Mit dem ersten Green Bond hat CFO Helene von Roeder Vonovia 600 Millionen Euro an frischem Kapital gesichert. Das Geld soll in nachhaltige Projekte der Bochumer fließen.

picture alliance/Sven Simon | Malte Ossowski

18.03.21
Finanzierungen

Vonovia sammelt mit erstem Green Bond 600 Millionen ein

Zehn Jahre Laufzeit, 0,625 Prozent Zinsen, 600 Millionen Euro schwer und fünffach überzeichnet: Vonovias erste grüne Anleihe wird zum Senkrechtstarter – und womöglich sogar wegweisend.

Der Mark für Green Finance boomt. Neuester Beleg ist der gestern am späten Abend bekannt gegebene Coup von Vonovia. Das Dax30-Unternehmen hat erstmalig einen Green Bond emittiert und damit 600 Millionen Euro an frischem Kapital eingesammelt. Bemerkenswert: Die Anleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren und einem Zinssatz von 0,625 Prozent war fünffach überzeichnet.

Das Geld soll vor allem in die energetische Modernisierung älterer Immobilien und den Neubau energieeffizienter Wohnungen fließen. „Wir schaffen energieeffiziente Neubauten, und Kapitalgeber erwarten von Unternehmen heute, nachhaltig zu handeln. Da ist der Green Bond die perfekte Kombination", kommentierte Vonovia-Finanzchefin Helene von Roeder den Anleihe-Deal.

Wohnwirtschaft: Hoffnungsträger für ESG-Finanzierungen

Dass nun auch große Immobilienkonzerne wie Vonovia den Markt für ESG-Finanzierungen („Environmental, Social, Governance“) für sich entdecken, hat Signalwirkung. Die Wohnwirtschaft gilt als einer der großen Hoffnungsträger für den langfristigen Aufschwung von ESG-Finanzierungen. Manche halten das Green-Finance-Potenzial im Immobiliensektor für noch größer als bei der produzierenden Industrie. Der Grund: Allein in Europa stehen hunderte von Millionen von Häusern und Wohnungen, die mittelfristig auf moderne Energieeffizienzstandards gebracht werden müssen. Die dafür nötigen Investitionen sind enorm und könnten zu einem beträchtlichen Teil „grün“ finanziert werden.

Auch Vonovia mit seinen aktuell mehr als 400.000 Wohnungen in Deutschland, Österreich und Skandinavien will künftig verstärkt auf grüne Anleihen setzen. „Green Bonds sind eine zukunftsorientierte Ergänzung unserer Finanzierungsstrategie, mit der wir bereits jetzt unsere Investorenbasis weiter ausbauen konnten“, ist sich die seit knapp drei Jahren amtierende CFO des Dax-Konzerns sicher. Davor leitete von Roeder das Deutschlandgeschäft der Credit Suisse.

FINANCE-Köpfe

Helene von Roeder, Vonovia SE

Nach ihren Studien in München und Cambridge beginnt die Astrophysikerin Helene von Roeder ihre Karriere 1995 im Risikocontrolling bei der Deutschen Bank in London. 2000 wechselt sie als Director zur Schweizer Bank UBS, ehe sie 2002 zum Executive Director aufsteigt.

Nach einer kurzen Station beim Finanzdienstleister Merrill Lynch geht von Roeder 2004 zu Morgan Stanley. Nach verschiedenen Führungspositionen beruft sie die US-Bank 2013 in den Vorstand. 2014 wechselt von Roeder zur Credit Suisse und leitet für die Schweizer Großbank das Deutschlandgeschäft. Im Mai 2018 übernimmt die Managerin das Finanzressort beim Immobilienkonzern Vonovia, nachdem der bisherige CFO Stefan Kirsten das Unternehmen verlassen hat.

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Vonovia will Bestand modernisieren

Die zusätzliche Liquidität aus dem Bond wollen die Bochumer in die Ertüchtigung ihres Bestands investieren. Dazu zählen energetische Sanierungen, aber auch die Erzeugung erneuerbarer Energie in den Wohnhäusern, beispielsweise mit Hilfe von Photovoltaikanlagen. Die Ankündigungen des Konzerns sind groß: „Um unser Ziel eines nahezu klimaneutralen Gebäudebestands bis 2050 zu erreichen, werden wir auch in Zukunft umfangreich investieren", betont Helene von Roeder.

Der Green Bond ist schon das zweite neue Element, das von Roeder seit Jahresbeginn ihrem Finanzierungsbaukasten hinzugefügt hat: Anfang des Jahres hatte Vonovia erstmals eine vollständig digitale Namensschuldverschreibung emittiert – ein Novum am Finanzierungsmarkt. Dabei nutzte das Unternehmen erstmals die Blockchain-Technologie, um die Eigentumsforderungen zu übertragen. Für die Emission wurden damals sogenannte so genannte Security Tokens genutzt, die den Eigentumsübertrag der Forderung unter höchsten Sicherheitsstandards gewährleisten sollen.

Anders als der Green Bond hatte diese Transaktion aber eher experimentellen Charakter: Das Blockchain-Papier hatte ein Volumen von 20 Millionen Euro und läuft über drei Jahre und ist damit kein Vergleich zu dem jetzt begebenen Green Bond.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Mehr über die Finanzchefin von Vonovia erfahren Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Helene von Roeder.