Trübe Aussichten für Prokon: Der Windparkfinanzierer konnte nicht genügend Anleger überzeugen.

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21.01.14
Finanzierungen

Prokon: Das Ultimatum ist abgelaufen

Kassensturz bei Prokon: Die Frist ist vorbei und der Windparkfinanzierer konnte sich gerade einmal 60 Prozent der Summe an Genussrechtskapital sichern, die es zur Unternehmensfinanzierung braucht. Wie es jetzt weitergeht, ist unklar.

 

Prokons selbst gesetzte Frist ist abgelaufen: Bis heute hatten die rund 75.000 Anleger Zeit, sich zu entscheiden, ob sie Prokon weiterhin ihr Geld anvertrauen oder nicht. Heute morgen um 9 Uhr veröffentlichte Zahlen von Prokon zeigen, dass rund 60 Prozent aller Anleger zugestimmt haben, Genussrechte im Wert von 860 Millionen im Unternehmen zu lassen - reichen wird das offenbar nicht. Nach eigenen Aussagen von vergangener Woche benötigt Prokon 95 Prozent des Genussrechtskapitals von 1,4 Milliarden Euro, um einer Insolvenz zu entgehen. Dem Windparkfinanzierer fehlen demnach über 500 Millionen Euro.

Offenbar war das Vertrauen der Anleger in Prokon nicht groß genug oder das Unternehmen konnte die Investoren nicht rechtzeitig zur Abzustimmung aktivieren. Neun Tage Zeit hatte Prokon seinen Anlegern gegeben, um sich durch den Online-Dschungel der Informationen zu kämpfen, sich beraten zu lassen und die mehrfache Entscheidung zu treffen: ob sie das Geld bei Prokon lassen, ihren Einsatz erhöhen oder bereits getätigte Kündigungen zurücknehmen.

Kann Prokon die Insolvenz vermeiden?

Wie es jetzt bei Prokon weitergeht, ist unklar. Wie immer per Direktkommunikation online bittet Prokon unentschlossene Anleger darum, sich noch kurzfristig zu entscheiden:„Sie helfen uns bzw. gegebenenfalls dem vorläufigen Insolvenzverwalter damit, ein möglichst vollständiges Bild von der Anlegermeinung zu erhalten. Dies wird die weiteren Schritte (z. B. Zeitpunkt, Anzahl, Preisverhandlungen) für einen gegebenenfalls notwendigen Verkauf von Projekten entscheidend mit beeinflussen”. Eine mögliche Insolvenz scheint Prokon demnach selbst nicht mehr auszuschließen, zeigte jedoch auch ein rechtlich fragliches Alternativszenario auf.

Welche Folgen eine mögliche Insolvenz für die Anleger hätte, ist offen. Da Genussrechte nachrangig bedient werden, drohen Anlegern hohe Verluste. Prokon hingegen versichert, dass das Kapital zu mindestens 90 Prozent durch Sachanlagen abgesichert sei, unter Berücksichtigung der stillen Reserven sogar zu 130 Prozent. Da Prokon seit 2011 keine testierten Zahlen veröffentlicht hat, ist die Lage kaum zu beurteilen.

julia.becker[at]finance-magazin.de