Freie Fahrt? Corona hat vielen Unternehmen die Bedeutung von stabilen Lieferketten verdeutlicht.

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FINANCE+ 30.11.20
Finanzierungen

Supply Chain Finance: So positionieren sich Banken und Fintechs

Supply Chain Finance gewinnt wegen der Coronakrise an Bedeutung. ZF und Schenker führen Programme zur Lieferantenfinanzierung ein, Puma stockt seines auf. Banken und Fintechs positionieren sich – der große Marktüberblick.

Es ist derzeit nicht einfach, als CFO oder Treasurer bei einem Automobilzulieferer tätig zu sein: Die Elektromobilität erfordert hohe Investitionen, Geldgeber werden skeptischer – und dann erschüttert auch noch das Coronavirus die Weltwirtschaft. „Für die breite Masse unserer Lieferanten wird es immer schwieriger, ihre Finanzierung stabil und zukunftsorientiert aufzustellen“, beobachtet Herbert Hertnagel, Leiter Financial Risk Management bei ZF Friedrichshafen. „Zum einen fahren die Banken ihre Kreditlinien im Automotive-Bereich herunter, zum anderen reduzieren die Kreditversicherer die Limite für große Zulieferer.“ Corona habe diese Entwicklung weiter beschleunigt, so Hertnagel.

Dem Risikomanager bereitet das Sorgen, schließlich ist der Konzern vom Bodensee auf stabile Lieferantenbeziehungen angewiesen. Deshalb hat das Unternehmen reagiert: Der Automobilzulieferer rollt seit einigen Monaten ein Reverse-Factoring-Programm aus. Das Unternehmen möchte seinen Lieferanten so Zugang zu preiswerter Liquidität gewähren.

Zugleich erhofft sich der Konzern auch positive Effekt für den eigenen Cashflow: „Analog zu unseren Wettbewerbern prüfen auch wir derzeit, unsere Zahlungsziele auszuweiten“, erklärt Hertnagel. „Mit dem SCF-Programm schaffen wir die Möglichkeit für unsere Lieferanten, dass diese Maßnahme nicht zu Lasten ihrer Liquidität geht.“

ZF und Puma nutzen Supply Chain Finance

ZF ist nicht das einzige Unternehmen, das gerade ein Supply-Chain-Finance-Programm ausrollt. Egal ob Autoindustrie, Handel oder Touristik: Viele Unternehmen müssen ihr Cash zusammenzuhalten und das Working Capital verbessern. Klassisches Factoring war im Frühjahr allerdings nur eingeschränkt möglich, da Kunden in vielen Branchen wegen des Lockdowns schlicht keine neuen Bestellungen aufgaben. So rückte die andere Seite der Lieferkette in den Fokus: die Verbindlichkeiten.

Repräsentative Marktzahlen gibt es wenige, die steigende Nachfrage lässt sich aber etwa in einer Umfrage der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer ablesen. Der Erhebung zufolge nutzen derzeit 27 Prozent der befragten 125 Finanzverantwortlichen Supply Chain Finance (SCF). Allerdings geben 35 Prozent an, dass das Instrument künftig für sie interessant werden könnte, weitere 6 Prozent planen die Einführung bereits bis 2022.

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