Capital Leasing GmbH“) und Factoring („GE Capital Bank AG“) sowie strukturierte Finanzierungen und Absatzfinanzierungen an. Wie in Zeiten des Umbruchs üblich, nutzen Wettbewerber die Sondersituation als Aufhänger, um Bestandskunden abzuwerben oder potentielle Neukunden abzuschrecken. Offenbar schießen einige dabei übers Ziel hinaus und sprechen über einen Liquiditätsengpass bei GE Capital, heißt es von Brancheninsidern. Eine ziemlich abwegige Unterstellung für den finanzstarken Konzern, den beispielsweise die Ratingagentur Moody’s mit einem erstklassigen Aa3 bewertet.

Der Anbieter verfolge hierzulande nach wie vor seine Wachstumsambitionen, heißt es bei GE Capital. Auch werden langfristige Finanzierungsverträge abgeschlossen. Der Factoringumsatz lag 2014 bei rund 49 Milliarden Euro und damit bei mehr als dem Doppelten wie noch 2009. Neben Factoring ist GE Capital über die Münchener Fleet Services auch im Leasing tätig. Auch hier wurden die Pläne für das Flottenleasing Firmenangaben zufolge nach oben hin angepasst.

Was geschieht mit der CommerzFactoring?

Zum Stand des Verkaufsprozesses will GE Capital sich auf FINANCE-Anfrage hin allerdings nicht äußern. Dabei dürfte sich auch die Frage stellen, was aus dem Joint Venture mit der Commerzbank wird. Neben dem eigenen Factoringgeschäft hält GE Capital auch 49,9 Prozent an der Commerz Factoring GmbH. Dort ist neben Julian Kox mit Ansgar Kugelstadt ein GEler in der Geschäftsführung.

Die Vertriebler der CommerzFactoring treten bei Kunden auch im Wettbewerb mit GE Capital auf. Im Hintergrund bearbeitet GE Capital aber die Forderungen. Ein Käufer von GE Capital in Deutschland könnte das Geschäft einfach behalten. Diese Option scheidet vermutlich aus, sollte ein Wettbewerber der Commerzbank als Käufer auftreten.

markus.dentz[at]finance-amagazin.de