Das Buhlen um die Gläubiger von Prokon beginnt, der Hedgefonds Exchange Investors startet den ersten Vorstoß.

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24.01.14
Finanzierungen

Hedgefonds will bei Prokon mitmischen

Der Hedgefonds Exchange Investors will bei Prokon einsteigen und Anlegern Genussrechte abkaufen. Der Schlachtplan des Fonds scheint noch recht rudimentär zu sein, aber die ersten Hinweise des Hedgefonds lassen wenig Gutes für Prokon und dessen Gläubiger erwarten.

 

Der Hedgefonds Exchange Investors steigt in die Restrukturierung des Windparkfinanzierers Prokon ein und plant, verkaufswilligen Genussrechtsinhabern ein Kaufangebot zu unterbreiten. Gegenüber FINANCE erklärte Hedgefondsmanager Frank Scheunert, dass er die Lage der Investoren düster einschätzt: „Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens erscheint mir hundertprozentig sicher,  viel wird für die Anleger dabei nicht herumkommen”.

Auch dem Hedgefondsmanager liegen keine aktuellen, testierten Zahlen vor. Entsprechend vorsichtig kalkuliert er bei seinem Vorstoß. Dass bei Prokon tatsächlich ein Schneeballsystem vorliegen könnte, hält Scheunert für denkbar. Als Hinweis darauf verweist er auf die immensen Ausgaben des Unternehmens für die Vermarktung der Genussrechte:  „Die Werbung muss für  Prokon unfassbar teuer gewesen sein, unseren Schätzungen zufolge  könnten 20 Prozent des Umsatzes für den Vertrieb der Genussrechte aufgewendet worden sein.  Es hat uns gewundert, wie Prokon dieses System all die Jahre aufrechterhalten konnte.“

Exchange erwartet bei Prokon nur geringe Insolvenzquote

Für die Situation der Gläubiger sei jetzt vor allem die Insolvenzmasse entscheidend: Hier käme es darauf an, ob alle Genussrechte im Wert von 1,4 Milliarden berücksichtigt würden oder nur die bereits gekündigten Genussrechte, die bislang 111 Millionen betragen. „Sollten alle Genussrechte in die Masse einfließen, rechnen wir mit einer Insolvenzquote von weniger als 10 Prozent ”, vermutet Scheunert. Gestern hatte bei FINANCE-Online auch schon der Insolvenzrechtler Robert Buchalik gemutmaßt, dass in Anbetracht der Wahl des Insolvenzverfahren bei Prokon für die Gläubiger nicht mehr viel zu holen sein könnte.

Den Preis, den der Hedgefonds den Anleiheinhabern unterbreiten will, wollte Scheunert zwar nicht nennen, aber seine düstere Einschätzung könnte als Höchstgrenze interpretiert werden.

Kein starker Gläubiger für Prokon

Auch für den Windparkfinanzierer Prokon sowie dessen Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin könnte der Vorstoß des Hedgefonds ernüchternde Folgen haben, denn der Retter in der Not wird Exchange wohl kaum sein. Gegenüber FINANCE erklärte Scheunert, dass Exchange nicht anstrebe, ein dominanter Gläubiger zu werden.

Aktuelle Restrukturierungsfälle wie Solarworld und ATU haben gezeigt, dass ein Debt-Equity-Swap umso konsequenter verhandelt werden kann, je stärker sich die Anleiheschulden bei wenigen professionellen Hedgefondsgläubigern bündeln. Diese Rolle wird der Hedgefonds Exchange, der insgesamt nur ein Anlagevolumen von 220 Millionen auf die Waage bringt, nicht spielen können. Insgesamt befinden sich Prokon-Genussrechte im Nennwert von rund 1,3 Milliarden Euro im Umlauf.

Exchange scheint mit seinem Angebot zunächst einmal den Markt antesten zu wollen. Man wolle prüfen, wie die Investoren reagieren,  stehe in engem Kontakt mit dem Insolvenzverwalter und warte auf testierte Zahlen, erklärte Scheunert. Aber mit seinem Kaufangebot hat das Ringen um Einfluss bei der insolventen Prokon begonnen.  

julia.becker[at]finance-magazin.de

Prokons verzweifelten Kampf ums Überleben und die Details zur Gläubiger- und Finanzierungsstruktur hat FINANCE in den vergangenen Wochen intensiv nachverfolgt. Das gesammelte Material finden Sie auf unserer brandneuen Themenseite zu Prokon.