Debt-Fonds schnüren für PE-Investoren immer größere Finanzierungspakete. Beim Heizungablesedienstleister Qundis gewesen, wenn sich letztlich nicht ein Stratege durchgesetzt hätte.

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10.05.17
Finanzierungen

Lockere Buy-out-Covenants erreichen den Mittelstand

Private-Equity-Investoren schaffen es immer häufiger, bei LBO-Finanzierungen im Midcap-Segment ähnlich legere Bedingungen durchzusetzen wie bei großen Deals. Das liegt an der scharfen Konkurrenz zwischen Banken und Debt-Fonds.

Der Wettbewerb zwischen Banken und Private-Debt-Anbietern, die Geld für LBO-Finanzierungen zur Verfügung stellen, ist hart. Private-Equity-Häuser schaffen es deshalb immer häufiger, bei Finanzierungen im Midcap-Segment Kreditstandards durchzusetzen, die so locker sind, wie sie es bislang nur bei großen Deals waren. Das berichtet der Branchendienst „Leveraged Commentary & Data“ (LCD), der zu S&P Global Market Intelligence gehört, unter Berufung auf Marktteilnehmer.

Es sei in letzter Zeit vermehrt zu syndizierten Midmarket-Deals gekommen, die als so genannte Covenant-lite-Transaktionen abgeschlossen wurden. Sie seien beispielsweise durch mehr Headroom für den Kreditnehmer aufgefallen, durch eine lockerere Dokumentation oder durch Klauseln, die vorsehen, dass ein Covenant-Bruch nur dann geahndet werden kann, wenn er zum zweiten Mal eintritt. Derartige Ausgestaltungen wären vor einem Jahr wohl nicht akzeptiert worden, zitiert LCD mehrere Marktteilnehmer.

Für Banken, die sich an diesen Deals beteiligen, ist die Entwicklung ungünstig. Sie sind deutlich stärker reguliert als Schattenbanken, dennoch wollen sie weiterhin in dem Marktsegment aktiv bleiben. Je lockerer die Finanzierungspakete geschnürt werden, umso schwieriger dürfte das für sie werden.

Kreditgeber stellen deutlich höheren Leverage zur Verfügung

Zeitgleich zu den flexibler werdenden Covenants steigt im Durchschnitt der Verschuldungsgrad bei den Finanzierungen, stellt LCD weiter fest. Das bedeutet, dass die Verschuldungspakete, die Investoren den Private-Equity-Häusern zur Verfügung stellen, größer werden. Grund dafür sei der hohe Konkurrenzdruck unter den Anbietern, die über viel Liquidität verfügen.

Bei den Deals, die am stärksten umkämpft sind, werden mittlerweile Leverage-Quoten vom 5,5- bis 6,5-fachen des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) geboten, zitiert LCD einen Finanzierungsberater. Ein Beispiel ist laut LCD der Heizungsablesedienstleister Qundis. Das Unternehmen wurde letztlich zwar an einen strategischen Investor verkauft. Allerdings hatten im Vorfeld Kreditgeber Finanzierungspakete in Höhe von 6 bis 6,5x Ebitda geschnürt, berichtet LCD.
 
antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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