Leoni

FINANCE+ 25.03.21
Finanzierungen

Leoni: Finanzierungsrisiko Factoring?

Leoni hat sein Factoring-Volumen massiv ausgeweitet. Das ist riskant, denn jetzt hängt der angeschlagene Autozulieferer vom Wohlwollen der Warenkreditversicherer ab – und dort läuft der staatliche Schutzschirm bald aus.

Das Management von Leoni verbreitet in diesen Tagen viel Zuversicht: Sanierungsexperte Hans-Joachim Ziems, der Ende des Monats aus dem Vorstand des Nürnberger Autozulieferers ausscheidet, erklärte jüngst, die Weichen für die nachhaltige Stabilisierung der Geschäftsentwicklung seien gestellt. CEO Aldo Kamper sieht das Unternehmen auf einem „guten Weg der Gesundung“.

Die Gründe für den Optimismus: Im zweiten Halbjahr sprang die Nachfrage bei dem Bordnetzbetreiber wieder etwas an, das Sparprogramm Value 21 macht Fortschritte, und der Free Cashflow hat sich im Pandemiejahr gegenüber 2019 verbessert, wenngleich er immer noch negativ ist. 

Leoni-Analyst: Finanzielle Lage bleibt „kritisch“

Doch bei genauerem Hinsehen bleibt die Lage bei dem SDax-Konzern, der im vergangenen Jahr in eine schwere finanzielle Schieflage gerutscht war und Staatshilfe bekam, düster: 2020 war das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) mit minus 280 Millionen Euro tiefrot, die Eigenkapitalquote sank zum Jahresende auf nur noch 7,6 Prozent.

Und die Verbesserungen im Free Cashflow sind vor allem Factoring- sowie Sale-Back-Transaktionen geschuldet, die CRO Ziems und CFO Ingrid Jägering im vergangenen Jahr eingefädelt haben. Klammert man diese Effekte aus, liegt der Mittelabfluss bei 213 Millionen Euro, hat Marc-René Tonn, Analyst beim Research-Haus Warburg, ausgerechnet.

Bis Ende dieses Jahres dürfte sich der Schuldenberg von Leoni auf netto 1,6 Milliarden Euro auftürmen, warnt Tonn. Zuzüglich Factoring knacken die Nürnberg dem Analysten zufolge gar die 2-Milliarden-Euro-Marke. Er bewertet die finanzielle Situation daher weiterhin als „kritisch“ und sieht „Refinanzierungsrisiken“ auf den Konzern zukommen.

Diese Finanzierungsrisiken könnten tatsächlich schon ausgesprochen kurzfristig auf den Konzern zukommen, wie ein Blick in den Risikoteil des Geschäftsberichts von Leoni offenbart. Das liegt an der Schlüsselrolle der Warenkreditversicherer. 

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