Fresenius ist das erste deutsche Unternehmen das in diesem Jahr eine Wandelanleihe platziert hat. Der Gesundheitskonzern hat sich für eine besondere Variante entschieden.

Fresenius

21.02.17
Finanzierungen

Starker Jahresauftakt für Wandelanleihen

Während am IPO-Markt fast nichts geht, lockt die Wandelanleihe viele Unternehmen an den Markt für Eigenkapital. Trotz eines enorm starken Vorjahres zeichnen sich im Januar bereits neue Höchststände bei den Emissionen ab.

Der Markt für Wandelanleihen ist 2016 zum dritten Mal in Folge gewachsen. 25 Milliarden Euro wurden in der Region Europa, Naher Osten und Afrika insgesamt emittiert – der höchste Wert seit 2007. Das geht aus aktuellen Marktdaten der Société Générale hervor. „Auch die ersten Wochen in diesem Jahr waren sehr aktiv“, sagt ECM-Experte Ralf Darpe von der französischen Bank. „Es wurden bereits 2,4 Milliarden Euro platziert.“
 
Der Markt für Wandelanleihen – oder Convertible Bonds – profitierte vor allem von Volatilität. „Selbst wenn andere Equity-Transaktionen in hochvolatilen Märkten schon längst nicht mehr möglich sind, zeigt sich das Wandelanleihen-Segment sehr robust“, sagt Darpe. Grund dafür ist der Bond-Floor. Investoren können mit den wandelbaren Anleihen von gutlaufenden Aktienkursen profitieren, sind aber gleichzeitig dadurch abgesichert, dass sie sich den Bond am Ende der Laufzeit auch einfach zum Nennwert zurückzahlen lassen können. In der Zwischenzeit gibt es – wenn auch unterdurchschnittlich hohe – Zinsen.

Fresenius platziert synthetische Wandelanleihe

Auch deutsche Unternehmen haben sich in den ersten Wochen des Jahres bereits an den Markt getraut: Der Gesundheitskonzern Fresenius platzierte eine Wandelanleihe über 500 Millionen Euro mit einer Laufzeit von 7 Jahren. Die Wandlungsprämie liegt bei 45 Prozent über dem festgesetzten Referenzkurs. Allerdings handelt es sich bei dem Papier nicht um eine klassische Wandelanleihe, sondern um ein eigenkapitalneutrales Papier (Non Dilutive Convertible Bond).

Non Dilutive Convertible Bonds werden auch als synthetische Wandelanleihen bezeichnet. „Diese Anleihen werden nie in neue Aktien gewandelt, die Auszahlung an die Investoren erfolgt immer in bar“, erklärt Darpe. „Emittenten können sich damit zu ähnlichen oder günstigeren Konditionen als am herkömmlichen Anleihemarkt finanzieren, ohne das Risiko einer Verwässerung für ihre Aktionäre eingehen zu müssen“, erklärt Darpe. Das Unternehmen sichert sich durch den Kauf von Aktienoptionen gegenüber dem Risiko ab, den Gegenwert der theoretisch zu wandelnden Aktien auszahlen zu müssen.

Eigenkapitalneutrale Wandelanleihen werden beliebter

„Diese synthetischen Wandelanleihen können inklusive des Hedges günstiger sein als normale Anleihen“, beobachtet Kapitalmarktexperte Darpe – allerdings nur, wenn die zugrunde liegende Aktienkursentwicklung relativ stabil ist. „Bei sehr volatilen Aktien wäre die notwendige Absicherung über Aktienoptionen für die Unternehmen zu teuer“, so der Experte. So erhält solch ein Wandler aus Emittentensicht den Charakter einer normalen Anleihe, nur mit dem Nutzen für das Unternehmen, dass es den eigenen Investorenkreis über normale Bond-Investoren hinaus diversifizieren kann.

Mit der Emission liegt Fresenius im Trend, auch wenn es bisher das einzige deutsche Unternehmen ist, das eine synthetische Wandelanleihe begeben hat. Der Markt für eigenkapitalneutrale Wandelanleihen wächst, ist aber nach wie vor ein Nischensegment. Rund 14 Prozent des 2016 emittierten Wandler-Volumens in der EMEA-Region waren solche Non Dilutive Convertibles. Unter den Wandelanleihe-Emittenten griffen gerade Unternehmen mit Investmentgrade-Rating inzwischen recht häufig zu dem Instrument.

Bayer refinanziert M&A-Deal mit Pflichtwandelanleihe

In vielen Fällen ist aber tatsächlich die spätere Ausgabe der neuen Aktien das Ziel der Wandelanleihe – so schonen CFOs die Kasse und nutzen den Bondmarkt, um bei einer guten Aktienkursentwicklung faktisch eine verzögerte Kapitalerhöhung einzuloggen. So platzierte Bayer im vergangenen Jahr einen Convertible Bond über 4 Milliarden Euro. Bei der Transaktion, die deutlich über dem durchschnittlichen Volumen für Wandelanleihen liegt, musste der Konzern den Investoren einige Zugeständnisse beim Preis machen.

Für den Pharmakonzern geht es darum, für die Refinanzierung der nicht unumstrittenen Monsanto-Übernahme die Eigenkapitalbasis zu stärken. Deshalb hat Bayer den Bond als Pflichtwandelanleihe gestaltet  und wird in jedem Fall Aktien ausgeben. Auf solche Mandatory Convertibles entfielen im vergangenen Jahr 33 Prozent der Emissionen. In diesem Jahr holte bereits der Automobilzulieferer Grammer über eine Pflichtwandelanleihe einen Investor an Bord.

Geratete Unternehmen übernehmen die Führung

Eine ganz klassische Wandelanleihe platzierte im vergangenen September der Stahl- und Metallhändler Klöckner und Co.: 148 Millionen Euro sammelten die Duisburger ein, das Papier läuft über sieben Jahre. CFO Markus Ketter hat den Investoren eine Put-Option nach Ablauf der ersten fünf Jahre eingeräumt.

Das ungeratete Unternehmen gehört zur Gruppe der typischen Emittenten am Markt für Wandelanleihen. „Die Zahl der Investmentgrade-Namen hat den Anteil der Emissionen ohne externes Rating am Gesamtvolumen zwar deutlich zurückgedrängt“, sagt Darpe, der darauf hinweist, dass 2016 die Mehrheit der Emittenten über ein externes Rating verfügte. „Allerdings sind die Investoren nach wie vor hungrig nach Emissionen ohne Rating oder mit schlechteren Bonitäten, da dort noch ein Kupon zu holen ist.“

Kapitalmarktexperte Darpe von der Société Générale glaubt, dass das Interesse an Wandelanleihen auch über die nächsten Monate anhalten wird. In Anbetracht des starken Jahresauftakts und des positiven Marktumfelds für Wandelanleihen rechnet die Bank daher mit einem hohen Emissionsvolumen im Bereich des Vorjahresniveaus von 25 Milliarden Euro.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de