A.T.U

17.01.17
Finanzierungen

Private Debt verdrängt Auslandsbanken bei Sanierungen

Bei Restrukturierungsfällen springen zunehmend Debt-Fonds als Kreditgeber ein. Auslandsbanken hingegen treten den Rückzug aus diesem Markt an.

Debt-Fonds kommen bei finanziellen Restrukturierungen immer häufiger als Kreditgeber zum Zug. Das geht aus einer Umfrage der Sanierungsberatung CIC Consultingpartner hervor, die FINANCE exklusiv vorliegt. Die Beratung hat 120 Restrukturierungsexperten deutscher und ausländischer Finanzierer befragt. Demnach geben 47 Prozent der Befragten an, alternative Angebote wie Private Debt hätten in den vergangenen 24 Monaten als Finanzierungsteilnehmer bei Sanierungen an Bedeutung gewonnen.

Debt-Fonds haben derzeit nicht nur viel Geld zur Verfügung, das sie anlegen müssen. Sie gehen auch sehr individuell auf die Bedürfnisse der Unternehmen in Restrukturierungssituationen ein“, sagt Studienautor Norbert Strecker, Partner bei CIC Consultingpartner. Das mache die Anbieter zu einem attraktiven Finanzierungspartner für Unternehmen in der Krise.

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Private Debt finanziert Polo Motorrad, Duran, A.T.U, Selecta

Nach Angaben von CIC Consultingpartner war Private Debt in den vergangenen 24 Monaten etwa bei den Refinanzierungen des Motorradzubehörhändlers Polo Motorrad, des Textilhändlers NKD und des mittelständischen Spezialglasherstellers Duran involviert. In diesen Fällen handelt es sich allerdings um im Kern gesunde Unternehmen, die im Rahmen von klassischen Buy-out-Transaktionen den Besitzer wechselten. Polo Motorrad wurde Anfang 2015 von den Finanzinvestoren Paragon Partners und Tempus Capital an Equistone verkauft. Die Duran Gruppe ging Anfang 2015 von dem PE-Investor Adcuram in das Portfolio von One Equity Partners über. Für die bei der Finanzierung involvierten Debt Fonds sind es Investments mit absehbarem Risiko.

Auch Kreditfonds können sich im derzeitigen Niedrigzinsumfeld kaum Ausfälle leisten. Zwei harte Sanierungsfälle, bei denen Private Debt einsprang, liegen deshalb schon etwas länger zurück: Bei der angeschlagenen Werkstattkette A.T.U, die gerade an den französischen Wettbewerber Mobivia verkauft wird, kam 2014 im Rahmen eines Schuldenschnitts der Debt-Fonds Hayfin als Kreditgeber an Bord. Der Automatenbetreiber Selecta wiederum gewann im Sommer 2014 den Private-Debt-Arm von KKR als Darlehensgeber: 220 Millionen Euro stellte der Debt-Fonds über eine nachrangige und unbesicherte PIK-Anleihe zur Verfügung. Ende 2015 zog dann die Eigenkapitalseite nach: Der PE-Investor übernahm die Mehrheit an dem Automatenbetreiber.

Welche Rolle Hedgefonds spielen, die sich in die Kredite von Sanierungsfällen einkaufen, zeigt sich gerade bei Jack Wolfskin. Der angeschlagene Outdoor-Ausrüster verhandelt derzeit mit seinen Gläubigern über die finanzielle Zukunft. H.I.G Capital und CQS haben zu deutlichen Abschlägen Kredite von Banken übernommen und sollen bereit sein, über eine Wandlung der Schulden in Gesellschafteranteile bei Jack Wolfskin einzusteigen. Private-Equity-Investor Blackstone droht der Verlust seiner Beteiligung.

Kreditvergabe an Krisenunternehmen bleibt schwierig

Großer Verlierer sind der Studie zufolge die Auslandsbanken: Nur 9 Prozent der Befragten nehmen die ausländischen Banken noch als wichtige Player bei der Kreditvergabe an Krisenunternehmen wahr. Deutsche Banken hingegen verteidigen erfolgreich ihre Position. Immerhin 29 Prozent geben an, hiesige Geldhäuser hätten als Kreditgeber bei Restrukturierungen in den vergangenen zwei Jahren an Bedeutung gewonnen. „Die Banken haben auf das Aufkommen alternativer Finanziers reagiert und bieten in Krisensituationen ein Lösungspaket inklusive Leasing, Factoring und ABS-Transaktionen an“, sagt Berater Strecker.

Die Finanzierungsbedingungen haben sich trotz des Wettbewerbs allerdings nicht aufgeweicht: Die Befragten geben nahezu gleichverteilt an, die Kriterien für die Kreditvergabe seien in den vergangenen 24 Monaten gleich geblieben (35 Prozent), hätten sich verschärft (35 Prozent) oder sich vereinfacht (29 Prozent). Das deckt sich mit den Ergebnissen, des 9. FINANCE-Restrukturierungsbarometers aus dem Herbst: 48 Prozent der 86 Befragten gaben damals an, die Finanzierungsbedingungen für Sanierungsfälle seien unverändert anspruchsvoll.

Finanzierer begrüßen EU-Vorstoß für präventives Sanierungsverfahren

Ein anderes Thema, das die Restrukturierungs-Community derzeit umtreibt, ist der Plan der EU-Kommission, ein präventives Sanierungsverfahren zu schaffen. Die Motivation Brüssels: Unternehmen, die ein funktionierendes operatives Geschäft haben, aber unter einer hohen Schuldenlast ächzen, sollen ihre Finanzschulden künftig einfacher restrukturieren können, und zwar ohne eine langwierige und stigmatisierende Insolvenz zu durchlaufen. Dabei orientiert sich das Verfahren am englischen Restrukturierungsverfahren „Scheme of Arrangement“.

Im Dezember hat die Kommission ihren lange erwarteten Richtlinienentwurf vorgelegt.  65 Prozent der von CIC Befragten halten die Vorschläge der EU für „grundsätzlich nützlich“. Den Wert eines solchen Verfahrens sehen die Umfrageteilnehmer vor allem bei finanziellen Restrukturierungen (45 Prozent) und Querulanten im Gläubigerkreis (27 Prozent).

Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen sollen Unternehmen laut den EU-Plänen künftig nur einzelne Gläubigergruppen für die Sanierung heranziehen dürfen. Zum anderen können Gläubiger bei einem Schuldenschnitt künftig überstimmt werden. „An dieser Einstimmigkeit scheitert heute in manchen Fällen eine vorinsolvenzliche Restrukturierung“, meint Mitautor und Partner bei CIC, Michael Schmitt.

Die Befragten der CIC-Studie haben eine klare Präferenz, wer ein solches Verfahren steuern sollte: 48 Prozent nennen Restrukturierungsberater, klar vor einer eigenständigen Einigung der Gläubiger mithilfe eines Mediators (22 Prozent), dem Insolvenzverwalter (14 Prozent) und Geschäftsführern / CROs (8 Prozent). Mit 42 Prozent befürwortet allerdings auch nahezu die Hälfte, dass ein Gericht in das Verfahren eingebunden werden sollte. Wann genau die neue EU-Richtlinie kommen wird, steht allerdings noch nicht fest.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Welche Unternehmen sich derzeit in einer Sanierung befinden und welche aktuellen Trends es am Markt der Restrukturierungsberater gibt, das erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite Letzte Ausfahrt Restrukturierung.

Alle wichtigen Entwicklungen im Bereich der Debt-Fonds haben wir auf der FINANCE-Themenseite Private Debt zusammengestellt.